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Start-Up Antelope: EMS: Mit Elektroschocks zum Traumkörper

Von Elektroden kleben auf der Haut und geben in kurzen Abständen kleine Stromstöße von sich – was nach Folter klingt, ist eine beliebte Trainingsmethode, um die Muskeln schneller wachsen zu lassen. Ein Frankfurter Start-Up hat nun mit dieser sogenannten EMS-Technik Sportoutfits entworfen. Was steckt hinter dieser Idee?
Frankfurt. 

Der Gepard war Philipp Schwarz zu langsam. Es musste schon die Antilope sein, als er nach einem Namen für sein Start-Up suchte. Mit 80 Kilometern pro Stunde kann eine Antilope rennen – und das über mehrere Kilometer. Der Gepard hat sich da nach 500 Metern längst ins hohen Steppengras gelegt – 120 km/h Höchstgeschwindigkeit hin oder her.

Leistungsfähigkeit, das ist es wofür Philipp Schwarz Herz schlägt. Umso enttäuschter war der kernige Mann, als er 2012 am Zürichsee Schwimm-Marathon teilnahm und unter seinen Erwartungen blieb. Im Folgejahr musste unbedingt eine Leistungssteigerung her, war seine Devise. Die passende Trainingsmethode dafür fand er mit EMS - Elektrostimulationstraining.

Bild-Zoom

EMS-Training im Fitnessstudio bedeutet, dass sich die Sportler externe Elektroden an ein nasses Shirt klemmen und anschließend gymnastische Übungen machen – dadurch werden die Muskeln zusätzlich belastet und wachsen schneller. Längst ist diesen Angebot Standard in zahlreichen Fitnessstudios. „Ich war begeistert“, blickt Schwarz auf sein Elektrotraining zurück. Zwölf Stunden am Stück schwamm er in Folgejahr beim Schwimm-Marathon eine Strecke so breit wie der Ärmelkanal und stieg mit einer Erkenntnis aus dem Wasser: „Aus der EMS-Technik kann man mehr machen.“ Ein Jahr später, im März 2014, gründete er schließlich zusammen mit seiner heutigen Mit-Geschäftsführerin Mynia Deeg die „Wearable Life Science GmbH“ mit ihrer Marke „Antelope“.

Nach langer Entwicklung bald im Verkauf

In den Antelope-Outfits sind die Elektroden bereits integriert. Über das Smartphone, kann die Intensität des Stroms gesteuert und einzelne Muskeln ausgewählt werden. Neben einem Tank-Top und Stulpen für die Waden, führt das Unternehmen auch ein Shirt mit Hose im Angebot. Zwischen 400 und 1400 Euro kosten die Outfits. Im Jahr 2016 wurden die ersten Kleidungsstücke produziert, in den kommenden Wochen sollen sie nach langer Finanzierungs- und Entwicklungsphase in den freien Verkauf gehen.

Interaktives Bild - So funktioniert der Antelope-Suit:

Wer einen Trainingsanzug von Antelope trägt, sieht nicht nur aus wie ein Superheld, sondern soll auch zu einem werden: muskulös, gestählt, topfit! Der Weg dahin ist jedoch beschwerlich: „Wenn du bisher 50 Liegestützen am Stück gemacht hast, schaffst du mit dem Anzug nur noch acht!“, prophezeit Gründer Philipp Schwarz.

Immer in Bewegung bleiben

In pulsierenden Schüben stoßen die Elektroden Strom in die Muskeln, die Bewegungen werden schwerfälliger, die Muskeln kämpfen gegen den Strom an. Gemütlich vor dem Fernseher sitzend, ergibt die Elektroschock-Therapie jedoch keinen Sinn. Damit ein Trainingseffekt eintritt, sollten die Stromimpulse immer in dem Bewegungsablauf angewendet werden, der trainiert werden soll.

Noch schneller als die Muskeln der Trainierenden soll nur das Unternehmen selbst wachsen. Derzeit arbeiten 24 Mitarbeiter in den Räumlichkeiten in einem kleinen Hinterhof im Frankfurter Bahnhofsviertel. Sobald die Produkte im freien Verkauf sind, könnten jedoch schnell weitere Mitarbeiter nötig sein. Trotz vieler Jahre, die er bereits im Start-Up-Business aktiv ist, ist Philipp Schwarz kein Chef, der sich ständig darin bemüht vor seinem Personal Motivationsreden in Unternehmer-Phrasen zu halten.

Alle duzen den Chef

Der Chef lobt die flache Hierarchie und bewertet seine Mitarbeiter nach deren Arbeitseinsatz: „Wichtig ist, dass die Aufgabe erledigt wird, nicht wo und wie lange jemand dafür braucht.“ Zudem reden sich alle im Büro mit „Du“ an: „Das war keine bewusste Entscheidung“, erinnert sich Schwarz, doch da sein internationales Team ohnehin überwiegend Englisch spricht, wurde ein „Sie“ schnell obsolet.

Experten warnen EMS-Training sei gesundheitsgefährdend - Weiter auf Seite 2

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