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Die "unsichtbare" Kunst erfühlen

In einem Kunstprojekt arbeiten Künstler und Menschen mit Sehbehinderung zusammen. Die entstandenen Gemeinschaftswerke sind in der Ausstellung "Vom Unsichtbaren" im Ausstellungsraum Eulengasse zu sehen, die heute eröffnet.
Die Spiegelinstallation von Dana Lienert (vorne) und Gisa Hillesheimer (hinten) kann man nicht nur betrachten, sondern auch ertasten, da auf dem Papier der Satz "Schön dich zu sehen" in Brailleschrift steht.	Foto: Holger Menzel Die Spiegelinstallation von Dana Lienert (vorne) und Gisa Hillesheimer (hinten) kann man nicht nur betrachten, sondern auch ertasten, da auf dem Papier der Satz "Schön dich zu sehen" in Brailleschrift steht. Foto: Holger Menzel
Bornheim. 

Für Sehende ist es oft schwierig nachzuvollziehen, wie es ist, seine Umwelt nicht durch die Augen wahrnehmen zu können. Dass die Vorstellung vom Sehen jedoch ganz unterschiedlich aufgefasst werden kann und das Blindheit nicht bedeutet, nicht am Leben teilzunehmen und Spaß zu haben, zeigt die Ausstellung "Vom Unsichtbaren". Sie wird heute Abend um 19 Uhr im Ausstellungsraum Eulengasse eröffnet.

Bei dem Kooperationsprojekt des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und des Blindenhilfswerks Hessen haben sich Künstler und Menschen mit Sehbehinderung in insgesamt neun Zweiergruppen zusammengetan und sich jeweils für den Teampartner geöffnet. Seit Beginn des Projekts, das im Jahr 2011 mit einem ersten Workshop startete, sind Gemeinschaftsarbeiten wie Videofilme, bildhauerische Arbeiten, Gemälde und Objekte entstanden, die verschiedene Seiten des Nichtsehens und des Sehens beleuchten.

Viele Wörter für Sehen

Gisa Hillesheimer und Dana Lienert bilden eines dieser Teams. "Wir haben gemeinsam festgestellt, dass es in der deutschen Sprache viele Wörter für das Sehen gibt", erzählt Gisa Hillesheimer. Wörter wie "schauen", "anblicken" oder "einsehen", aber auch Redewendungen wie "Auf Wiedersehen" würden hierzu zählen. Das Team hat dies unter anderem in einer Spiegel-Installation kreativ dargestellt, für die sie Teile der Spiegelfläche mit Papier überdeckt haben. Hierauf steht in Brailleschrift (einer Punktschrift für sehbehinderte und blinde Menschen) der Satz "Schön, dich zu sehen".

"Wir suchten interessante Wörter, um sie künstlerisch darzustellen und für beide Seiten erfahrbar zu machen", sagt Hillesheimer. Die Brailleschrift lässt sich für Menschen mit Sehbehinderung erfühlen, für Sehende steht der Text noch einmal am Rand. Für Dana Lienert war es eine neue Erfahrung, daran mitzuwirken. "Nicht das kreative Arbeiten als solches war neu für mich, sondern die Zusammenarbeit mit einer Künstlerin in einem Team. Besonders gut hieran hat mir gefallen, dass wir mit Wörtern und Sprache experimentiert haben." Dana Lienert ist sehbehindert. Sie arbeitet beim Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen und ist dort Leiterin einer Beratungsstelle.

Museum besucht

Hanna Hagenauer arbeitet an der Universität in Kassel und verlor ihre Sehkraft durch eine Augenerkrankung während des Studiums. Zusammen mit der Künstlerin Brigitte Kottwitz bildet sie ein Team. Die beiden besuchten zu Beginn des Projekts Museen. "Das war wichtig, um gemeinsame Erlebnisse zu haben, über die man reden kann, und um Zugänge zu finden", erzählt Hagenauer. Besuche im Museum für Moderne Kunst und im Architekturmuseum standen auf dem Programm. Gemeinsam entschieden sich Hanna Hagenauer und Brigitte Kottwitz unter anderem dafür, einen Film zu drehen.

Hanna Hagenauer nimmt dabei die U-Bahn, steigt an der Hauptwache aus und läuft über die Zeil. Passanten versperren ihr den Weg, übersehen den Taststock oder weichen diesem geschickt aus. Es ist ein besonderer Taststock, umgangssprachlich auch Blindenstock genannt. Für das Projekt hat Brigitte Kottwitz diesen mit einem Druckmechanismus ausgestattet. Drückt man drauf, so ertönt ein Lachen. Wie die Menschen in der Umgebung von Hanna Hagenauer reagieren, ist ebenfalls in dem rund elfminütigen Film festgehalten. "Mit den Augen zu sehen kann auch eine Belastung sein. Mir ist es wichtig, dass die Leute nicht mitleidig auf blinde Menschen schauen. An Blindheit stirbt man nämlich nicht", betont Hagenauer.alf

Die Ausstellung "Vom Unsichtbaren", die bereits erfolgreich in Kassel und Darmstadt gezeigt wurde, läuft noch bis Samstag, 22. März, im Ausstellungsraum Eulengasse, Seckbacher Landstraße16. Sie kann jeweils dienstags von 10 bis 13 Uhr, donnerstags von 17 bis 21 Uhr, freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 19 Uhr besichtigt werden.

(Alexandra Flieth)
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