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Traditionslokal "Zum Hirsch": Drohender Abriss nach Eigentümerwechsel: Vereine wollen Gasthaus retten

Von Seit mehr als 300 Jahren gibt es das Gasthaus „Zum Hirsch“ in Oberrad. Nun wurde das gemütliche Fachwerkhaus verkauft, die derzeitige Wirtin muss zum Jahresende raus. Oberräder Vereine versuchen, zumindest das Gebäude zu erhalten. Der neue Eigentümer, so die Befüchtung, will es womöglich abreißen.
Kämpfen für den Erhalt des „historischen Kleinods“: Guido Neumann (links) und Eugen Müller vor dem Gasthof „Zum Hirsch“ an der Offenbacher Landstraße. Foto: Michael Faust Kämpfen für den Erhalt des „historischen Kleinods“: Guido Neumann (links) und Eugen Müller vor dem Gasthof „Zum Hirsch“ an der Offenbacher Landstraße.

Von außen wirkt das Eckhaus an der Offenbacher Landstraße eher unscheinbar. Das Fachwerk aus dem frühen 18. Jahrhundert ist unter einer Putzschicht versteckt. Aber im Inneren der Gaststätte sorgen die Holzbalken für eine gemütliche Stimmung. Das Traditionslokal „Zum Hirsch“ war jahrzehntelang ein beliebter Treffpunkt in Oberrad, nun droht ihm das Ende. Die derzeitige Pächterin muss zum Jahresende raus. Das Gebäude wurde verkauft. Was die neuen Eigentümer damit vorhaben, ist noch unklar. In Oberrad wird allerdings befürchtet, sie könnten es abreißen lassen, um Platz für einen lukrativen Neubau zu gewinnen. Um das zu verhindern, regt sich Widerstand im Stadtteil.

Hoffen auf Denkmalschutz

Der Oberräder Bürgerverein und der Heimat- und Geschichtsverein haben schon vor Monaten die Denkmalschutzbehörden alarmiert. „Es ist eines der ältesten, vielleicht sogar das älteste Gebäude Oberrads“, sagt Eugen Müller, Vorsitzender des Bürgervereins. „Wir wollen, dass es erhalten bleibt.“

Da der Stadtteil stark von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs betroffen sei, „sind solche historischen Kleinode unverzichtbar“, argumentiert Müller in einem Brief an das städtische Denkmalamt. Dieses Schreiben hat er im Juli gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Oberräder Heimat- und Geschichtsvereins, Guido Neumann, verfasst. Entschieden wurde seitdem noch nichts.

Das 310 Jahre alte Fachwerkhaus ist bisher nicht als Baudenkmal eingestuft, also weder vor baulichen Veränderungen noch einem Abriss geschützt. Das Frankfurter Denkmalamt hat Müllers und Neumanns Wunsch, dies zu ändern, an das zuständige Landesamt für Denkmalpflege weitergeleitet. Und dort ist man immer noch damit beschäftigt. Die Schutzwürdigkeit des Gebäudes werde derzeit geprüft, heißt es aus der Landesbehörde.

Mit dem neuen Eigentümer hatten Müller und Neumann noch keinen Kontakt. „Wir hoffen, dass er erkennt, welches Schmuckstück er aus dem Gebäude machen könnten“, sagt Müller. „Auf jeden Fall sollte es als Gaststätte unter diesem Namen erhalten bleiben“, ergänzt Neumann. „So wie es seit über 300 Jahren durchgängig war.“ Er habe bei seinen Archivrecherchen sogar Quellen entdeckt, die darauf hindeuten, dass es an dieser Stelle schon vor dem Bau des heutigen Gasthauses einen „Hirsch“-Wirt gab.

Das nun womöglich vom Abriss bedrohte Gebäude wurde 1708 durch den Gastwirt Johann Jakob Schäfer errichtet, berichtet Neumann. Der Gewölbekeller und das gemauerte Erdgeschoss könnten sogar noch älter sein. Das Obergeschoss besteht aus einem „regionaltypischen barocken Schmuckfachwerk“, heißt es in einem Gutachten von 1989, das die Henninger-Brauerei als damaliger Eigentümer der Immobilie in Auftrag gegeben hatte.

35-jähriger Unternehmer

Gekauft hat es nun die Ikarus Property GmbH mit Sitz im hessischen Seligenstadt. Dahinter steckt der 35-jährige Unternehmer Leonardo Tenorio Baez. Er ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Firma. Ob er das historische Gasthaus sanieren oder abreißen will, bleibt unklar. Denn für eine Stellungnahme war Baez bisher nicht zu erreichen.

Unterstützung erhalten Müller und Neumann auch vom Gewerbeverein Oberrad. Dessen Vorsitzender, Hermann Schöninger, sagt: „Erst verliert Frankfurt den Goetheturm und als nächstes den ‚Hirsch‘? Das wären zwei Schläge für Oberrad innerhalb kurzer Zeit.“ Er könne sich vorstellen, dass eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Gaststätte gegründet wird. Daran würde sich sein Verein sicher beteiligen, so Schöninger.

Die derzeitige Wirtin Ingrid Barth will keine Fragen zum Ende ihres Pachtvertrags beantworten. Geöffnet hat sie den „Hirsch“ nur noch abends und wird laut Schöninger schon Ende November schließen, um im Dezember auszuräumen. Sollte der Gasthof erhalten bleiben, muss ihn wohl ein neuer Wirt übernehmen..

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