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Stadtteil-Serie (Teil 19): Eckenheim, der ruhige Stadtteil

In unserer Stadtteil-Serie haben wir in dieser Woche Eckenheim unter die Lupe genommen. Durch die Nähe zur Innenstadt haben es Geschäfte hier schwer. Eine Fotoreportage.
Die so genannte Gibbs-Siedlung in der Gederner Straße in Eckenheim. Foto: Ben Kilb Die so genannte Gibbs-Siedlung in der Gederner Straße in Eckenheim.
Frankfurt. 

Wer wochentags durch den fast menschenleeren, alten Eckenheimer Ortskern läuft, verortet sich in der Provinz, nicht in der Nähe zum quirligen Nordend. Dabei liegt am Rand des Stadtteils, in der Feuerwehrstraße 1, das 2003 eröffnete Brandschutz-, Katastrophenschutz- und Rettungsdienstzentrum der Feuerwehr Frankfurt, das im Land seinesgleichen sucht. Nur wenige hundert Meter entfernt, in der Gießener Straße, igelt sich das Areal des US-Generalkonsulats im Nordend-West ein. Es ist das größte US-amerikanische Konsulat der Welt.

Ans einstige Bauern- und Gärtnerdorf, das Eckenheim vor knapp hundert Jahren war, erinnern nur noch die mittägliche Ruhe, einige Fachwerkhäuser und alte Gässchen. Teil von Frankfurt wurde Eckenheim, als die Landwirtschaft es noch prägte: Die Eingemeindung war 1910. Eckenheim zählte damals rund 3500 Einwohner, 107 Jahre später sind es vier mal so viele. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Eccinheim“ anno 795 im Lorscher Kodex.

Die im Vergleich zu anderen Frankfurter Stadtteilen lange Zugehörigkeit zur größten hessischen Stadt bedeutet aber nicht, dass die Eckenheimer Infrastruktur vor den Folgen der Nähe zur Innenstadt bewahrt bleibt. Ähnlich wie in einem sterbenden Dorf haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Lädchen und Geschäfte geschlossen. Ursächlich sind sicher die nur knapp 15-minütige Fahrt in die Innenstadt sowie die Eröffnung verschiedener Discount-Supermärkte an der Eckenheimer Landstraße.

Der Zusammenhalt im Stadtteil litte noch stärker, gäbe es kein reges Vereinsleben. Über zwei Dutzend Vereine bilden den „Kitt“ des Stadtteils, der zwischen Bornheim, Dornbusch, Frankfurter Berg, Preungesheim, Eschersheim  und Nordend liegt. Besonders kommunikativ sind die zwei Karnevalvereine: „Die Fidelen“ und die „Krätscher“. Vielleicht wäre das Vereinsleben noch reger, verfügte Eckenheim über mehr Treffpunkte. Den Saalbau in der Ronneburgstraße müssen sich die Vereine teilen. Unter den wenigen noch verbliebenen Kneipen und Gaststätten ist der Homburger Hof in der Engelthaler Straße die beliebteste Adresse.

Dafür kann Eckenheim nicht viel größer werden, was künftige Herausforderungen im Rahmen halten sollte. In den letzten Jahrzehnten stieg die Bevölkerung aufgrund des Baus von Wohnsiedlungen entlang der Gießener Straße und der Siegmund-Freud-Straße. Im Osten verhindert die Autobahn A 661 eine Ausdehnung. FNP-Reporter Ben Kilb hat den Stadtteil besucht.

Die Gibbs-Siedlung

Die von der Stadt mitgegründete Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft erwarb 2006 einen Teil der einstigen US-Kaserne „Gibbs“ an der Gederner Straße von der Bundesrepublik Deutschland. Parallel zur Gießener Straße stehen dort drei einstige US-Housings, aus denen Wohnungen wurden. Südlich davon wurde vor einigen Jahren eine Kita gebaut und entsteht derzeit die Landeszentrale des Technischen Hilfswerks (THW) sowie das Katastrophenschutzlager der Frankfurter Feuerwehr.

Ein Literaturfreund aus Rumänien belebt die Ortsmitte

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: seit dem Jahr 2010 gibt es den Buchladen "Camp" von Dinu Popa in der Eckenheimer Landstraße. Der gebürtige Rumäne lebt seit 22 Jahren im Stadtteil und führt in dessen Ortsmitte einen der wenigen Läden. Seine Bücher, darunter viele Antiquitäten, verkauft über das Internet in alle Welt und ist dabei - nach eigenen Angaben - "schneller als Amazon". Nach der Eröffnung dauerte es ein wenig, bis auch die Eckenheimer "Camp" für sich entdeckten. Weil er den Stadtteil und seine Menschen so gerne hat, möchte er ihnen mit seinem Laden etwas zurückgeben und belebt mit ihm die Ortsmitte, die in den letzten Jahren am stärksten vom Ladensterben betroffen war.


Seit 2010 gibt es den Buchladen „Camp“ von Dinu Popa in der Eckenheimer Landstraße 352. Der gebürtige Rumäne lebt bereits seit über 20 Jahren im Stadtteil und führt in dessen Mitte, der stark vom Ladensterben betroffen ist, eines der wenigen Geschäfte. Seine Bücher, darunter viele Antiquitäten, verkauft er über das Internet in alle Welt und ist dabei nach eigenen Angaben „schneller als Amazon“. Nach der Eröffnung dauerte es ein wenig, bis die Eckenheimer „Camp“ für sich entdeckten. Weil Popa den Stadtteil und seine Bewohner „so gerne hat“, möchte er ihnen mit seinem Laden etwas zurückgeben. Das schafft er mit Espresso, Lesungen, Weinproben und Filmvorführungen.

„Bembelkegelbahn“ im „Homburger Hof“

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Andreas Kimmel, Inhaber des "Homburger Hof" in der Engelthaler Straße, ist besonders stolz auf seine "Bembelkegelbahn". Die Gaststätte existiert seit über 100 Jahren und lockt mit regionalen Traditionsgerichten und verschiedenen Sorten Apfelwein. Auf der Bembelkegelbahn kommen Alt und Jung aus Eckenheim zusammen. Der "Homburger Hof" ist einer der wenigen Orte im Stadtteil, an dem Menschen zusammen kommen. "Wir haben ein tolles Stammpublikum. Die Eckenheimer halten einem die Treue und geben einem viel zurück", freut sich Kimmel. Seine "Bembelkegelbahn" hält er nicht für antiquiriert: "Ich kenne nur wenige Dinge, die kleine Kinder und alte Menschen gleichermaßen begeistert, wie das Kegeln".


Andreas Kimmel, Inhaber des „Homburger Hof“ in der Engelthaler Straße, ist stolz auf seine „Bembelkegelbahn“. Das Lokal existiert seit über 100 Jahren, bietet traditionelle Gerichte der Region und viele Sorten Apfelwein. Alt und Jung treffen sich hier. „Das Stammpublikum ist toll“, sagt er. Die Eckenheimer hielten einem die Treue, gäben viel zurück und seien begeistert vom Kegeln.

Spielen und feiern in der „Kull“

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Die so genannte „Kull“ mitten in Eckenheim. Der Spielplatz wird von Kindern aus dem Stadtteil besucht, auch die nahe Münzenbergerschule nutzt ihn für Aktivitäten. Zudem steigen in der “Kull” regelmäßig Stadtteilfeste. Früher wurde in der Kuhle Wein angebaut, bis die Reblaus das Frankfurter Winzertum beendete. Bis vor rund 100 Jahren wurden in der „Kull“ Sand und Kies abgebaut. Viele der im benachbarten Nordend verbauten Ziegelsteine wurden einst in Eckenheim hergestellt. Im 19. Jahrhundert war der Stadtteil gemeinsam mit Eschersheim das Zentrum der lokalen Ziegelsteinherstellung.


Den Spielplatz in der „Kull“ (von Kuhle) nutzen Kinder aus dem Stadtteil, auch die Münzenberger-Schüler. Ebenso steigen hier viele Stadtteilfeste. Einst wurde dort Wein angebaut, bis die Reblaus dem Winzertum den Garaus machte. Im 19. Jahrhundert war der Stadtteil ein Zentrum der Ziegelsteinherstellung; bis vor 100 Jahren wurde Sand und Kies ab- und großteils im Nordend verbaut.

Der „Bürgermeister“

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Klaus-Peter Musch ist eine Institution in Eckenheim und gilt als des Stadtteils inoffizieller Bürgermeister. Musch betreibt mit seinem Schreibwarenladen "Musch hat's" eines der wenigen Geschäfte im alten Eckenheimer Ortskern. Weil in den vergangenen Jahrzehnten viele Eckenheimer Geschäfte dicht gemacht haben, wirft Musch der Stadtpolitik vor, die Eckenheimer Infrastruktur vernachlässigt zu haben. Musch kennt die Sorgenund Nöte der Menschen im Stadtteil. Rund 200 Kunden zählt er täglich, die allermeisten davon kennt er beim Namen. Viele Eckenheimer kennen Musch nicht nur wegen seines Ladens, sondern weil der gebürtige Bornheimer einst für den Hessischen Rundfunk die Inthronisation des Fastnacht-Prinzenpaars kommentiert hat und Vorstandsmitglied des Karnevalsvereins "Die Fidelen" war.


Klaus-Peter Musch ist eine Institution, gilt als inoffizieller Bürgermeister und betreibt mit dem Schreibwarenladen „Musch hat’s“ eines der wenigen Geschäfte im Ortskern. Er wirft der Stadt vor, die Infrastruktur vernachlässigt zu haben. Den gebürtigen Bornheimer kennen viele, hat er doch einst für den Hessischen Rundfunk die Inthronisation des Fastnacht-Prinzenpaars kommentiert und war im Vorstand des Karnevalvereins „Die Fidelen Eckenheimer “ aktiv.

Feurig

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Junge Feuerwehrleute bei der Ausbildung im Zentrum für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in der Feuerwehrstraße 1 in Eckenheim, kurz BKRZ. Dort sind neben der Bereichsleitungswache 1 noch die Verwaltung der Branddirektion, Werkstätten, Unterrichtsräume sowie ein Sport- und Übungsgelände untergebracht. Außerdem befindet sich seit dem Jahr 2005 die Zentrale Leitstelle im BKRZ. Der Komplex wurde im Jahr 2003 eröffnet und befindet sich auf einem rund 32.000 Quadratmeter großen Areal, das einst die Gibbs-Baracken der US Army beherbegte. Die Stadt gründete vor dem Bau eigens eine Grundstücksgesellschaft und investierte rund 50 Millionen Euro in das Zentrum. Weil das BKRZ immer weiter wächst, ist es auch 14 Jahre nach seiner Eröffnung beispielgebend.


Junge Feuerwehrleute bei der Ausbildung im Zentrum für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in der Feuerwehrstraße 1. Weil es weiter wächst, ist es auch 14 Jahre nach seiner Eröffnung beispielgebend. Neben der Bereichsleitungswache 1 sind dort die Verwaltung der Branddirektion, Werkstätten, Unterrichtsräume sowie ein Sport- und Übungsgelände untergebracht; zudem seit 2005 die Zentrale Leitstelle. Der Komplex entstand 2003 auf einem 32 000 Quadratmeter großen Areal, das einst die Gibbs-Baracken der US-Armee beherbergte.

Narhalla für alle

Fidele Eckenheimer Nachwuchs-Probe am 6.11.2017


Die Minigarde der „Fidelen Eckenheimer“ probt im Saalbau in der Gelnhäusener Straße. Der Verein, 1963 gegründet, ist mit den „Krätschern“ verantwortlich für das närrische Treiben im Stadtteil.

Hochhaus-Problematik

Deutschland, Frankfurt-Eckenheim, 2. Nobember 2017: Die Hochhäuser in der Siegmund-Freud-Straße am Rand Eckenheims. Die Siedlung wurde Ende der 1950er Jahre und Mitte der 1970er Jahre mit Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus von der Gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft, einer Vorgängerin der GWH Wohnungsgesellschaft und weiteren Wohnungsbaugesellschaften errichtet. In den 1990er-Jahren galt die Siedlung als sozialer Brennpunkt. Aus Sicht viele Eckenheimern stört die Siedlung bis heute die Stadtteilidylle. Die Vermüllung zwischen den Hochhäusern und die dortige Jugendkriminalität sind vielen ein Dorn im Auge.


Die Hochhäuser in der Sigmund-Freud-Straße entstanden Ende der 1950er Jahre und Mitte der 1970er Jahre aus Mitteln des Sozialen Wohnungsbaus der gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft, einer Vorgängerin der GWH Wohnungsgesellschaft, sowie weiteren Wohnungsbaugesellschaften. In den 1990er Jahren galt die Siedlung als sozialer Brennpunkt– und sie stört aus Sicht vieler Eckenheimer bis heute die Beschaulichkeit des Stadtteillebens. Bürger klagen über Müllablagerungen zwischen den Hochhäusern und Jugendkriminalität.

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