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Keine Angst vor Krebsrisiko: Die Wurst schmeckt immer noch

Von Die Frankfurter essen weiter Wurst. Am Tag nach der Krebsrisiko-Meldung der WHO war bei den Metzgern noch kein Umsatzrückgang zu verzeichnen. Viele blicken aber mit Sorge in die Zukunft.
Guten Appetit! Julia Back lässt sich die Bratwurst auf der Zeil schmecken – trotz Warnungen der WHO. Bilder > Foto: Michael Faust Guten Appetit! Julia Back lässt sich die Bratwurst auf der Zeil schmecken – trotz Warnungen der WHO.
Frankfurt. 

Zwischen 4000 und 6000 Frankfurter Rindswürste werden in der Traditionsmetzgerei Gref-Völsing täglich produziert. Von Umsatzeinbußen war in der Metzgerei in der Hanauer Landstraße gestern, am ersten Tag nach Bekanntwerden der Forschungsergebnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nichts zu spüren. „Die Kunden haben auch noch nicht gefragt“, sagte Inhaberin Friederike Satvary. Sie hofft, dass es so bleibt und Fleisch und vor allem Wurst nicht wieder im Laden liegenbleibt, so wie vor 15 Jahren während des BSE-Skandals. „Wir haben damals zwei Drittel weniger Rindswürste verkauft, zwei Drittel! Ich musste acht Mitarbeiter entlassen. Wir haben danach nie mehr das Niveau erreicht, das wir vor dem BSE-Skandal hatten, verkaufen noch heute etwa ein Drittel weniger als zuvor.“ BSE habe sich in den Köpfen vieler Verbraucher festgesetzt.

Große Auswahl an Sorten

Rund 1500 verschiedene Wurstsorten gibt es in Deutschland. Die Fleischarten könnten wechseln, die Fleischmenge bleibe in etwa konstant, sagt Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Fleischer-Verbands in Frankfurt: „Etwa 60 Kilogramm werden in Deutschland pro Kopf und Jahr verzehrt, die Hälfte davon als Wurst und Schinken verarbeitet“, so Fuchs. Vor allem Wurst und Schinken sind in der WHO-Studie als eindeutig krebserregend ausgewiesen. In Hessen gibt es laut Fuchs etwa 1400 Fleischer-Unternehmen, meist Familienbetriebe mit durchschnittlich zehn Beschäftigten. Umsatzeinbußen fürchtet der Hauptgeschäftsführer derzeit nicht. „Die WHO-Veröffentlichung liefert keine neuen Daten, und auch die WHO empfiehlt Fleischkonsum in Maßen.“ Dass die WHO die Wurstmenge auf 50 Gramm pro Person und Tag reduziert sehen möchte, weil sich sonst das Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent erhöht, nimmt Fuchs gelassen. „In Deutschland wird demnach etwa ein Drittel zu viel Wurst verzehrt. Wir nehmen die Warnungen nicht auf die leichte Schulter, aber man muss sie richtig einordnen.“

Prof. Axel Dignaß vom Markuskrankenhaus schätzt das Krebsrisiko wegen Wurstverzehr als gering ein: „Insgesamt besteht ein sehr geringes, aber statistisch nachweisbares Risiko, wegen Fleischkonsums eher an Darm- und Magenkrebs zu erkranken. Selbst wenn man ein niedriges Risiko verdoppelt, bleibt es klein. Für den Einzelnen ist das Risiko wirklich sehr gering.“

In der Kleinmarkthalle waren die Händler gestern auf Kundenfragen eingestellt, doch auch hier, wie bei Gref-Völsing: Niemand hatte nachgefragt. Aber Osman Güneri, Verkäufer bei „Dolce Vita“, ärgert sich: „Es ist immer was anderes. Mal das Fleisch, mal der Fisch, mal die Pilze, die in den Medien sind.“ Zwei Wochen später sei wieder alles vergessen. Renate Michel von „Feinkost Michel“ sieht die Sache gelassen: „Esst Worscht, trinkt Bier, freut euch am Leben.“

Wurst sei schon immer gepökelt worden, um sie haltbar zu machen. „Anders geht es ja nicht. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm wird mit dem Umsatzeinbruch.“ Margarete Jach von der „Hausfrauenkost“ in der Kleinmarkthalle ist einfach sauer: „Es gibt so viele Probleme, der Krieg in Syrien, die Flüchtlingsströme!“ Es sei geradezu ein Luxusproblem, sich über eine geringfügig höhere oder niedrigere Krebsgefahr ernsthaft Gedanken zu machen.

Den Kunden schmeckt es

Ahmad Al-Said, selbstständiger Ein-Mann-Wurstverkäufer auf der Zeil, fürchtet: „Ich werde in den kommenden Tagen wohl weniger verkaufen.“ Dabei sei seine Wurst „halal“, die Tiere nach den muslimischen Geboten geschlachtet. „Ich verkaufe nur Geflügelwurst.“ Jetzt will der Verkäufer abwarten, was die Woche bringt.

Seine nächste Kundin ist Julia Back (23) aus Bad Kissingen. Sie ist mit ihrem Freund zum Shoppen nach Frankfurt gekommen. „Für mich ist das alles kein Thema, was ich da über die Wurst gelesen habe. Ich esse gerne Wurst.“ Beherzt beißt sie in die Geflügelwurst.

Dr. Ute Bauer hält es ebenso. „Ich esse nicht viel Fleisch, aber ich esse es gerne. Von den aktuellen Meldungen lasse ich mich nicht beeindrucken“, sagt die Biochemikerin. „Gerade habe ich etwas Griebenschmalz und ein paar Leberwürstchen gekauft.“ Krebsgefahr hin oder her.

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