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Museum im Nordend schließt: Die Tage im Explora sind gezählt

Von Am kommenden Sonntag öffnet das Explora am Glauburgplatz zum letzten Mal. Museums-Betreiber Gerhard O. Stief hat den Bunker verkauft. Seine Sammlung hat er an einen Niederländer veräußert.
Das Anagram von James Dean im Porsche Spyder 550 behält Gerhard O. Stief als Erinnerungsstück. Das Werk entfaltet seine ganze Wirkung nur dann, wenn man durch eine 3 D-Brille schaut. Stief hat den Bunker am Glauburgplatz und seine darin gezeigte private Sammlung verkauft. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Das Anagram von James Dean im Porsche Spyder 550 behält Gerhard O. Stief als Erinnerungsstück. Das Werk entfaltet seine ganze Wirkung nur dann, wenn man durch eine 3 D-Brille schaut. Stief hat den Bunker am Glauburgplatz und seine darin gezeigte private Sammlung verkauft.
Nordend. 

Gerhard O. Stief ist Porsche-Fan. Sein Favorit der Zuffenhausener Sportwagenschmiede ist ein Klassiker: der Porsche 550 Spyder. Schauspieler James Dean fuhr damit in den 1950er Jahren Amateur-Rennen. Im September 1955 verunglückte der damals 24-Jährige tödlich und wurde seitdem zur tragischen Legende hochstilisiert.

Im Explora, dem Science Center von Stief am Glauburgplatz, hängt ein sogenanntes Anagramm von James Dean am Steuer des Spyder. Der Schauspieler und sein deutscher Mechaniker Rolf Wütherich sitzen gemeinsam in dem Sportwagen mit der Startnummer 130.

Sammlung verkauft

Das Anagramm gibt Stief eigenen Aussagen zufolge nicht her. Es soll ihn an einen Lebensabschnitt erinnern, der am kommenden Sonntag endet, und bekommt einen Ehrenplatz in seiner Wohnung. Die wird aber bald nicht mehr im Bunker am Glauburgplatz sein. Der fast 79-Jährige hat das Gebäude verkauft. Auch die komplette Sammlung – bis auf fünf, sechs Stücke – hat er in die Niederlande verkauft. Der neue Eigentümer, dessen Name Stief nicht verrät, will die Sammlung quasi als „Explora in den Niederlanden“ zeigen.

Info: Meterdicke Wände

Gerhard O. Stief war einer der führenden Werbefotografen in Deutschland. Schon immer war er begeisterter Sammler, kaufte 3D-Fotografien, Holografien, Vexierbilder und unmögliche mathematische

clearing

„Ich habe es mir nicht leicht gemacht“, sagt Stief. Doch auch er werde nicht jünger. Und weil er und seine Frau ihr Leben noch etwas genießen möchten, habe er sich doch zum Verkauf durchgerungen. Denn seine beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, hätten das Museum nicht weiterführen wollen. Und so habe er dem Drängen des Niederländers, der mindestens ein Mal pro Jahr das Museum am Glauburgplatz besucht habe, nachgegeben.

Luxuswohnungen

Seit bekannt wurde, dass der Bunker einen neuen Besitzer hat, wird im Nordend spekuliert, dass Luxuswohnungen darin entstehen sollen. Stief selbst hüllt sich in Schweigen. „Ich weiß nicht, was der neue Besitzer vor hat“, sagt er. Er verrät aber, dass sich rund 40 Interessenten aus Frankfurt und Umgebung bei ihm vorgestellt und das Gebäude angeschaut hätten. „Ich habe aber nicht demjenigen, der am meisten geboten hat, den Zuschlag gegeben“, sagt Stief. Die Verkaufssumme will er nicht nennen. Er selbst hatte den Bunker 1995 für eine Million Mark von der Bundesrepublik Deutschland gekauft.

Mehr Licht ins Dunkel bringen Aussagen von Jochen Strack vom Liegenschaftsamt der Stadt. Demnach plant der neue Besitzer tatsächlich Wohnungen. Gespräche zu diesem Thema habe es bereits mit einem Architekten gegeben, der im Namen des Käufers auftrete. Eine Wohnnutzung sei aber nicht so ohne weiteres möglich. Der Grund: Die Stadt hatte Stief Ende 1998 das Grundstück rund um den Bunker verkauft. Im Kontrakt steht, dass die Nutzung an den Betrieb eines Museums gebunden ist. Die Stadtverordnetenversammlung müsse einer Änderung zustimmen und einen entsprechenden Beschluss fassen. Zudem wurde im Kaufvertrag ein Wiederkaufsrecht der Stadt Frankfurt für den Fall der Beendigung der Museumsnutzung vereinbart. Im Moment werde das laut Strack geprüft. Nach Kenntnis von Mark Gellert, Sprecher des Planungsamtes, liegt noch keine Bauvoranfrage vor.

Sollte der neue Besitzer tatsächlich Wohnungen planen, dann kann sich Architekt Stefan Forster nur eine Lösung vorstellen: Den Bunker abreißen und ein oder mehrere Wohngebäude errichten. Investor Ardi Goldmann habe es beim Schifferbunker in Sachsenhausen vorgemacht. „Bei der Lage und den Preisen, die im Nordend aufgerufen werden, ist das sicher rentabel“, meint Forster. Den Bunker umzubauen, hält er für viel zu aufwendig. Allerdings kann sich der Architekt auch vorstellen, dass der neue Besitzer die Räume wieder für ein Museum nutz oder eine Sammlung dort zeigt und sich auf dem Dach eine Penthouse-Wohnung einrichtet.

Die allerdings ist schon vorhanden, Stief und seine Frau hatten eine Wohnung im Bunker. Das Ehepaar will das Gebäude Mitte 2017 räumen. Er brauche die Zeit, sagt Stief, weil er noch ziemlich viel aufzuräumen habe.

 

Das Explora am Glauburgplatz hat noch bis zum 4. Dezember täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

 

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