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Drei Jahrzehnte Schwermetall

Ein Glas Cola steht vor ihm auf dem Tisch. Es ist nicht „richtige“ Cola, sondern die leichte Version der amerikanischen Limonade.
Hält sonst ein Mikro in der Hand: Andreas Gerre Geremia.Foto: Kam Hält sonst ein Mikro in der Hand: Andreas Gerre Geremia.Foto: Kam
Frankfurt. 

Er nimmt einen kleinen Schluck, stellt das Glas wieder ab und schaut sich um im Lokal. Es ist 11 Uhr und für Andreas Geremia noch früher Morgen. Deshalb braucht der Sänger der Frankfurter Heavy Metal-Band „Tankard“, die im vergangenen Jahr ihren 30. Geburtstag feierte, eine Weile, um sich zu akklimatisieren. Doch nach nur wenigen Minuten - und wenigen Schlucken - ist er in seinem Element. Er plaudert über seine Gruppe und über das Buch, das Anfang des Monats erschien: „Tankard - Life in Beermuda - Die etwas andere Biografie“.

„Das ist schon eine irre Idee, ein Buch über uns zu schreiben“, findet Geremia, den unter diesen Namen aber niemand kennt. Im „wirklichen“ Leben, im Rock’n’Roll-Leben heißt er „Gerre“ und ist von Nebenberuf „Rampensau“ bei „Tankard“. Seine Brötchen verdient der 46-Jährige allerdings als Sozialarbeiter, betreut einen Drogenkonsumraum für Abhängige.

Die Band-Biografie verfasste aber nicht die Frankfurter Formation selbst, sondern die Herren ließen schreiben. Von einem Fan, dem Musikwissenschaftler Michael „Schumi“ Schumacher. „Es war auf keinen Fall eine Schnapsidee“, versichert Schumacher im Nachwort. Dabei wäre das nicht einmal so weit hergeholt, denn „Tankard“ heißt schließlich Bierkrug und dem kühlen Gerstensaft und anderen Alkoholika sind die Bandmitglieder - und ihre zahlreichen Fans überall auf dem Globus - alles andere als abgeneigt.

So steht’s auch im Internet nachzulesen: „Aufgrund ihrer Verbundenheit zu den Fans, mit denen die Band nach Konzerten gerne ein paar Bier trinkt, hat sich ,Tankard’ eine beachtliche Fangemeinde auf der ganzen Welt erspielt und tritt auf internationalen Festivals auf.“

Doch zurück zur Entstehungsgeschichte des gut 190 Seiten starken Buches, das die Periode von Kinderjahren des Heavy Metal bis zur Jetztzeit abdeckt. „Zu Beginn des vergangenen Jahres stellte sich Michael mit der Idee bei uns vor“, erinnert sich Gerre. Er, Bassist Frank Thorwarth, Schlagzeuger Olaf Zissel und Gitarrist Andreas Gutjahr, waren sofort Feuer und Flamme. „Wir haben dann viel altes Bildmaterial zusammengetragen.“ Doch sie beschränkten sich nicht darauf, sondern sammelten auch Anekdoten. Was nicht wirklich schwerfiel, schließlich erlebten sie in den drei Jahrzehnten, in denen die Band ihr schwermetallisches Unwesen treibt, allerhand. Zeitzeugen und Wegbegleiter steuern kuriose und skurrile Geschichten bei - Musiker, Musikjournalisten und Manager.
 

Das gut 190 Seiten starke Buch über Frankfurts Vorzeigemetaller. Bild-Zoom
Das gut 190 Seiten starke Buch über Frankfurts Vorzeigemetaller.

Doch nicht nur Bier und Musik spielen in der „Tankard“-Laufbahn eine wichtige Rolle, auch Fußball ist eine dominante Konstante. Vor allen Dingen die Eintracht. Vor jedem Heimspiel erschallt in der Commerzbank-Arena die Hymne „Schwarz-Weiß wie Schnee“, die aus der Feder der Band stammt. „Tankard“ gaben seit 1983 mehr als 564 Konzerte. Doch zu den unvergesslichsten Augenblicken zählt für das Quartett ein etwa dreiminütiger Auftritt im Berliner Olympia-Stadion beim Pokalendspiel der Adlerträger gegen den FC Bayern München. 2006 spielten sie die Eintracht-Hymne live vor ausverkauftem Haus. „Diese drei Minuten werde ich in meinem Leben sicherlich nie vergessen.“ Das sagt nicht Gerre, sondern Eintracht-Präsident Peter Fischer in dem Buch. Und auch Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen kommt dort zu Wort. Er dachte damals über den Auftritt: „Mein lieber Herr Gesangsverein, was sind das denn für Vögel?“ Ein Urteil, dass er zugunsten der Bandmitglieder allerdings revidierte.

Aber das Buch ist mehr als eine Sammlung von Kuriositäten, es ist auch ein Nachschlagewerk. „Ich habe das Manuskript im Sommerurlaub gelesen und mir damals schon gedacht, dass es unfassbar ist, dass sich jemand diese Mühe macht, 31 Jahre Bandgeschichte so akribisch aufzuarbeiten“, findet Gerre, der das Buch gern gelesen, aber nicht so gern selbst geschrieben hätte. „Die Zeit dafür hätte ich gar nicht gefunden.“ Es ist „witzig zu sehen, wie jung man war“. Und Gerre beschreibt das Gefühl, das er empfand, als er das fertige Buch zum ersten Mal in Händen hielt: „Das ist schon geil.“

Wer Gerre und seine drei Band-Kollegen einmal live, aber anders erleben möchte, hat dazu am Freitag, 22. November, Gelegenheit: Ab 19 Uhr ist Einlass im Eintracht-Museum, die Lesung beginnt eine Stunde später.

(Enrico Sauda)
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