E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C
1 Kommentar

Stadtteil-Serie: Dornbusch: Wildnis, Dichterviertel und mehr

Dornbusch gibt seine schönsten Ecken nicht auf den ersten Blick preis. Unser Fotograf Ben Kilb hat sich in dem Stadtteil umgesehen.

Die Herkunft des Stadtteilnamens Dornbusch erklärt sich Besuchern der sogenannten Sinaiwildnis an ihren zerkratzten Armen und Beinen. Es ist ein rund 4,5 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet – mitten in der Stadt. In dem kleinen „Dschungel“ am Rand des gleichnamigen Parks an der Grenze zu Eckenheim finden sich seltene Vögel und Pflanzen – und zahlreiche Dornenbüsche. Sie sollen schon im Mittelalter als Teil der Frankfurter Landwehr gedient haben.
Ein Stadtteil ist der Dornbusch aber erst seit dem Jahr 1946. Ab dann zogen sich die zwischen Eckenheim und Ginnheim angesiedelten Großgärtnereien nach und nach zurück, was zu einer Besiedelung der dortigen Flächen führte. Mit dem „Haus Dornbusch“ stand hier einmal Hessens erstes Bürgerhaus, und fast wäre der Bundestag an den Dornbusch gezogen – wenn Frankfurt Bundeshauptstadt geworden wäre. Schmuckstück des Stadtteils ist das Dichterviertel; dort, wo sich Villen aus der Gründerzeit an Jugendstil und Bauhaus schmiegen. Dort, wo das Mädchen Anne Frank einen Teil seiner Kindheit verbrachte, die Dichterin Miele Braach bis zu ihrem 102. Lebensjahr wohnte und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.

Wer den Stadtteil über die ihn zerschneidenden Lebensadern, den Marbachweg und die Eschersheimer Landstraße, durchquert, der sieht nicht viel von der Natur. Auch Sehenswürdigkeiten wie die Dornbuschkirche und der denkmalgeschützte Bertramshof, der etwa die Hörfunkstudios des Hessischen Rundfunks beherbergt, liegen versteckt. Über 18 000 Menschen wohnen heute im Dornbusch.

Ein Leben in den schönen Gründerzeitgebäuden des Dichterviertels ist nur wenigen vorbehalten. Die meisten „Dornbüschler“ leben in der Albert-Schweitzer-Siedlung und benachbarten Wohnquartieren, die erst nach 1950 entstanden. Für die meisten Bewohner ist ihr Stadtteil ein Kompromiss aus Nähe zur Natur und guter Anbindung.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hieß der Marbachweg übrigens Diebsgrundweg und war Teil der Via Regia, einem ehemaligen Straßensystem von Stettin über Menzlin nach Wismar, Lübeck und Hamburg.

Schweitzer-Siedlung

Bild-Zoom Foto: Heike Lyding

Von 1953 bis 1956 wurde die Albert-Schweitzer-Siedlung mit den typischen vierstöckigen Wohnblöcken und den Einfamilienhäusern erbaut. In der Nachkriegszeit war es das größte Wohnbauprojekt in Frankfurt, 500 Wohnungen boten Platz für Familien und Vertriebene. Der berühmte Arzt Albert Schweitzer spendete ein Drittel seines Geldes, das er mit dem Verleih des Friedensnobelpreises bekam, an die Stadt Frankfurt. Und er soll sogar bei der Einweihungsfeier der Siedlung 1956 dabei gewesen sein.

Otto am Bertramshof

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Onkel Otto, das Maskottchen des Hessischen Rundfunks, steht am denkmalgeschützten Bertramshof. Die Stallungen, Scheunen, Gutshof und Wasserturm ließ die Freifrau Louise von Rothschild bauen.

Fußball in der Rosegger-Sportarena

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Auf der Sportanlage Rosegger an der Eschersheimer Landstraße 328 steigt am Sonntagmittag das Kreisoberligaspiel zwischen dem BSC 1919 Schwarz-Weiß Frankfurt und der Spielvereinigung 03 Fechenheim. Bis vor fünf Jahren der neue Kunstrasen eingeweiht wurde, herrschten auf der Sportanlage beengte Verhältnisse. Seither geht es für die beiden Vereine, die die Anlage nutzen, den BSC und die SG Concordia Eschersheim,  entspannter zu. Dasselbe gilt für Schulen aus dem Dornbusch, die die Anlage ebenfalls nutzen.

Treffpunkt im Herzen des Stadtteils

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Das Haus Dornbusch ist das Herz des Stadtteils. Es beherbergt ein Kinder- und Jugendhaus, den Saalbau im Stadtteil, ein Café, das Bürgeramt und einige Läden. Das heutige Stadtteilzentrum „Haus Dornbusch“ war einst Hessens erstes Bürgerhaus. Es wurde 1960 eröffnet. Die Stadt Frankfurt hatte sich zuvor als erste deutsche Großstadt dafür entschieden, „Bürgergemeinschaftshäuser“ – typische Saalbauten des 20. Jahrhunderts – nach dem Vorbild von Dorfgemeinschaftshäusern dezentral in den einzelnen Stadtteilen anzusiedeln.

Typische Kreuzung

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Der Marbachweg und die Eschersheimer Landstraße teilen den Dornbusch. Kein anderer Stadtteil wird von der Hauptverkehrsstraße so zerschnitten wie das Quartier zwischen Bockenheim, Ginnheim, Eckenheim und dem Nordend. Das dem so ist, hat der Dornbusch auch dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu verdanken: Der Marbachweg hieß einst Diebsgrundweg und war Teil der Via Regia, einem Straßenwegesystem von Stettin über Menzlin nach Wismar, Lübeck und Hamburg.

Hingucker an der Hügelstraße

Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Die 1985 eröffnete und 2007 um Aja’s Gartenhaus erweiterte Einrichtung Aja Textor-Goethe ist ein Altenwohnheim und liegt direkt neben der Freien Waldorfschule und dem Rudolf-Steiner-Haus, einem Tagungs- und Kulturzentrum. Das Steiner-Haus ist ein Veranstaltungszentrum für Anthroposophie, Kunst und Kultur, in dem das ganze Jahr über Vorträge, Aufführungen, Konzerte, Kurse, Seminare und Tagungen stattfinden.

Erinnern an Anne Frank

Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer (Rueffer) (Frankfurt-Picture)

Im Marbachweg 307 erinnert diese Gedenkstele an das Mädchen Anne Frank. Sie wurde hier als Annelies Marie Frank am 12. Juni 1929 als Tochter jüdischer Eltern geboren. Warum die Familie 1931 die Mietwohnung verlassen musste, ist ungewiss. Laut Experten gibt es Quellen, die dafür sprechen, dass der damalige Vermieter NSDAP-Mitglied war und Mittel und Wege gefunden hatte, die jüdische Familie zum Auszug zu bewegen. Die Franks zogen in die Ganghoferstraße 24, doch die Judenverfolgung durch die Nazis führte 1934 zur Emigration der Familie nach Amsterdam. Anne Frank starb im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen in Niedersachsen an Typhus. Nur wenige Wochen später wurde das Lager befreit.

Beachtliches Buntglasfenster

Sehenswert ist das kunstvoll gestaltete  Buntglas-Fenster mit nahezu 20 Quadratmetern an der nördlichen Außenwand der 1960 errichteten evangelischen Dornbuschkirche. Sie hat zudem einen markanten Kirchturm. Das Kirchengebäude wurde zwischen 2003 und 2005 saniert und verkleinert, weil es der Kirchengemeinde zu groß war. Zwei Drittel des Gebäudes wurden damals abgebrochen. Das Buntglasfenster im Kirchensaal blieb aber erhalten.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen