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Dreieinhalb Jahre Haft für das Abzocken der Geldbörse: Drogenabhängiger überfällt Hungrigen

Von Sein nächtlicher Hunger wurde einem Mann aus Bad Soden zum Verhängnis. Im Bahnhofsviertel, wo er einen Imbiss aufsuchen wollte, wurde er von zwei Drogenabhängigen überfallen. Die Geldbörse mit 150 Euro Bargeld und diversen Scheckkarten war weg. Nun aber wurde wenigstens einer der Räuber vom Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv
Frankfurt. 

Wer nachts in Bad Soden Hunger bekommt und nichts im Kühlschrank hat, ist übel dran. Getrieben vom Appetit auf einen würzigen Döner oder einen knackigen Salat, machte sich unser Mann also auf den Weg nach Frankfurt ins Bahnhofsviertel.

An seinem Wohnort nämlich sind um 3.30 Uhr alle Bürgersteige hochgeklappt und die Lokale verrammelt und verriegelt.

Hetzjagd um den Block

In der Elbestraße in Frankfurt angekommen, verging dem Hungrigen der Appetit. Statt einer gemütlichen Tour zum nächsten Grill wurde der nächtliche Ausflug zu einer Verfolgungshatz.

Schnell hatten ein 30 Jahre alter Mann, in Polizeikreisen seit Jahren als „Mehrfach-Intensivtäter“ (MIT) bekannt, und seine Gefährtin, die „dicke Sophie“, erkannt, dass bei dem Bad Sodener vermutlich etwas zu holen sein werde.

Wie ein gejagtes Reh ging es einmal um den Block: Kaiserstraße, Münchener Straße, Weserstraße, bis beide schließlich in der Elbestraße über ihr Opfer herfielen. Der Mann büßte die Geldbörse ein und erlitt leichtere Blessuren am Hals und im Gesicht. Völlig mittellos kam er später wieder mit dem Auto in Bad Soden an.

Am nächsten Tag wurde dann in der Nähe des Hauptbahnhofs wenigstens die leere Geldbörse mit den Personalpapieren in einem Müllbehälter gefunden. Der Zufall wollte es, dass der Angeklagte per Video aufgenommen wurde, wie er in unmittelbarer Nähe herumlungerte. Und sogar der Überfall selbst wurde von der Kamera einer nahen Kneipe dokumentiert. Sowohl er als auch die „dicke Sophie“ waren zu sehen. Die Festnahme des Mannes war nur noch Formsache. Seit jenem Tag im Juli vergangenen Jahres ist er in Untersuchungshaft.

Infolge des Videomaterials war der Spielraum an Einlassungen für den Angeklagten begrenzt. Er versuchte zunächst noch, die Schuld an dem Überfall der zwischenzeitlich mit unbekanntem Ziel verschwundenen „Sophie“ in die Schuhe zu schieben. Doch der Film zeigte, dass die Misshandlungen eindeutig von ihm ausgegangen waren und „Sophie“ lediglich mit dem erbeuteten Geldbeutel davongelaufen war.

Einweisung zur Therapie

Dass der Angeklagte am Ende mit einer Haftstrafe von nur dreieinhalb Jahren davonkam, war ausgesprochenes Glück und lag vor allem daran, dass eine zweite Raubtat, bei der er sich in den Besitz eines Autoschlüssels gebracht hatte, nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Der Autobesitzer hatte bei der Polizei und später bei Gericht zu widersprüchliche Angaben gemacht, so dass die Strafkammer diesen Vorwurf fallenlassen musste. Weil die Straftat allerdings – wie auch die zahllosen anderen im Vorstrafenregister – vom Drogenkonsum motiviert war, verfügte das von Richter Urs Böcher geleitete Gericht die Einweisung des Mannes in eine Drogentherapie-Einrichtung.

Danach wird er voraussichtlich in seine türkische Heimat abgeschoben – wo er zuvor niemals gelebt hatte. In einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht hatte sich der Mann allerdings mit der Abschiebung einverstanden erklärt, falls er innerhalb von drei Jahren wieder – wie geschehen – straffällig werde.

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