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Ebay macht‘s möglich

Von Millionen Euro werden jedes Jahr im Internet umgesetzt. Online kann man so gut wie alles kaufen. Skurriles und Funktionales haben Frankfurts Ebay-Händler zu zeigen und zu verkaufen.
Matthias Hebisch auf seinem Topangebot. Der Ford-Geländewagen wurde eigens für deutsche Straßen umgebaut. Matthias Hebisch auf seinem Topangebot. Der Ford-Geländewagen wurde eigens für deutsche Straßen umgebaut.
Frankfurt. 

gibt es so gut wie alles. Sogar einen Gebetsteppich für Muslime, auf dem ein Kompass angebracht ist, haben die beiden Online-Händler August Krol (30) und Butrus Said (28) im Angebot.

"Natürlich bieten wir auch konventionellere Produkte an. Zum Beispiel verkaufen wir auch Fahrräder oder Computer-Kabel", erklärt Geschäftsführer Krol. Aber manchmal seien es gerade die skurrilen Dinge, die den wirtschaftlichen Erfolg brächten. "Als es im Februar mit Blockupy richtig losging, haben wir von den Vendetta-Masken 20 000 Stück verkauft", erzählt Krols Partner Said. Auch der Rückenrasierer werde häufiger nachgefragt als man sich vorstellen könne.

Gute Geschäfte

"Unser Jahresumsatz liegt im siebenstelligen Bereich", berichtet Said. "In Frankfurt kommen wir direkt nach Neckermann", sagt der Internet-Experte und erwähnt augenzwinkernd, dass die Kunden des insolventen Online-Versandhauses nun bei ihm anriefen. An Spitzentagen könnten Said und Krol bis zu 2000 Bestellungen verzeichnen, sagen sie. "Im Monat werden im Schnitt 30 000 Produkte bestellt", berichtet Krol freudestrahlend.

Natürlich bekommt auch Ebay etwas von den Gewinnen ab. Die Summe, die ein Verkäufer an die Plattform zahlt, hängt zum Beispiel von der Anzahl der Bestellungen ab. Auch die Höhe des Umsatzes ist relevant. Wenn der Verkäufer Produkte versteigert, wird es etwas teurer als bei Verkäufen zum Festpreis. Alles in allem müssen Krol und Said "etwa sieben bis zehn Prozent an Ebay abgeben."

Die beiden Unternehmer können das verschmerzen. Sie haben im Jahr 2006 ohne Kredite oder andere Investitionen begonnen, die Gegenstände von Freunden oder Bekannten im Wohnzimmer zu lagern und bei Ebay zu verkaufen. Mittlerweile führen sie ein Unternehmen mit einer Lagerfläche von 1600 Quadratmetern, 4500 Produkten im Angebot und etwa 25 Mitarbeitern. Einer davon ist Frankline Okech (24). Der werdende Computeringenieur arbeitet als Werkstudent bei Zeil24. Er verbringt etwa 15 Stunden pro Woche damit, die Ware im Lager zu sortieren und Bestellungen abzuwickeln. "Ich habe gute Chefs und einen guten Stundenlohn", erzählt er und meint, dass er einen guten Nebenjob hat.

"Vertrauen ist das Wichtigste in unserer Branche", findet Said. Wenn die Mitarbeiter oder die Kunden unzufrieden seien, wirke sich das sofort aus. "Die Lieferungen müssen alle über Nacht ankommen, sonst kriegen wir schlechte Bewertungen", sagt Krol. "Das Internet hat nun mal keine Öffnungszeiten", fügt Said hinzu. "Dem müssen wir gerecht werden."

Kunst aus der Garage

Angestellte hat Stefan Kreiner (37) keine, doch auch er betreibt sein Ebay-Geschäft seit einigen Jahren als Vollzeitjob. Der Kunstexperte hat ebenfalls einige Kuriositäten im Angebot. Stolz präsentiert er ein Ölgemälde des Malers Teets van Amerongen aus dem 19. Jahrhundert. "Das Kunstgeschäft ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, leider sinkt die Nachfrage", berichtet Kreiner. Für einen Teppich, der vor 15 Jahren 30 000 Mark gebracht hätte, bekäme man heutzutage "höchstens noch 1000 Euro", klagt der 37-Jährige.

Also eröffnet er sich neue Märkte. Momentan bietet er zum Beispiel Schallschutzhelme für Fluglotsen und andere Bodencrew-Mitarbeiter an. An diesen Helmen sind Ohrenschützer gegen den Lärm auf dem Rollfeld angebracht. Außerdem gibt es ein Kabel, mit dem man sich an Bundeswehr-Jets anschließen und mit dem Piloten kommunizieren kann. Auch einen Sauerstoffverdampfer verkauft er in seinem Ebay-Shop namens buybuy24germany. "Mit dem Verdampfer wird die Luft im Phantom-Jet mit Sauerstoff angereichert, damit der Pilot noch Atmen kann, auch wenn er sehr hoch fliegt", erklärt Kreiner.

Matthias Hebisch (34) betreibt den Ebay-Shop main-frankfurt. Er hat erst Fitnesskaufmann gelernt, aber vor etwa fünf Jahren beschlossen, sich als Internet-Händler selbständig zu machen. "Man hat den Vorteil der freien Zeiteinteilung, muss aber zu jeder Uhrzeit bereit sein, etwas für sein Geschäft zu machen", beschreibt er die Tätigkeit als Vollzeit-Ebayer.

Das Recherchieren von Trends, die Beschreibung und das Fotografieren der Produkte nehme schon einige Zeit in Anspruch. "Und natürlich das Verpacken. Vor Kurzem haben wir für ein Schlagzeug fast vier Stunden geraucht", erzählt Hebisch. Das holzgeschnitzte Schneidbrett in Form eines Wildschweinlaufes ginge sicherlich schneller, sagt er und lächelt.

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