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Die Vorkämpfer der Geplagten

Von Das Ehepaar Herrlein vom Sachsenhäuser Lerchesberg ist als einziger privater Musterkläger beim anstehenden Revisionsverfahren gegen den Landebahnausbau am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugelassen.
Frankfurt. 

Mit dem Frankfurter Flughafen leben Adolf (70) und Angela (66) Herrlein schon immer, schließlich wohnen sie seit 1977 im Nansenring auf dem Lerchesberg. Inzwischen hat ihnen der laute Nachbar zu so etwas wie Prominenz verholfen. Unfreiwillig, aber es geht nicht anders: Die Herrleins kämpfen im Namen vieler anderer vor den Gerichten gegen die neue Landebahn. Ihre Klageschrift ist die einzige mit privatem Absender, die für das anstehende Verfahren in Leipzig zugelassen ist.

Damit ruhen viele Hoffnungen auf den Sachsenhäusern, dabei wollen sie nur ihr Familienleben retten. 1998 noch haben sie ihr Haus ausgebaut, damit sie gemeinsam mit den inzwischen erwachsenen Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln unter einem Dach wohnen können.

Die Flugzeuge darüber störten sie nicht. Erst als sie vom neuerlichen Ausbau des Flughafens hörten, wurden sie zu dessen Gegnern. Und jetzt, da die Jets im Minutentakt über ihr Haus donnern, fühlt sich das Paar um sein Lebenswerk betrogen, wie Angela Herrlein sagt. Zurückerobern wollen es die Herrleins mit einem Marsch durch die juristischen Instanzen.

Durch alle Instanzen

"Wir und über 200 weitere Privatkläger haben schon 2008 am Verwaltungsgericht in Kassel gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt", erzählt Adolf Herrlein. Das Gericht bündelte die anhängigen Klagen und wählte die Herrleins als private Musterkläger aus, weil deren Einwand gegen den Flughafenausbau alle 12 relevanten Fragenkomplexe und 25 vermeintlich schweren Rechtsverstöße beinhaltet. Das endgültige Urteil sprach es nicht. Das tut nun voraussichtlich am 13. März 2012 das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Die Klage der Herrleins wurde von der Würzburger Kanzlei Baumann erarbeitet. Die anfallenden Kosten übernimmt der Rechtshilfe-Fonds der Sachsenhäuser Bürgerinitiative gegen Fluglärm (BIS). "Wir sehen uns stellvertretend für alle Betroffenen in der Region. Ich glaube an unser Rechtssystem. Sollte über die Revision in Leipzig abschlägig entschieden werden, ziehen wir bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe", so Adolf Herrlein. Für die Familie steht fest, dass sie alle juristischen Mittel ausreizen werden. Erst danach sei es an der Zeit, über einen Umzug nachzudenken.

Noch streiten sie, gehen auf jede Montagsdemo am Airport. Im Arbeitszimmer des Kaufmanns Adolf Herrlein zeugen über ein Dutzend prall gefüllter Leitz-Ordner von der gerichtlichen Korrespondenz der zurückliegenden Jahre. Er sei kein kategorischer Flughafengegner. Die Belastung vor Eröffnung der neuen Landebahn sei hinnehmbar gewesen. Doch die Auswirkungen von 50 Prozent mehr Flugverkehr seien schlichtweg unvertretbar.

Schon jetzt leidet das Familienleben. Der Drei-Generationen-Haushalt der Familie droht auseinander zu brechen. Die Tochter mietete vor zwei Wochen ein Haus in Hofheim, um ihren beiden Kindern ruhigere Lernbedingungen zu bieten. Angela Herrlein kann trotz Oropax nachts nicht mehr schlafen. Auch Gatte Adolf klagt über lärmbedingte Konzentrationsprobleme: "Wir haben eine sehr gut isolierte Wohnung. Aber wenn ab fünf Uhr bis zu 20 Flugzeuge über das Haus fliegen, ist an Schlaf nicht zu denken."

Alles nur Wahlkampf

Abgesehen vom Lärm und der Sorge um die eigene Gesundheit sind die Herrleins auch enttäuscht von der Lokal- und Landespolitik: Adolf Herrlein glaubt, dass "die Parteien jetzt einknicken, um ihre Stimmen bei der anstehenden OB-Wahl zu retten." "Für meine Frau ist es ein Albtraum, und für mich schlichtweg ein Skandal", sagt Adolf Herrlein, der bis zum jüngsten Flughafenausbau an den Rechtsstaat glaubte und zuvor noch nie auf Demonstrationen war.

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