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Dr. Oswald Marcus: Dieser Arzt hilft Querschnitt-Patienten zurück ins Leben

Von Es gibt Ärzte, die machen einen Unterschied. Die verändern ein Leben – weil sie mutig sind, weil sie ihr Fachgebiet beherrschen, wie kaum ein zweiter, oder einfach, weil sie die richtigen Worte finden. In einer kleinen Serie erzählen wir besondere Arzt-Patienten-Geschichten. Zum Auftakt die des 25-jährigen Saša Blagojevic, der seit einem schweren Unfall vor gut acht Jahren im Rollstuhl sitzt. Und der in Dr. Oswald Marcus einen Arzt gefunden hat, der an ihn glaubt.
Zwei mit einer besonderen Beziehung: Nach einem tragischen Unfall begleitete Dr. Oswald Marcus Patient Saša Blagojevic ein Jahr lang auf der Station für Querschnittpatienten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) und half dem damals 16-Jährigen, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden. Foto: Salome Roessler Zwei mit einer besonderen Beziehung: Nach einem tragischen Unfall begleitete Dr. Oswald Marcus Patient Saša Blagojevic ein Jahr lang auf der Station für Querschnittpatienten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) und half dem damals 16-Jährigen, sich in seinem neuen Leben zurechtzufinden.
Frankfurt/Hofheim. 

„Du springst kopfüber ins Wasser, tauchst ein, schlägst auf. Es knackt. Du willst Arme und Beine bewegen, aber es geht nicht. Da weißt du, dass du querschnittgelähmt bist.“

Saša Blagojevic ist 16, als es passiert. Er macht Sprachferien auf Malta. Jeden Tag geht er zur Küste, springt von den Klippen ins Meer, immer an der gleichen Stelle. Doch an diesem Tag ist da eine alte Dame. Saša stürzt sich stattdessen ein Stück weiter in die Tiefe. Ein Fehler. Das Wasser ist hier flacher.

Saša hat Glück im Unglück. Eine Medizinstudentin aus Magdeburg beobachtet den Unfall. Sie hilft, den Schwerverletzten aus dem Wasser zu ziehen, stabilisiert seinen Kopf. Drei Tage lang liegt der Jugendliche auf Malta im Krankenhaus, dann ist er stabil genug für den Transport nach Deutschland. Er kommt nach Wiesbaden ins Josefshospital, wird operiert, liegt zwei Wochen im Koma.

Als er nach vier Wochen in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik (BGU) in Frankfurt verlegt wird, sind seine Augen das einzige, was er bewegen kann. Er wird beatmet und künstlich ernährt, ist vom sechsten Halswirbel abwärts gelähmt.

„Und, was ist mit dem Abitur?“, ist eine der ersten Fragen, die Dr. Oswald Marcus (60) dem jungen Mann stellt, den er ein Jahr lang auf seiner Station für Rückenmarkverletzte begleiten, mit dem er Höhen und Tiefen durchleben wird. Eine schicksalhafte Begegnung. Marcus’ Botschaft ist klar: Das Leben geht weiter. Anders, ja, aber es geht weiter. „Ich habe ihm unheimlich viel zu verdanken“, sagt Saša heute.

Seit dem verhängnisvollen Unfall ist der junge Hofheimer Tetraplegiker. Das heißt, nicht nur die Beine sind von dem Querschnitt betroffen, sondern auch die Arme. Wie stark, weiß zunächst niemand.

Manches bleibt ein Traum

Die ersten sechs Wochen nach einem Rückenmarkstrauma nennen die Ärzte „spinalen Schock“ – in dieser Zeit sind die Lähmungserscheinungen ausgeprägter als später, weil die Verletzung noch frisch und alles geschwollen ist. „Welche Nervenfunktionen sich erholen, zeigt sich erst im Lauf der Zeit“, erklärt Dr. Marcus. Ob Saša jemals wieder Hände und Arme wird bewegen können, kann auch der Experte anfangs nicht sagen.

Doch der Junge hat einen starken Willen. Er trainiert verbissen, gibt sich mit dem Elektrorollstuhl, den er nach wochenlangem Training mit dem Kinn steuern kann, nicht zufrieden. Er verlangt einen Aktivrollstuhl, also einen, den er selbst mit den Armen vorantreiben kann. Die Ergotherapeuten winken ab, doch Marcus glaubt an seinen Patienten. „Setzt ihn halt in den Aktivrollstuhl.“ Den Satz „Es geht nicht“ kann Marcus nicht besonders gut leiden, auch wenn er weiß, dass es Patienten gibt, bei denen manches „ein Traum bleibt“. Aber es gibt eben auch Patienten wie Saša.

Nie aufgegeben

Mit dem Aktivrollstuhl kommt der heute 25-Jährige mittlerweile gut zurecht. Ein Schuljahr hat er wegen seines Unfalls wiederholt, hat sein Abitur gemacht, anschließend ein duales Studium absolviert. Natürlich gab es auch Rückschläge, doch Saša hat nie aufgegeben. Die Disziplin, den Ehrgeiz hat sich der ehemalige Leistungssportler – Turmspringen und Karate – bewahrt. Als Beamter im gehobenen Dienst arbeitet er beim Staatlichen Schulamt in Rüsselsheim. In Hofheim hat er eine eigene Wohnung im Elternhaus. Er fährt Auto, hat eine feste Freundin, geht ins Fitnessstudio. „Wenn man Ziele hat, kann man sie auch erreichen“, sagt Saša. Und er hat noch viele Ziele.

Nächste Woche lesen Sie die Geschichte des Fluglehrers Michael Ullrich, für den seine große Leidenschaft, die Fliegerei, um ein Haar ein jähes Ende genommen hätte – wäre da nicht Prof. Dr. Wolf-Joachim Stelter gewesen. . .

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