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Trainingseinheit im Rollstuhlbasketball: Dribbeln auf fünf Rädern

Von Gegen fünf Räder haben Achtklässler der Wöhlerschule gestern ihre Füße eingetauscht. Zwei Stunden lang durften sich die Gymnasiasten im Rollstuhlbasketball ausprobieren. Und haben schnell gemerkt, dass Sport mit einem fahrbaren Untersatz sie vor ganz neue Herausforderungen stellt.
Mia hat es raus: Aus dem Sitzen passt sie den Ball zu ihrer Mitschülerin. Foto: Heike Lyding Mia hat es raus: Aus dem Sitzen passt sie den Ball zu ihrer Mitschülerin.
Dornbusch. 

In einer Reihe haben sich die Achtklässler aufgestellt. Acht von ihnen sitzen im Rollstuhl – nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen. Ganze vorne sitzt Trainer Sebastian Arnold und gibt Anweisungen. „Ihr passt mir den Ball zu, fahrt vor, bekommt den Ball von mir zurück und werft ihn in den Korb“, ruft er durch die Turnhalle der Wöhlerschule. Die Schüler haben verstanden und legen los. Gekonnt bringen sie die großen Räder zum Rollen, geschickt werfen sie den Ball zu Arnold und fangen ihn wieder auf. Im Korb landete er aber nur selten. „Das ist aber völlig normal. Schließlich spielen die Schüler sonst auf zwei Beinen und nicht im Rollstuhl Basketball“, sagt Arnold.

Info: Spaß an der Bewegung vermitteln

Das Schulprojekt „Rollstuhlbasketball macht Schule in Hessen“ ist eine Initiative der Unfallkasse Hessen (UKH) in Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS).

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Seit fast zwei Jahren besucht der 38-Jährige nun schon Schulen in ganz Hessen und spielt dort mit den Kindern und Jugendlichen Rollstuhlbasketball. Im Rahmen eines Projektes der Unfallkasse Hessen. Arnold selber spielt seit 15 Jahren Rollstuhlbasketball. Vor 16 Jahren hatte er einen Unfall, seitdem ist der gelernte Zimmermann querschnittgelähmt und Frührentner. „Für das Projekt hatte ich also Zeit. Diese Arbeit ist mein Traumjob, ich kann das Hobby mit dem Beruf verbinden“, sagt er.

Die Sportstunden bei Arnold laufen immer gleich ab – zunächst müssen sich die Schüler an ihren neuen fahrbaren Untersatz gewöhnen. Das war für Mia eine ganz neue Erfahrung. „Das Rückwärts- und Geradeausfahren fand ich besonders schwer. Ich kann mir jetzt auch vorstellen, wie es Menschen geht, die den ganzen Tag in solch einem Rollstuhl sitzen. Das macht den Alltag schwer und kompliziert“, denkt die 14-Jährige. Trotzdem ist es für sie eine „coole Erfahrung.“ Das sieht Antonia (14) ebenso. Auch wenn man „in seiner Bewegung doch sehr eingeschränkt ist“.

Aufstehen verboten

Wie sehr sie eingeschränkt sind, spüren die Gymnasiasten spätestens beim Korbwurf. Auch wenn sie es könnten, aufstehen dürfen sie nicht. „Das wird im Spiel gleich als Foul gewertet“, erklärt Arnold. Es sei vor allem die Koordination, die durch Rollstuhlbasketball gefördert werde. Zudem sei das Zusammenspiel untereinander noch wichtiger als beim „normalen“ Basketball. „Die Pässe müssen noch genauer sein, man muss anders miteinander kommunizieren. Weil man eben nicht mal schnell aus dem Rollstuhl springen und dem Ball hinterher hechten kann“, erklärt Arnold, der bei den Mainhatten Skywheelers spielt.

Dort ist er in einem extra für ihn angefertigten Rollstuhl aktiv. 5000 bis 8000 Euro kostet solch ein Unikat, tief und in Keilposition sitzt er darin. Damit er durch die fehlende Muskulatur im Oberkörper nicht herausfallen kann. Wie auch die Rollstühle der Schüler hat sein Exemplar fünf Räder. Zwei große und drei kleine. So kann der Stuhl nicht umkippen, auch wenn er noch so schnell von rechts nach links gedreht wird. Wie das funktioniert, haben die Wöhlerschüler schnell raus. Richtig flott flitzen sie durch die Halle, passen sich die Bälle zu und ab und an landet der Ball dann doch mal im Korb. Das wird freilich lautstark bejubelt.

Inklusionsgedanke

Sportlehrer Uli Eysel ist begeistert, wie seine Schüler mit ihrem neuen fahrbaren Untersatz zurecht kommen. „Ganz neu ist der Sport für uns allerdings nicht, es gibt einen Schüler in der Oberstufe, der Rollstuhlbasketball spielt. Für ihn werden wir auch eine extra Abiturprüfung anbieten“, erzählt der Sportlehrer. Neben den neuen Bewegungsabläufen, die die Schüler lernen, gibt es für Arnold noch einen zweiten wichtigen Punkt: „Der Sport ist gelebte Inklusion. Die Kinder versetzen sich in die Lage der Rollstuhlfahrer. Das ist klasse.“

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