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Zwischenfälle am Flughafen: Drohnen gefährden Luftverkehr

Von Während die Niederlande Adler darauf abrichten, illegale Drohnen vom Himmel zu holen, hat Lufthansa die ferngesteuerten Fluggeräte als potenzielles neues Geschäftsmodell entdeckt. Gleichzeitig ist klar, dass es strengerer Regularien für deren Einsatz bedarf: Im vergangenen Jahr kamen sie den Flugzeugen in der Einflugschneise mehrfach bedrohlich nah.
Drohnen schwirren in Frankfurt immer häufiger durch die Luft.	Bild: dpa Foto: Patrick Seeger (dpa) Drohnen schwirren in Frankfurt immer häufiger durch die Luft. Bild: dpa
Frankfurt. 

Das, was früher das Modellflugzeug war, ist heute die mit einer Kamera ausgestattete Drohne. Die Geräte fliegen derzeit überall herum: über unseren Köpfen, vor unseren Fenstern, in unseren Städten. Die Branche rechnet in den nächsten zehn Jahren mit einer Verzehnfachung der Verkaufszahlen von Drohnen für den Privatgebrauch. Fluggesellschaften, die Vereinigung Cockpit (VC) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) beobachten diesen Trend mit Sorge.

Im vergangenen Jahr kam es mehrfach zu Begegnungen zwischen Drohnen und Flugzeugen. „Das ist ein neues Phänomen“, sagt DFS-Sprecherin Ute Otterbein. Allein in Frankfurt gab es drei Vorfälle. „Piloten haben uns Drohnen im Endanflug in einer Höhe von bis zu 5000 Fuß gemeldet“, berichtet Otterbein. Das sind etwa 1500 Meter. „Wir waren selbst überrascht, wie hoch die Drohnen fliegen können.“ Ungefährlich ist das nicht, erlaubt schon gar nicht. Auch wenn in Deutschland jeder Drohnen kaufen und fliegen kann, die leichter sind als fünf Kilo, gibt es Regeln für die Hobby-Piloten.

Viele kennen Regeln nicht

Die unbemannten Objekte dürfen nur auf Sichtweite geflogen werden, das heißt: in einem Umkreis von maximal 300 Metern. In der Höhe gilt eine Grenze von maximal 100 Metern, um dem Flugverkehr nicht zu nahe zu kommen. Im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um einen Airport dürfen sie überhaupt nicht fliegen. Lässt man die Drohnen dort dennoch gen Himmel steigen, macht man sich strafbar. Tatbestand: „Gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr“. „Viele kennen die Regeln aber gar nicht“, sagt Otterbein. „Deshalb müssen wir sie den Menschen immer wieder ins Bewusstsein rufen.“

Schärfere Regeln

Immerhin: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will den Betrieb privater Drohnen neu regeln und mit Verboten einschränken. So plant er, private Drohnenflüge in mehr als 100 Metern Höhe sowie jenseits der Sichtweite zu verbieten. Zudem soll es keine Drohnenflüge mehr in Wohngebieten, über Bundesfernstraßen, Eisenbahnlinien, Unglücksorten, Einsatzgebieten der Polizei oder Industrieanlagen geben. Fluggeräte, die schwerer als 500 Gramm sind, sollen registriert werden, um den Eigentümer identifizieren zu können. Für gewerbliche Nutzer soll es künftig einen „Führerschein“ geben, den das Luftfahrt-Bundesamt ausstellt.

Sowohl die DFS als auch Lufthansa begrüßen den Vorstoß. „Es muss ein am tatsächlichen Risiko ausgerichtetes Regelwerk geben. Je risikoreicher, desto strenger müssen die Regeln sein. Flugzeuge müssen sicher vor Drohnen sein“, sagt Mirjam Eberts von der Projektgruppe Lufthansa Aerial Services. Lufthansa selbst will in das Drohnen-Geschäft einsteigen. Dazu hat das Unternehmen bereits eine Partnerschaft mit dem führenden Hersteller DJI geschlossen. „Wir wollen herausfinden, ob wir mit Drohnen ein nachhaltiges und lukratives Geschäftsfeld entwickeln können“, sagt Eberts. Erste Testflüge mit Kameradrohnen gab es schon, etwa auf der Nordwest-Landebahn am Flughafen. „Wir können uns vorstellen, dass die Drohnen für die Kontrolle der Start- und Landebahnen auf mögliche Fremdkörper eingesetzt werden, die heute noch mehrmals am Tag mit Fahrzeugen durchgeführt wird“, schildert Eberts. Auch die Vermessung der Flughafentopografie sei denkbar oder die Inspektion von Flugzeugen.

„In den Kinderschuhen“

Auch in Windparks hat Lufthansa bereits Drohnen getestet. „Die Inspektion von Rotorblättern wird bislang von Industriekletterern gemacht. Das ist gefährlich, zeitaufwendig und liefert keine Daten, in welchem Turnus ein Rotorblatt gewartet werden muss“, erklärt Eberts. Drohnen hingegen könnten die Windräder gefahrlos ansteuern, sie umkreisen und Daten sammeln. Doch noch sind das alles nur Ideen. „Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Eberts. Bis Ende des Jahres will Lufthansa herausgefunden haben, ob die Drohnen wirklich eine neue Erlösquelle sein können.

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