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Chikei Yungs Restaurant: Dimsum in zweiter Generation

Fast hätte Chikei Yung das 30-jährige Bestehen seines China-Restaurants Yung im Dornbusch nicht feiern können – trotz vieler treuer Gäste. Inzwischen scheint der Ärger mit dem Vermieter ausgestanden.
Chikei Yung hat wenig Zeit für ein Foto, wenn ein Gast auf sein Getränk wartet.          1988 eröffneten seine Eltern das Restaurant. Heute führt er das Geschäft. Chikei Yung hat wenig Zeit für ein Foto, wenn ein Gast auf sein Getränk wartet. 1988 eröffneten seine Eltern das Restaurant. Heute führt er das Geschäft.
Dornbusch. 

Vor der Theke seines Restaurants schüttelt Chikei Yung viele Hände. Der Geschäftsführer nickt dabei leicht mit dem Kopf. Mit durchgestrecktem Rücken und Lächeln im Gesicht verkörpert er den beherrscht-freundlichen Typus. Eine Kundin zieht den Geschäftsführer dennoch für eine Umarmung an sich und lobt dabei die Pekingente. Yung lässt es geschehen und bedankt sich. Im Türrahmen dreht sich die Frau noch einmal um, fragt nach einer Kellnerin, die sie nicht gesehen hat. „Hat sie heute frei? Na, das hat sich die Gute verdient. Richte Grüße aus!“ Und weg ist sie.

Das China-Restaurant Yung an der Hügelstraße hat treue Kunden und eine lange Tradition. Seit 30 Jahren gibt es das Lokal. Das Jubiläum hätte jedoch fast nicht stattgefunden. Der Vermieter habe entweder die Miete erhöhen wollen oder den Vertrag zum Jahreswechsel auslaufen lassen, sagt Yung. „Das hätte ich mir nicht leisten können.“ „Außerdem wäre eine Mieterhöhung nicht gerechtfertigt.“ Weil eine Einigung nicht in Sicht war, hätte er seinen Gästen schon von der Schließung erzählen müssen.

Einigung in letzter Minute

Erst in den letzten Dezembertagen lenkte der Vermieter ein. Zumindest mündlich wurde vereinbart, den Vertrag zu verlängern; zu den bisherigen Konditionen. So kann Herr Yung doch noch das 30. Jubiläum feiern. Die Kundschaft wird es freuen. Es sitzen vor allem Pärchen und Familien an den Tischen. Einige haben bereits hier gegessen, als sie sich gerade kennenlernten. „Heute haben sie Kinder, die selbst ihr Essen bestellen“, sagt der 46-jährige Yung und verzieht für eine halbe Sekunde das Gesicht: „Da merkt man, dass man alt wird.“

Yung schätzt seine Stammkundschaft außerordentlich. Nicht nur, weil sein Restaurant davon lebt. Nur wenige Touristen verirren sich in den Dornbusch. Mit einigen Stammgästen ist Yung selbst aufgewachsen. Als seine Eltern 1988 das China-Restaurant eröffneten, war er erst 17 Jahre alt und ging noch zur Schule. Da das Lokal anfangs noch nicht so gut lief, mussten er und seine beiden Geschwister aushelfen. „Nach der Schule hieß es immer: Hausaufgaben machen, dann vier Stunden lang Gemüse schneiden und Speisen zubereiten“, sagt Yung und lacht kurz über sein jugendliches Ich. Heute erledigt er die Arbeit von damals in 45 Minuten.

Leicht sei es damals für ihn nicht gewesen. Wegen dieser Erfahrungen sollen seine Kinder nicht im Restaurant arbeiten. Sie sollen ihren eigenen Weg gehen. Unter der zusätzlichen Verpflichtung im Lokal hatte auch Yungs Informatikstudium gelitten. Nach sechs Jahren hatte er es schließlich abbrechen müssen. „Entweder man studiert Vollzeit oder gar nicht.“

Beim Vater gelernt

Traurig wirkt Yung darüber nicht. Die Gastronomie sei ein herrliches Geschäft, findet er. Man mache die Leute zufrieden. Die Küchenarbeit als Jugendlicher ersetzte ihm die Kochausbildung und bei seinem Vater, Kwokkuen Yung, lernten die Kinder bei einem Meister. „Überall wo ich hinkam, hieß es: Du bist doch der Sohn von Meister Yung“, erzählt der Geschäftsführer. Auch seine Geschwister betreiben heute eigene Restaurants.

Schon bevor Chikei Yung 1999 das Restaurant von seinen Eltern übernahm, war es für sein Dimsum (kleine Gerichte, die meist gedämpft oder frittiert sind) bekannt. Yung führt diese Tradition fort. Im Sommer, wenn es im Lokal etwas ruhiger ist, experimentiert er mit neuen Kreationen. Er möchte das chinesische Dimsum und regionale Lebensmittel zusammenbringen. So kreierte er etwa Dimsums mit frischen Pfifferlingen oder mit frischem Spargel.

Die Zeitschrift „Der Feinschmecker“ zeichnete sein Restaurant im vergangenen Februar als eines der „besten Länderküchen Deutschlands“ aus. Nicht nur wegen der Dimsum-Variationen, sicher auch wegen der Pekingente, einer Spezialität des Hauses. Diese tranchiert Yung am Tisch selbst, und zwar derart schnell, dass mancher Gast fürchtet, zur Ente könnten auch Teile von Yungs Fingern auf dem Teller landen ...

Als Restaurantleiter und Küchenchef bildet Yung heute Servicekräfte und Köche aus. Wobei letztere schwer zu finden seien, sagt er. Zehn fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt er. Im Winter, wenn Hochsaison ist, kommen noch ein paar Aushilfen dazu. Mit allen versuche er ein faires Arbeitsverhältnis zu pflegen. „Ich lasse sie keine unnötigen Überstunden machen. Dafür sind sie für das Lokal da, wenn es einmal Probleme gibt.“

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