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Die Woche im Römer: Warum eine Stärkung der ABG Holding sinnvoll ist

Von Thomas Remlein Dass das Land Hessen möglicherweise die Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte (NH) verkauft, war ein Wahlkampfschlager, mit dem der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erfolgreich war. Thomas Remlein Thomas Remlein

Das Land besitzt 56 Prozent an der NH, die Stadt Frankfurt 31 Prozent der Rest verteilt sich auf weitere Städte und Landkreise. Die Stadt Frankfurt hat schon früh signalisiert, im Falle eines Verkaufs der NH die 16 000 Wohnungen, welche die Gesellschaft in der Mainmetropole besitzt, von der städtischen ABG Holding übernehmen zu lassen. Für Feldmann war das ein gefundenes Fressen. Bei seinen Hausbesuchen erschreckte er alte Leutchen in den NH-Wohnungen mit der Behauptung, im Falle eines Eigentümerwechsels würden ihnen drastische Mieterhöhungen ins Haus stehen. Schließlich müsste die ABG Holding dann ja den Kaufpreis hereinholen.

Das ist grundsätzlich falsch. Die ABG Holding würde den Kaufpreis in dreistelliger Millionenhöhe über Kredite finanzieren. Mit ihrer hohen Eigenkapitalquote und den Sicherheiten, die Immobilienbesitz in einer Großstadt nun einmal bietet, erhält sie von den Banken derzeit günstige Kredite zu einem Zinssatz zwischen drei und vier Prozent. Die Rendite aus der Vermietung beträgt aber mindestens sechs Prozent. Die Wohnungen finanzieren sich also gewissermaßen selbst. Genau das ist das Geschäftsmodell von Heuschrecken wie der Deutschen Annington.

Nun ist die ABG Holding aber kein kurzfristig interessierter Finanzinvestor. Im Gegensatz zur Annington hört man von ABG-Mietern wenig Klagen. Als städtische Gesellschaft folgt sie den Spielregeln, die ihr die Stadtverordneten gegeben haben. Die ABG Holding darf beispielsweise den Rahmen für mögliche Mietpreiserhöhungen nicht voll ausschöpfen. Das gleiche würde gelten, wenn die ABG Holding die NH-Wohnungen übernehmen würde.

Auch die Kritik der SPD, mit dem Kauf der NH-Anteile würde der ABG Holding das Geld für den Wohnungsneubau fehlen, geht ins Leere. Da die Kreditfinanzierung nicht zulasten des Unternehmensgewinns geht, fehlt der ABG Holding kein einziger Euro für den Neubau. Selbst wenn sie wollte, könnte die ABG Holding den dreistelligen Millionenbetrag, den sie für die NH-Anteile bezahlten müsste, nicht in Neubauten investieren. Zum einen wäre gar nicht das Bauland dafür vorhanden, zum anderen sind die Renditen für Neubauwohnungen wesentlich bescheidener als für Altbauten.

Kämmerer Uwe Becker (CDU) käme ein Verkauf der NH-Anteile an die städtische Tochtergesellschaft sehr gelegen. Der Kaufpreis in dreistelliger Millionenhöhe würde seinen höchst defizitären Haushalt entlasten. Das städtische Vermögen bliebe dennoch erhalten, weil es ja lediglich in eine ebenfalls städtische Gesellschaft wechselt.

Leider sträuben sich die Grünen gegen das Geschäft. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass sie die wirtschaftlichen Zusammenhänge genauso falsch wie die SPD beurteilen.

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