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Experte für Gesundheitswesen im Interview: Digitalisierung in der Medizin: "Datenschutz können sich nur Gesunde leisten"

Prof. David Matusiewicz (33) ist Dekan und Institutsdirektor Gesundheit und Soziales an der FOM-Hochschule in Frankfurt. Er beobachtet die Digitalisierung im Gesundheitswesen. FNP-Redakteur Thomas J. Schmidt wollte von ihm erfahren, ob die Patientendaten sicher sind.
Prof. David Matusiewicz. Prof. David Matusiewicz.

Herr Matusiewicz, was bringt mir als Patient die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

DAVID MATUSIEWICZ: Wir haben in Deutschland ein sehr gutes Gesundheitssystem. Aber es gibt Reibungspunkte. Etwa, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden und in ambulante Behandlung kommen, oder umgekehrt. Es gibt zahlreiche Schnittstellenprobleme zwischen ambulant und stationär, Intransparenzen oder Multimedikation. Mit mehr Digitalisierung könnte man dies erleichtern. Nicht zuletzt auch in der Forschung: Es gibt ja riesige Datensätze, nur kann man selbst als Forschungseinrichtung nicht oder nur schwer darauf zugreifen. Vielleicht könnte man ja herausfinden, welche Therapie, welches Medikament besonders gut hilft gegen Krebs, wenn man etwa die Daten von hunderttausenden Patienten pseudonymisiert nutzt.

Wo bleibt da der Datenschutz? Wer greift auf meine Gesundheitsdaten zu?

MATUSIEWICZ: Ganz ehrlich, den Datenschutz in der heutigen Form kann man sich in Zukunft nur leisten, wenn man gesund ist. Das sieht man an der endlosen Geschichte um die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Wissen Sie, wie es in Estland ist? Dort sind die Gesundheitsdaten durch die Krankenhäuser und Ärzte erst einmal zugänglich. Und jeder Este kann alle 24 Stunden einen aktuellen Report erhalten, wer – zum Beispiel der Hausarzt – auf die Daten zugegriffen hat. Es gibt klare Regeln, so dass Arbeitgeber und andere nicht auf die Daten zugreifen können. Dies erfordert aber auch einen mündigen Patienten, denn Transparenz schafft auch Verantwortung

Ein Trend scheinen die Gesundheits-Apps zu sein. Die meisten Jogger messen heute ständig ihren Puls. Vielleicht gibt’s bald das Smartphone, das selbstständig den Notarzt ruft. Was ist Quatsch, was ist sinnvoll?

MATUSIEWICZ: Ich habe selbst eine Smartwatch, die mich ständig erinnert, dass ich atmen soll. Da fragt man sich schon manchmal... ob ich vergesse zu atmen (lacht). Andererseits: Automobilkonzerne entwickeln derzeit Anwendungen fürs „Gesunde Auto“. Vielleicht erkennt das Fahrzeug der Zukunft, wenn der Fahrer einen Herzinfarkt hat und fährt selbstständig rechts ran. Das ist doch gut, oder? Man muss einfach unterscheiden zwischen bloßem Lifestyle und echten medizinischen Anwendungen. Und da fehlt es noch an einer vernünftigen Qualitätskontrolle. So etwas müsste es geben, genau wie für sonstige Hilfsmittel auch.

Kontroverse Fragen im „Forum“ der Hochschule ...

Die FOM-Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt veranstaltet ein Forum unter dem Titel „Die Zukunft des Gesundheitsmarktes“. Darin geht es um die Frage, wie sich das Gesundheitswesen

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Wie digital ist die Medizin heute?

MATUSIEWICZ: Der Gesundheitssektor hängt zehn bis 15 Jahre hinter dem Handel her. Es muss einen Generationswechsel geben, vorher spielt sich wenig an Neuerung ab.

Wieso sind Krankenkassen nicht fortschrittlicher? Wieso verharren sie in der Rolle der Bürokraten?

MATUSIEWICZ: Naja, es gibt nun einmal Musterformulare und Vorschriften. Es liegt ja auch daran, dass das Sozialgesetzbuch im analogen Zeitalter verfasst wurde. Wenn Sie einen Heil- und Kostenplan bei Ihrer Krankenkasse einreichen, muss das ein Formular sein, von dem irgendwann festgelegt wurde, wie es aussieht. Anders darf es gar nicht aussehen. Am Anfang steht immer noch die Papierform. Da müsste das Bundesministerium für Gesundheit erst einmal die Regeln lockern. Und wie wir wissen: Die Mühlen der Gesundheitspolitik mahlen langsam.

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