Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

Galerie in ehemaligem Massagestudio: Dieser Künstler wohnt hinter einer Schaufensterscheibe in Sachsenhausen

Von Dort, wo einst ein thailändisches Massagestudio beheimatet war, hat der Künstler Sandip Shah die Galerie „Bewohnte Kunstinstallation“ eröffnet. Das Besondere: Der 44-Jährige verkauft in den Räumen nicht nur Kunstwerke, sondern er lebt darin auch – wie auf einem Präsentierteller, direkt an der Straße.
Keine Privatsphäre: Durch die Fensterfront können die Passanten mitten in Sandip Shahs Wohnzimmer seiner „Bewohnten Kunstinstallation“ in der Seehofstraße in Sachsenhausen schauen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Keine Privatsphäre: Durch die Fensterfront können die Passanten mitten in Sandip Shahs Wohnzimmer seiner „Bewohnten Kunstinstallation“ in der Seehofstraße in Sachsenhausen schauen.
Sachsenhausen. 

Nur ein Schaufenster und eine gläserne Tür trennen Sandip Shahs Wohnzimmer von der belebten Seehofstraße mitten in Sachsenhausen. Im Minutentakt laufen Passanten, fahren Autos vorbei.

Sandip Shah sitzt auf seiner weißen in die Jahre gekommenen Ledercouch und betrachtet das Geschehen vor seinem Fenster. Doch nicht nur er hat seine Umgebung von seinem Platz aus bestens im Blick, bleiben die Fußgänger stehen, blicken sie direkt in Shahs Wohnung. Er sitzt dort sozusagen in aller Öffentlichkeit, jeder bekommt einen Einblick in sein Privatleben, wie im Fernsehen bei der Sendung „Big Brother“. Würden sich andere Menschen dabei unwohl fühlen und die Rollläden herunterlassen, ist dies von dem 44-Jährigen so gewollt: „Ich bin es gewohnt auf dem Präsentierteller zu leben.“

Überall Gemälde

Sandip Shah ist Künstler. Neben Malerei hat er sich auf Rauminstallationen spezialisiert. Und genau das ist für ihn auch seine Wohnung. Denn Shah lebt darin nicht nur, er arbeitet dort auch. „Die Wohnung ist inszeniert“, sagt er. Auf den 68 Quadratmetern hat der Künstler jüngst die Galerie „Bewohnte Kunstinstallation“ (b.k.i.) eröffnet. Gemälde und Fotografien hängen überall an der Wand. Künstler wie Florian Heinke, Corinna Mayer, Hans Petri und Nicolaj Dudek sind dort vertreten. Natürlich dürfen aber auch die Werke von Shah selbst nicht fehlen. Er hat sich ein Atelier mit Blick zur Straße eingerichtet, seine Gemälde zieren die Wände.

Küche mit Badewanne

„Die Räume hier waren zuvor ein thailändisches Massage-Studio“, erzählt der Künstler, der die Vier-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad gemietet hat. Es gibt sogar ein Schlafzimmer mit einem Bett. „Derzeit wohne ich hier aber noch nicht“, sagt Shah. Das Schlafzimmer dient noch als Lager. Die Küche ist noch nicht fertig. „In sie werde ich eine Badewanne einbauen“, sagt der Künstler. „Wie man das von einem echten Frankfurter Bad kennt.“

Seit Juni hat Sandip Shah die Wohnung renoviert. Die Tapeten wurden von den Wänden gerissen, das alte Laminat herausgenommen, die Holzdielen aufgearbeitet und grau gestrichen. Es riecht noch nach frischer Farbe. Einziges Überbleibsel des Massagestudios: Die mit goldenen Ornamenten verzierte Tapete im Flur.

Die Idee mit der „Bewohnten Kunstinstallation“ ist nicht neu. Zehn Jahre lang – von 2002 bis 2012 – hat Sandip Shah damit in Darmstadt für Furore gesorgt, viele Ausstellungen auf die Beine gestellt. Das will er nun auch in Frankfurt machen. „Ich plane dies schon seit vier Jahren“, erzählt der Künstler, der eine deutsche Mutter und einen indischen Vater hat. „Hier sind meine Wurzeln, hier habe ich studiert.“ Doch die passenden Räumlichkeiten zu finden, sei gar nicht so einfach gewesen. In ganz Frankfurt habe er gesucht, bis er auf das Objekt in der Seehofstraße gestoßen ist. Und so sagt er im Nachhinein: „Sachsenhausen ist für die Kunst am Brauchbarsten.“ Viele kleine Designerläden und Galerien würden sich in dem Stadtteil befinden. Und die Mieten könnte man sich auch noch leisten. Einziger Nachteil: „Es kann hier doch auch mal laut werden“, sagt der Künstler. Das Partyviertel Alt-Sachsenhausen ist nur einen Steinwurf von seiner Galerie entfernt. „Wird es mir aber zu laut, kann ich die Rollläden herunterlassen.“

Bis zum 6. November ist die Ausstellung „Kurz vor dem Anfang einer neuen Epoche“ noch zu sehen. Anschließend folgt eine Ausstellung mit Zeichnungen. „Bis dahin soll die Wohnung auch fertig renoviert sein“, sagt Sandip Shah. „Ich will endlich in meiner Badewanne liegen können.“ Von der Straße aus ist dies allerdings nicht zu sehen.

Die „Bewohnte Kunstinstallation“, Seehofstraße 8 a, hat mittwochs von 16 bis 20 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Wer den Künstler außerhalb dieser Zeiten besuchen möchte, kann sich vorab bei ihm unter der Nummer 01 70-2 73 88 96 melden.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse