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Ungewöhnliches Angebot in Hausen: Die mit dem Rollator tanzen

Von Tanzen mit dem Rollator: Ein ungewöhnliches Angebot stößt in Hausen auf viele Fans. Zu Schlagern aus vergangenen Zeiten und klassischer Musik werden hier nicht nur die Beine, sondern auch die Rollen bewegt.
Zu „Tulpen aus Amsterdam“ werden die gelben und orangenen Tücher geschwenkt, um das Tanzen ein wenig aufzulockern. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Zu „Tulpen aus Amsterdam“ werden die gelben und orangenen Tücher geschwenkt, um das Tanzen ein wenig aufzulockern.
Hausen. 

Im Wiegeschritt im Kreis gehen, tänzerisch die Füße mobilisieren und fließende Armbewegungen im Takt der Musik – der Rollator-Tanz gehört im Altenzentrum Santa Teresa vielleicht zu den außergewöhnlichsten unter den zahlreichen Sport- und Freizeitangeboten. Einmal im Monat lädt Leiterin Mechthild Schöler zur Tanzstunde im Clubraum und kommt mit ihrer Idee wunderbar an.

„Ich wollte erst nicht“, erzählt Magdalena Guthmann, die hier alle nur Marlene rufen. „Doch jetzt bin ich voll begeistert.“ Die Schlager und die klassische Musik, die hier gespielt würden, machten einfache Lust, sich zu bewegen. Tatsächlich: Die Gesichter der Teilnehmer strahlen mit jedem neuen Lied, das hier aus dem kleinen transportablen CD-Player erklingt. Nur ab und zu, wenn die Schritt- und Bewegungskombination etwas anspruchsvoller ist oder Mechthild Schöler ganz was Neues ausprobiert, werden die Blicke konzentrierter. Klar: Zwar ist es kein Problem, wenn hier mal jemand an der falschen Stelle die Laufrichtung ändert und zu früh den Arm in die Luft streckt, aber den Ehrgeiz im Großen und Ganzen gut mitzukommen, haben wohl die meisten. Mit dem Tanz trainieren die Teilnehmer ihre Mobilität und ihr Gleichgewicht. Das alles könne sich vor allem in punkto Sturzgefahr positiv auswirken. „Es ist auch eine Art Gedächtnistraining“, sagt Sieglinde Buske, die mit ihren 70 Jahren quasi das Küken in der Truppe ist.

Zwischen zehn und zwölf Leute kommen im Schnitt zu dem offenen Angebot. Die Mehrheit sind Frauen. Sie wohnen im Altenheim, in den zugehörigen Wohnungen oder kommen einfach aus der Umgebung. Jeder sei hier willkommen, sagt die Leiterin.

Sie ist die Initiatorin und der kreative Kopf hinter der Geschichte. Jahrzehntelang sorgt sie schon für Bewegung bei Älteren: Diverse Gymnastikkurse hat sie schon in der Vergangenheit, zuerst im Lahn-Dill-Kreis, dann hier in Frankfurt gegeben.

Dankbarer „Partner“

Den Rollator-Tanz entwickelte sie aber erst, als sie selbst auf die Gehhilfe angewiesen war. Als passionierte Tänzerin habe sie sich gedacht, dass das doch auch mit dem Rollator gehen müsse, erzählt sie vor der Tanzstunde. „Wir haben zwar keine Partner mehr, aber der Rollator tritt uns wenigsten nicht auf die Füße“, meint sie verschmitzt.

Nach und nach entwickelte Schöler dann Übungen, die zum Tanz passten. Einiges entnahm sie klassischen Einheiten, aus ihren Gymnastikkursen mit dem Stuhl, wie sie erzählt. Immer wieder lässt sich die 82-Jährige zudem etwas Neues einfallen: So sollen die Tänzerinnen zu dem Lied „Tulpen aus Amsterdam“ rote und gelbe Tücher schwenken. Das sieht schön aus und trägt dazu bei, dass es den Damen nicht langweilig wird.

Heute, am Freitagnachmittag, sind ausschließlich Frauen auf dem Parkett. Doch es gibt auch einen Herren, der sich in der Regel mit in die Gruppe einreiht. Nur heute lässt er den Rollator aus gesundheitlichen Gründen mal ruhen. „Wir könnten noch mehr Männer gebrauchen“, meint Mechthild Schöler.

Sozialdienstleiterin Janina Hautsch findet es gut, dass sich hier im Kurs die verschiedenen Gruppen mischen, wie sie sagt. Und Ehrenamtskoordinatorin Uschi Roth unterstreicht, dass Mechthild Schöler exemplarisch für viele weitere Ehrenamtler in Caritas-Seniorenwohnanlagen stehe.

Ein Leben lang aktiv

„Wir haben circa 60 engagierte Personen, die hier mit viel Herzblut und Empathie dabei sind“, schildert sie.

Mechthild Schöler selbst, engagiert sich seit Anfang der 1980er Jahre für Senioren. Zuerst organisierte sie in ihrem früheren Wohnort im Lahn-Dill-Kreis Reisen und ließ sich dann zur Übungsleiterin ausbilden. Mittlerweile gehört sie selbst zu ihrer Zielgruppe. Damit hat die 82-Jährige aber kein Problem, wie sie erkennen lässt. Im Gegenteil, ihre Gymnastikgruppen tun ihr selbst gut, sowohl die Bewegung als auch die zwischenmenschlichen Kontakte. „Ich brauche das einfach“, sagt sie lächelnd. Sie sei ihr Leben lang aktiv gewesen und wolle dies auch jetzt noch gerne sein.

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