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Musiklokal an der Ziegelhüttenstraße: Die „Art Bar“ sucht neue Heimat

Über der Frankfurter „Art Bar“ droht die Aufhebung des Mietvertrages wie ein Damoklesschwert. Trotz aller Sorgen müssen die kommenden Monate geplant werden. Jetzt hofft die Wirtin auf die Unterstützung der Stadt.
Wirtin Janice Young hofft darauf, dass über die Initiative des Ortsbeirats und die Unterschriftenlisten ein neuer Platz für die „Art Bar“ gefunden werden kann. 
Fotos: Faust Bilder > Wirtin Janice Young hofft darauf, dass über die Initiative des Ortsbeirats und die Unterschriftenlisten ein neuer Platz für die „Art Bar“ gefunden werden kann. Fotos: Faust
Sachsenhausen. 

Wenn Janice Young von der Planung der kommenden Monate erzählt, schwingen Sorgen in ihrer Stimme mit. „Wir denken über ein Theaterprogramm nach, wenn es klappt, gerne ab Herbst. Aber wir wissen ja nicht, wie es weitergeht“, sagt die Wirtin der „Frankfurter Art Bar“ an der Ziegelhüttenstraße.

Gäste kommen genug – die Wirtin ist eher besorgt, wie lange die durchaus etablierte Bar mit ihrem Musik- und Kulturprogramm und der offenen Bühne noch das Domizil behalten kann. „Vor zwei Jahren haben alle Mieter im Haus den Mietvertrag gekündigt bekommen. Wir konnten uns einigen und dürften bleiben. Aber wir haben nichts Schriftliches und wie lange das noch so weitergeht, kann uns auch niemand sagen“, erzählt Young.

Die „Frankfurter Art Bar“ residiert im Ziegelhüttenweg inzwischen seit rund neun Jahren. In dieser Zeit machte Young aus der ehemaligen Druckerei einen beliebten Treffpunkt für Musiker und Künstler, aber auch für alle, die einfach gerne einen Abend lang gute, handgemachte Musik genießen möchten.

Seit der Kündigung des Mietvertrages sucht Young nach einer neuen Bleibe (wir berichteten). Anfangs sei der Schock noch sehr groß gewesen, inzwischen überwiege die Wachsamkeit auf der Suche nach neuen Räumen. Sie erzählt: „Weil wir nach diesen Monaten immer noch hier sind, denken unsere Gäste teilweise, das Problem hätte sich erledigt. So ist es aber überhaupt nicht.“

Bislang hätten sich alle Versuche, neue Räumlichkeiten zu finden, zerschlagen. „Wenn wir hier ’raus müssen, bringt auch alles Diskutieren nichts mehr. Bis es so weit ist, müssen wir eine Alternative gefunden haben.“

Überall kann und will die „Art Bar“ in Zukunft ihre Türen allerdings nicht öffnen. „Wir legen viel Wert auf eine gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre. Da wäre ein Industriegebiet nicht so ideal für uns“, erklärt Young. Gäste und Musiker, die regelmäßig in der Bar spielen, sollen außerdem nach Möglichkeit mitgenommen werden. In den zurückliegenden Jahren sei ein fester Gäste-Stamm aufgebaut worden, der zu großen Teilen in Sachsenhausen beheimatet sei. „Wir haben ein sehr treues Publikum im Alter zwischen 20 und 80 Jahren. Das ist ganz bunt gemischt. Und es kommen immer wieder auch neue Leute, die vorher noch nicht hier waren.“

 

Schwierige Planung

 

Am liebsten würde die Wirtin mit ihrer Gastronomie in Sachsenhausen bleiben. Doch ist der Stadtteil einfach zu dicht bebaut. „Unser Problem ist natürlich auch die Live-Musik. Das ist nicht immer leise, also können wir nicht überall hin.“ Sei die Nähe zu privat genutzten Wohnungen zu groß, sei Krach mit den Nachbarn programmiert.

Schwierig ist die Lage für die Wirtin vor allem auch deshalb, weil sie nicht in Ruhe und mit der nötigen Sicherheit das Programm der nächsten Monate planen kann. „Dieses Jahr ist schon alles verplant, aber wir müssen eben ein halbes Jahr im Voraus denken. Und da schwebt über allem die Raumsituation, auch wenn es natürlich trotzdem irgendwie weitergehen muss.“

Um Aufmerksamkeit für die schwierige Lage der „Art Bar“ zu erzeugen, sammelt die Gastronomin bereits seit Monaten Unterschriften. Mehr als tausend seien bereits zusammengekommen. „Aber wir wissen gar nicht genau, wohin damit“, sagt Young. Es fehle an Unterstützung, um der Institution – und zu einer solchen hat sich die „Art Bar“ in den vergangenen Jahren im Stadtteil entwickelt – eine Zukunft zu sichern. Nun hat ein Stammgast sogar eine Petition im Internet gestartet mit dem Ziel, neue Räume zu finden. „Über so eine Initiative freuen wir uns natürlich sehr in der derzeitigen Situation. Genauso wie über jedes nette Wort“, lobt Young.

 

Ortsbeirat will helfen

 

Die Hoffnung aufgegeben hat Young auch nach mehr als einjähriger Suche nicht. Sie hofft auf die Unterstützung der Stadt, etwa auf Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) oder Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne). Zumindest der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) will der Wirtin aus der Patsche helfen. In einem gemeinsamen Antrag der Grünen und der CDU bittet das Stadtteilparlament den Magistrat, die „Art Bar“ auf der Suche nach neuen Räumen in Sachsenhausen zu unterstützen. Geprüft werden solle auch, ob die Bar zumindest für einige Zeit im Keller des „Paradieshofes“ eine kurzfristige Heimat finden könnte. Begründung: Die „Art Bar“ sei ein „etablierter Treffpunkt für Künstler und deren liebendes Publikum sowie ein Ort für Live-Musik“, erklären CDU und Grüne. Die Hilfe der Stadtverwaltung Frankfurt bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten sei wünschenswert, „um dieses besondere kulturelle Angebot für den Stadtteil Sachsenhausen zu erhalten“.

 

Wer die Online-Petition für die Art Bar unterstützen möchte, wird im Internet unter der Adresse www.change.org fündig.

 

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