Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 28°C

Bibelhaus in Frankfurt: Diese neue Briefmarke im Wert von 2,60 Euro zeigt einen Bibelausschnitt

Von Das Bundesfinanzministerium stellte im Bibelhaus „Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers“ als „Sonderpostwertzeichen“ vor. Der Klartext schreibende Reformator hätte das Wort „Sondermarke“ wohl vorgezogen . . .
Die Mark erscheint mit der aktuellen revidierten Lutherbibel. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Die Mark erscheint mit der aktuellen revidierten Lutherbibel.
Frankfurt.  Wir schreiben das Jahr 1541, gerade hat Luther einige Streichungen und Korrekturen an der Passionsgeschichte aus dem Matthäusevangelium für die unmittelbar bevorstehende Neuauflage der „Biblia, das ist die ganze Heilige Schrifft auf Deudsch“ vorgenommen. „Luther hat seine Übersetzungen immer wieder geprüft und überarbeitet, seit dem 19. Jahrhundert sind dafür die Bibelgesellschaften zuständig“, erklärt Christoph Rösel, Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft.
Dr. Michael Meister, Finanzministerium, mit einer Vergrößerung der Briefmarke. Rechts sind die handschriftlichen Korrekturen Luthers zu erkennen. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Dr. Michael Meister, Finanzministerium, mit einer Vergrößerung der Briefmarke. Rechts sind die handschriftlichen Korrekturen Luthers zu erkennen.

Verurteilung Jesu

Wie akribisch Luther gearbeitet hat, zeigt die Sondermarke im Wert von 2,60 Euro, die das Bundesfinanzministerium, die Deutsche Bibelgesellschaft und das Bibelhaus Erlebnismuseum gestern vorstellten. Man braucht allerdings eine Lupe. Denn auf der Marke ist ein Ausschnitt eines sogenannten Revisionsexemplars mit handschriftlichen Anmerkungen Luthers zu sehen. In der Textpassage geht es um die Verurteilung Jesu, bei der Pilatus das Volk fragt, ob er lieber den angeklagten „Gotteslästerer“ oder den Mörder Barrabas freigeben sollte.

„Die Bibel auf der Briefmarke – ein schöner Anlass neu zu entdecken, was biblische Texte mir heute sagen und welche Kraft sie entfalten“, unterstreicht die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Ulrike Scherf.

„Sonderpostwertzeichen“ heißt es offiziell. Luther selbst hätte sicher das Wort „Briefmarke“ bevorzugt. Einig sind sich die Beteiligten an der Präsentation, dass das amtsdeutsche „Postwertzeichen“, das übrigens erst 1840 eingeführt wurde, nur schwer über die Lippen geht. „Denn der Reformator hat dem Volk nun mal aufs Maul geschaut. Deshalb hat auch kein Buch die deutsche Sprache so sehr geprägt wie die Bibel“, unterstreicht Rösel.

Nach der revidierten Lutherbibel für das Jahr 2017, die bereits im vergangenen Oktober offiziell vorgestellt wurde, gibt es auf Vorschlag der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) Luthers Sondermarke nun in einer limitierten Auflage. Zuständig für die Herausgabe der für den Postverkehr bestimmten Marke ist allerdings das Bundesfinanzministerium. Das Luthermotiv wurde aus über 300 Vorschlägen nach Rücksprache mit der Deutschen Bibelgesellschaft und anderen Bibelexperten ausgewählt und von Grafikern unter Leitung von Peter Krüll, Professors für Kommunikationsdesign in Bayern, gestaltet. „Denn eine Sondermarke ist ein Kunstwerk“, betont Michael Meister vom Bundesministerium der Finanzen. Mit dem Wert von 2,60 Euro (gültig für einen Maxibrief national) verbleibe sie länger im Umlauf als eine 70-Cent-Marke.

Frankfurts Bedeutung

Da Sondermarken gerne an einem Ort vorgestellt werden, zu dem sie thematisch einen engen Bezug aufweisen, fiel die Wahl nicht auf Berlin, sondern auf Frankfurt. „Hierher kam Luther bereits 1521 auf dem Weg zum Reichstag in Worms vorbei. Die Frankfurter Bevölkerung unterstützte die Reformation und empfing ihn begeistert, obwohl die römisch-katholischen Kaiser der Stadt wichtige Privilegien garantierten“, erinnert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Auf der Frankfurter Buchmesse wurde auch die erste 1522 vollendete Fassung des Neuen Testaments verkauft, die Luther nach der Verbannung in Worms als „Junker Jörg“ auf der Wartburg übersetzte – bereits nach drei Monaten war sie vergriffen.

Wichtig war für Luther, sich an den originalen Bibelsprachen Hebräisch, Aramäisch und Altgriechisch zu orientieren. „Zurück zu den Quellen heißt auch heute, über die Ursprachen der Bibel hinaus in die Welt der Archäologie zu reisen und sich aus beidem die Übersetzung zu erschließen“, betont der Leiter des Bibelhauses, Jürgen Schefzyk, und bedankt sich für die Anfrage, die Sondermarke in seinem Museum in Sachsenhausen vorzustellen. Denn im Bibelhaus werden die Urquellen anhand von Faksimiles, die Papyri etwa des Propheten Jesaja und des Apostels Matthäus zeigen, erfahrbar.

„In der heutigen Lutherbibel ist ein Kompromiss aus authentischer, liturgisch geeigneter und an die Redewendungen der deutschen Sprache angepasster Übersetzung wichtig“, erläutert Rösel. So musste eine berüchtigte Revision von 1975, die den veralteten Begriff „Scheffel“ durch den gebräuchlichen „Eimer“ ersetzt hatte, wieder zurückgenommen werden. Schließlich sprach Jesus vom Licht unterm Scheffel und nicht unterm Eimer. Die Lutherbibel findet heute große Anerkennung, auch in der katholischen Kirche, in der man eine sogenannte „Einheitsübersetzung“ verwendet.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse