Die nächste Runde ist eingeläutet

Das Boxcamp der Sportjugend Frankfurt im Gallus stand vor dem Aus. Doch gestern sicherte eine Reihe von Sportfreunden dessen weitere Existenz. Vor allem, weil einer der Gönner die Geldzusagen der anderen verdoppelte. 58 000 Euro kamen so zusammen.
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Gallusviertel. 

Vor wenigen Tagen habe er einen Vortrag in der Goethe-Uni gehalten, sagte Philip Holzer – die Studenten seien laut gewesen. Die Teilnehmer des Boxcamps im Gallus hingegen verfolgten diszipliniert und ohne Zwischenrufe, wie Politiker, Unternehmer und Banker die Zukunft des Erfolgsprojekts erst einmal sicherten. Für Banker Holzer war dies ein weiterer Beweis, dass seine Großzügigkeit hier nicht fehl am Platz ist.

Mittel zum Zweck

"Erst habe ich noch gezweifelt", erinnert sich Holzer. Vergangenen Sommer hatte ihn Peter Benesch, der Vorsitzende der Sportjugend Frankfurt, zwei Stunden lang gezeigt, was so passiert in der Rebstöcker Straße 54. Holzer überlegte, ob er Mittel seiner Stiftung "Business for Sports" wirklich einer Einrichtung zukommen lassen solle, die größtenteils Jugendlichen mit Migrationshintergrund das Boxen beibringt. Die erlernten Fähigkeiten könnten schließlich auch außerhalb des Rings eingesetzt werden.

Doch Benesch hat es mit seinem Trainerteam geschafft, das Boxen nur zum Mittel zum Zweck werden zu lassen, sprich: Den Jugendlichen im Training Disziplin und gesellschaftliche Werte näher zu bringen und diese davon nun in der Schule und dem sonstigen Alltag profitieren. Daher entschied sich Holzer, dem Boxcamp zu helfen.

30 000 Euro sicherte er Benesch zu. Dieser kann damit das Boxcamp zumindest bis Jahresende betreiben. Allerdings war damit noch nichts über das Jahr 2012 hinaus gesichert. Doch auch hier sprang Holzer in die Bresche, nicht jedoch ohne seine Zusage an gewisse Bedingungen zu knöpfen.

Er versprach zu verdoppeln, was andere Gönner des Boxcamps aufbringen. Sportdezernent Markus Frank sagte 5000 Euro zu, mit denen der städtische Wohnkonzern ABG das Boxcamp fördern möchte. Evanthia Triantafillidou, Vorsteherin vom Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhof, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt) versprach weitere 2000 Euro aus dem Budget des Ortsbeirats, der FDP-Stadtverordnete Gert Trinklein steuerte 5000 Euro bei.

Holzer hatte mit dem Unternehmer Axel König zudem einen Hobbyboxer im Schlepptau, der sich spontan für das Boxcamp begeisterte. Da er im Sommer regelmäßig ein Benefiz-Fußsballturnier vor der Commerbank-Arena veranstalte, kündigte König an, auch den damit erzielten Erlös den Boxern zukommen zu lassen. "6000 bis 7000 Euro kommen dabei in der Regel zusammen", so König. Letztlich hatte Holzer selbst noch ein "Schmankerl" parat. Ein anonymer Freund, der sich ebenfalls für das Boxcamp begeistert, sagte dem Banker weitere 10 000 Euro zu. Nach Holzers Verdopplung kamen somit 58 000 Euro zusammen, die dem Boxcamp helfen, die nächsten Monate zu bestreiten.

10 000 Euro von der Stadt

Von der Stadt wurde die Einrichtung bislang mit 10 000 Euro jährlich unterstützt. Ob dies auch weiterhin so bleibt, darüber wird in Kürze der Jugendhilfeausschuss entscheiden, sagte am Freitagabend der Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings, Jan Lambrecht.

Woher rührt jedoch Holzers Hingabe für den Sport? "Ich habe es weit gebracht in meinem Leben. Der Sport hat mich dabei immer begleitet. Daher möchte ich was zurückgeben", erklärte der Gönner, der nicht zuletzt als Aufsichtsratsmitglied bei der Frankfurter Eintracht ein gutes Händchen für die ordentliche Verwendung von Geld hat.

Rund 85 000 Euro, so Benesch, benötige das Boxcamp jährlich für den Betrieb. Ein Großteil vereinnahmen Personalkosten. Der Rest geht für Miete, Strom, Wasser und Ausrüstung drauf. Im nächsten Jahr dürften die Betriebskosten etwas geringer ausfallen, da der Vermieter dem Boxcamp die monatliche Miete um fast die Hälfte gekürzt habe, berichtete Benesch. Er gestand am Freitagabend selbst ein, sich beim Aufbau der 2010 gegründeten Einrichtung etwas übernommen zu haben, daher die alljährliche Sorge um den Fortbestand. "Ich hätte warten müssen, bis die Finanzierung des Boxcamps stand. Aber dann hätte vielleicht keiner damit angefangen", so Benesch.

Auch wenn im Boxcamp nun vorerst nicht die Lichter ausgehen, beschäftigen sich einige junge Boxer gestern schon mit der Zeit nach 2013. Für Ali (16) ist das Boxcamp wie eine Familie, Trainer Hossein Mehranfard wie sein älterer Bruder. Holzer begegnete den Sorgen mit einem unaufgeregten "ns wird schon was einfallen". bki

(Benni Kilb)
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