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Prozess in Frankfurt: Disko-Schläger vor Gericht

Von Körperverletzung mit Todesfolge, Beteiligung an einer Schlägerei und „einfache“ Körperverletzung: Der Tod eines Diskothekengastes im „Gibson“ auf der Zeil beschäftigt seit gestern das Landgericht. Angeklagt sind drei Männer, 26, 31 und 39 Jahre alt.
Hände, die wohl auch richtig zuschlagen können – im Gericht gaben sich die Angeklagten handzahm und wortkarg. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Hände, die wohl auch richtig zuschlagen können – im Gericht gaben sich die Angeklagten handzahm und wortkarg.
Frankfurt. 

Die Feier zum dreijährigen Bestehen der Diskothek „Gibson“ mitten auf der Zeil lief in der Nacht zum Pfingstsonntag vergangenen Jahres (24. Mai) gehörig aus dem Ruder.

Auf der Tanzfläche und den angrenzenden Bereichen flogen im Halbdunkel des mit rund 1200 Gästen vollbesetzten Clubs die Fäuste. Mindestens zwei Opfer gab es am Ende zu beklagen. Ein jüngerer Mann kam mit einigen Faustschlägen davon und konnte sich wieder berappeln. Nicht so ein 41-jähriger, der von mehreren Faustschlägen und Tritten getroffen wurde und kurze Zeit später ins Koma fiel.

Einige Tage später erlag er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Parallelen zu einem ähnlichen Vorfall in der Diskothek „U60311“ am Rossmarkt, bei dem zu Ostern 2011 ein Gast ohne ersichtlichen Grund zu Tode getreten und geschlagen worden war, kamen auf.

Die drei Männer, 26, 31 und 39 Jahre alt, ließen bei Prozessbeobachtern gestern Erinnerungen an das Strafverfahren um den Gewaltexzess im „U60311“ wach werden. Junge, muskulöse Kerle mit kurzgeschorenen Haaren, teilweise bis hinter das Ohr tätowiert. Sie können auch schon einmal zulangen, wenn es denn sein muss. Im Halbdunkel der schummerigen Disco erst recht.

Tagsüber trainiert man im Fitness-Studio oder im Boxclub. Der Name „Die Osmanen“ fiel gleich mehrfach bei der Befragung durch die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock, ohne das der 39 Jahre alte Hauptangeklagte weitere Details zu dem in jüngster Vergangenheit ins Visier der Polizei geratenen Vereins preisgeben wollte. Der Mann, der eine Autoschlosserlehre abgebrochen und danach zeitweise im „Sicherheitsbereich“ gearbeitet hatte, soll dem Todesopfer laut Anklage die entscheidenden Schläge und Tritte beigebracht haben, allerdings ohne Tötungsvorsatz.

Videoauswertungen

Deshalb lautet der Anklagevorwurf gegen ihn auch „nur“ auf Körperverletzung mit Todesfolge. Die Staatsanwaltschaft bezieht sich in der Anklage auf Videoaufzeichnungen und Zeugenaussagen. Die Angeklagten trugen am ersten Verhandlungstag dagegen wenig zur Wahrheitsfindung in diesem Anklagepunkt bei.

Die beiden jüngeren Männer wollen nur den anderen Mann geschlagen haben – bei einem Grillfest mit Freunden am anderen Tag soll sich der eine gebrüstet haben, dem Kontrahenten seien bei dem Schlag „die Pupillen herausgeflogen“, zitierte die Richterin aus den Akten. Vom Schicksal des zweiten Opfers habe man erst aus den Medien erfahren. Der Hauptangeklagte sagte, er habe in jener Nacht mitbekommen, wie sich zwei Männer geschlagen hätten. Er habe daraufhin den einen zurückgezogen, weil er ihn für einen seiner Kumpels gehalten habe. Bei genauerem Hinsehen aber habe sich herausgestellt, dass es ein fremder Partygast gewesen sei. „Ich habe nicht geschlagen und auch nicht getreten“, sagte der 39-Jährige, der in jener Zeit in schwierigen privaten Verhältnissen gelebt hatte. Seine Ehefrau ist mittlerweile gestorben und das schwerkranke Kind von zweieinhalb Jahren lebt auf einer Palliativstation.

Absprachen getätigt ?

Die beiden Mitangeklagten haben sich lediglich wegen Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei zu verantworten. Während der Hauptangeklagte nach dem Vorfall von der Polizei vorübergehend festgenommen worden war, stellten sich die beiden Kumpels den Beamten. Kurz darauf waren sie wieder auf freiem Fuß, dabei ist es bis heute geblieben.

Die Vorsitzende Richterin ließ deutliche Zweifel daran erkennen, ob es deshalb nicht vor der Verhandlung Absprachen zwischen den Männern gegeben habe. Ursprünglich wollten die beiden Jüngeren die schwerere Tat auf ihr Konto nehmen, um den privat stark belasteten 39-Jährigen zu schonen.

Das Gericht ist jedenfalls bei der Wahrheitsfindung nicht zu beneiden. Vorerst bis Mitte Februar sind Termine angesetzt worden – möglicherweise geht der Prozess aber auch bis ins Frühjahr hinein.

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