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Spiel gegen Bayern in Berlin: Diese Frankfurter glauben an die Eintracht im Pokalfinale

Am Samstag geht Bayern München ganz klar als Favorit ins Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Doch die Adler haben in Vergangenheit schon für so manche Überraschung gesorgt. Daran glauben auch diese Frankfurter.
Frankfurt. 

Gleicher Ort, anderer Gegner: Ein Jahr nach dem verlorenen Pokal-Finale gegen Borussia Dortmund trifft die Eintracht am Samstag im Berliner Olympia-Stadion auf Bayern München. Dass das Team erneut den Einzug ins Endspiel geschafft hat, hätte wohl keiner erwartet. Von Begeisterung wie noch 2017 ist aber nichts zu spüren. Viele Fans sind enttäuscht von Trainer Nico Kovac und die Art und Weise seines Wechsel zum Endspiel-Gegner Bayern. Das Theater ging auch nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Die Jungs konnten zuletzt nicht überzeugen. Redakteur Matthias Bittner hat sich umgehört, wie die Chancen der Eintracht stehen. Einen Empfang auf dem Frankfurter Römer soll es dann am Sonntag aber nur bei einem Sieg geben.

Der Kreis schließt sich

„Die Eintracht gewinnt zum 5. Mal den DFB-Pokal“, sagte Susanne Serke, Ortsvorsteherin im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) und überzeugte Adler-Anhängerin. Das Spiel wird sie gemeinsam mit Freunden schauen. Und nicht, wie im vergangenen Jahr, live vor Ort. Als Vereinsmitglied und Dauerkarten-Inhaberin hätte sie sogar ein Ticket gehabt, „aber ich nehme das mal als gutes Omen“.
Das Spiel gehe 1:0 für die SGE aus. In der 89. Minute kommt dann Alex Meier und schießt das Siegtor – „man wird ja zumindest mal träumen dürfen...“.

Susanne Serke Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Susanne Serke


Zum trinken gibt es im Hause Serke, der Mann ist überzeugter Fohlen-Fan, ein oder zwei Bierchen. Der Speiseplan ist dagegen noch nicht geklärt. „Zur Beruhigung der Nerven helfen mir wahrscheinlich nur drei bis vier Tore der Eintracht direkt in der ersten Halbzeit – ansonsten kann mich da wahrscheinlich nichts beruhigen.“ Für Tipps ist die CDU-Politikerin aber dankbar.

Und eins ist vielleicht ein gutes Omen, denn für Susanne Serke begann alles mit einem DFB-Pokalsieg. Jedenfalls ist der Sieg 1988 gegen den VfL Bochum ihre erste Erinnerung an die Eintracht im Alter von zarten neun Jahren. Von da ab hat die Frankfurterin dann die Samstag-Nachmittage mit dem Vater vor dem Radio verbracht – und viel gelitten. Nach 30 Jahren könnte sich also der Kreis schließen.  

„Harry“ schmeißt eine Lokalrunde beim Sieg

Sollte die Eintracht am Samstag tatsächlich die scheinbar übermächtigen Bayern besiegen, schmeißt Harald „Harry“ Statt (72) eine Lokalrunde. „Dann spendiere ich ein Fass. Und es darf auch ruhig ein zweites werden“, sagt der Wirt des Mosel-Eck. Die Kneipe in der Moselstraße 21 ist Stammkneipe von Eintracht-Anhängern, und „Harry“ ist natürlich auch eingefleischter Fan der Adlerträger.

„Mit viel Glück haben wir eine Chance. Aber darauf wetten, dass wir gewinnen, würde ich nicht“, meint „Harry“. Er wünscht sich jedenfalls einen spannenden Spielverlauf, am liebsten mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Dann müssten die Bayern zittern.

Harald „Harry“ Statt Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Harald „Harry“ Statt

„Harry“ schaut sich das Pokal-Endspiel in seiner Kneipe an. Er hat eigentlich gar keine andere Wahl. Denn drei seiner Kellner sind am Samstag im Olympiastadion in Berlin. „Und einer muss ja ausschenken“, sagt der 72-Jährige. Grundsätzlich könne er aber schlecht einschätzen, wie viele Fans am Samstag ins Moseleck kommen. Erfahrungsgemäß seien es nur halb so viele, wenn ein Spiel auf den öffentlich-rechtlichen Sendern laufe, weiß „Harry“ aus Erfahrung. Denn dann könnte es auch gemütlich daheim auf dem eigenen Sofa angeschaut werden.

Dass Trainer Nico Kovac zu den Bayern wechselt, findet Statt nicht schlimm. „Das ist ein international renommierter Verein. Ich hätte das genauso gemacht.“ Für die Heimlichtuerei, auch über die Ausstiegsklausel, könne er aber nur den Kopf schütteln. Fairerweise müsse man aber auch sagen, dass Kovac die Eintracht vor dem Abstieg gerettet habe. 

Aller guten Dinge sind drei

Falkner Norbert Lawitschka, der mit Eintracht-Maskottchen Attila (14) beim Pokalendspiel im Olympiastadion in Berlin wie schon im Vorjahr (siehe Foto) dabei ist, ist nicht abergläubisch. Die Redewendung „Aller guten Dinge sind drei“ gefällt ihm aber mit Blick auf die Partie am Samstag sehr gut. „Attila ist zum dritten Mal in Berlin, jetzt sollte es für die Eintracht auch mal klappen“, sagt Lawitschka. Er hofft jedenfalls, dass die Adlerträger die glücklicheren sind und nach dem Schlusspfiff jubeln können. „Eine 50:50-Chance haben wir auf jeden Fall“, sagt er.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Bernd Thissen (dpa)

Am Samstag morgen um 5 Uhr lädt Lawitschka Attila ins Auto und bricht in Richtung Berlin auf. „Attila hat eine große Box im Kofferraum für sich alleine. Auf dem Boden ist zwei Zentimeter hoher Kunstrasen verlegt.“ Der Steinadler fahre gerne Auto und sei auch längere Strecken gewohnt. Die etwa fünf Stunden dauernde Fahrt sei deshalb keine Strapaze für den Steinadler. Vor seinem etwa 30 Minuten langen Auftritt im Olympiastadion darf sich Attila im Hotel ausruhen. Er kann dort im Garten tollen und sogar ein Bad nehmen. Nach dem Anpfiff bringt Lawitschka seinen Schützling zurück in seine Box im Auto. Das ganze Spiel in einem fremden Stadion will der Falkner dem Tier nämlich nicht zumuten.

Lawitschka selbst will dann schnell zurück, sich das Spiel anschauen und natürlich die beeindruckende Kulisse genießen. Anschließend fährt er zurück ins Hotel, am nächsten Morgen geht es dann für das Duo auch schon wieder auf die Autobahn und zurück nach Frankfurt. 

Die singende Marktfrau hofft auf den Fußball-Gott

Von Eintracht-Trainer Nico Kovac ist Gisela Paul zutiefst enttäuscht. „Bei mir heißt der nur noch Mister Pinocchio“, sagt die singende Marktfrau, die mit ihrem Transporter von Wochenmarkt zu Wochenmarkt düst und Grüne Soße verkauft. Eine lange Nase wie in der Geschichte über die hölzerne Marionette, die plötzlich lebendig wird, hat der Eintracht-Trainer zwar noch nicht. Trotzdem: Paul hält die „offizielle Version“ des Kovac-Wechsels zu den Bayern für erstunken und erlogen.

Gisela Paul Bild-Zoom
Gisela Paul

Der „Deal“ sei schon vor sieben Monaten eingefädelt worden, ist die eingefleischte Adler-Anhängerin überzeugt. „Seitdem spielen die Jungs auch grottenschlecht.“ Sie ist überzeugt, dass die Spieler schon damals ganz deutlich gemerkt hätten, dass sich ihr Trainer nicht mehr für sie interessiere und mit den Gedanken schon bei den Bayern gewesen sei. In Insiderkreisen werden laut Paul erzählt, dass Spieler-Frauen in München schon im November 2017 über den Trainer-Wechsel geplaudert hätten.
Feierlaune kommt bei der ansonsten so lebenslustigen Marktfrau jedenfalls nicht auf. Deshalb will sie das Spiel auch ganz alleine im stillen Kämmerlein anschauen. Mit einer Überraschung, also einem Eintracht-Sieg, rechnet sie nicht.

„Die Jungs sind ausgepowert. Im Gegensatz zu den Bayern haben wir keine A-, B- und C-Auswahl auf einer Bank sitzen.“ Dass die Bayern am letzten Spieltag den Stuttgartern den Sieg (4:1) quasi geschenkt hätten und die Schwaben durch die Niederlage der Hessen auf Schalke (0:1) damit die Eintracht in der Tabelle überholten, ärgert Paul maßlos. Denn somit können die Frankfurter nächste Saison nur noch international spielen, wenn sie den Pokal holen.

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, vielleicht schlägt ja Alex Meier Fußball-Gott zu. 

Stadionpfarrer setzt auf das Gleichnis von David und Goliath

Für das Pokal-Finale zwischen der Eintracht und den Bayern zieht Stadionpfarrer Eugen Eckert gerne das biblische Gleichnis von David und Goliath heran. „Sicher ist es die Hoffnung von tausenden Fans, dass nicht immer der vermeintlich Stärkere oder Größere gewinnen muss“, sagt er. Als Pfarrer müsse er zwar neutral bleiben, sagt Eckert. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass seine Sympathien eindeutig bei der Eintracht liegen. Auch Jesus habe stets auf der Seite der Schwachen gestanden.

Eugen Eckert Bild-Zoom Foto: Susann Prautsch (dpa)
Eugen Eckert

Eckert erwartet ein offenes Spiel, bei dem letztlich aber wohl die Tagesform und auch etwas Glück entscheidend seien. Im Fußball sei aber alles möglich. Chancenlos sei die Eintracht deshalb nicht, glaubt er. Oft würden im Fußball aber auch individuelle Fehler über Sieg und Niederlage entscheiden, wie man zuletzt auch bei den Bayern habe sehen können.

Das Spiel will Eckert mit seiner Familie im Ferienhaus im Wendland anschauen. „Im Gegensatz zu meinem Sohn streife ich aber kein Eintracht-Trikot über, ich habe nämlich gar keins“, sagt er. Samstagvormittag führt der Pfarrer noch eine 45-köpfige Gruppe durch die Stadionkapelle. „Wir werden Kerzen anzünden. Vielleicht schließt der ein oder andere dabei die Eintracht in ein Gebet ein.“ Das stünde übrigens auch allen Besuchern des Gedenkgottesdienstes am Samstag in der Gedächtniskirche frei, bei der Volker Jung, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, predigen werde. Vielleicht hilft das ja. 

 

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