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Kolumne: Die Woche im Römer: Vorsätze, aus denen eh nichts wird

Von Regieren ist eine schwierige Angelegenheit. Das weiß auch der Frankfurter Magistrat. Der Jahreswechsel bringt Zeit für innere Einkehr und gute Vorsätze für das neue Jahr - eigentlich.
Symbolbild Symbolbild

Wenn der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist, gilt das vielleicht auch für den Frankfurter Magistrat. Wahrscheinlicher ist aber, dass all seine Mitglieder in den Himmel kommen. Opfern sie sich doch in rast- und selbstlosem Einsatz für die Allgemeinheit auf. Regieren ist schließlich eine schwierige Angelegenheit. Das weiß auch der Magistrat. Nach dem Zeugnis in dieser Zeitung schnitt das elfköpfige Gremium bei der Machtausübung mit einer gefühlten Durchschnittsnote von 3,3 ab. Das kann besser werden. Zeit also zu innerer Einkehr und für gute Vorsätze für das neue Jahr.

Thomas Remlein Bild-Zoom Foto: (FNP)
Thomas Remlein

Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) will bereits 2035 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Als ersten Schritt hat er in seinem Büro ein Sparschwein mit der Aufschrift „Mein letztes Geld“ aufgestellt. Mit dem Hinweis: „Hätten Sie mal einen Euro für mich?“ bittet er Besucher, einen Obolus zur Deckung des Haushaltscanyons (die Bezeichnung Haushaltsloch wäre verniedlichend) in das Schwein zu werfen. Scheine sind willkommen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) tritt nach erfolgter triumphaler Wiederwahl am 25. Februar kürzer. Sechs Jahre Dauerwahlkampf haben ihn doch ermüdet. Die Oberbürgermeisterkette aus purem Gold freut sich. Sie kann ebenfalls zur Ruhe kommen. Und noch mehr Protokollchef Karlheinz Voß, der Feldmann das Teil nicht mehr ständig hinterher tragen muss.

Tarkan Akman, der Leiter des städtischen Amtes für Kommunikation, das weite Teile der inoffiziellen Feldmann-Kampagne mit seinen PR-Beiträgen gestaltet hat, erhält für sein schöpferisches Wirken im Dienste des OB den mit 50 000 Euro dotierten Goethepreis der Stadt.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist tief enttäuscht von der Nilgans-Jagd im Brentanobad. Nur sechs Gänse konnten abgeschossen werden. Mit einer Brut macht eine Nilgans diesen Ausfall wieder wett. Heilig will daher 2018 den Jagdschein machen und selbst das Feuer auf die lästigen Viecher eröffnen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wird in ihrer Regierungszeit niemals eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Das Ergebnis des Papiers zu Sanierung von Schauspiel und Oper reicht ihr. Mehr als 800 Millionen Euro an Kosten kamen dabei heraus. Da macht sie es doch lieber selbst. Dabei kann sie auf Hilfe des Baudezernenten Jan Schneider (CDU) zählen.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat genug vom Widerstand Eschborns, Oberursels und Steinbachs gegen seinen neuen Stadtteil. Kurzerhand plant er die feindliche Übernahme des reichen Nachbarn Eschborn. Vorfinanziert wird es aus Beckers Sparschwein. Becker opfert es gerne, denn mit der Eingemeindung sind all seine Haushaltsprobleme gelöst. Sofort beschlagnahmt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) einen Teil des Eschborner Vermögens, um die Mehrkosten beim Neubau des Höchster Klinikums zu decken. Dafür erhalten alle Eschborner bei einer Behandlung in Höchst den Status von Privatpatienten.

Die übrigen Magistratsmitglieder nehmen sich lieber nichts vor, weil es ohnehin nichts bringt. Einer Studie zufolge halten sich nicht einmal fünf Prozent der Deutschen an ihre guten Vorsätze zu Silvester. Sehr wahrscheinlich also, dass alles bleibt, wie es ist. Ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, entscheidet jeder für sich selbst.

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