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TSG Frankfurter Berg: Ehemalige Nationaltorhüterin baut Mädchen-Mannschaft auf

Von Bassent Nada ist erfolgsverwöhnt, sowohl als ägyptische Handball-Nationalspielerin als auch als Jugendtrainerin. Nun schickt sie die Handball-Mädchen der TSG Frankfurter Berg auf Torejagd.
Weil für Bassent Nada ihr Glaube wichtig ist, legt sie auch beim Training mit ihren E-Mädchen das Kopftuch nicht ab. Foto: Heike Lyding Weil für Bassent Nada ihr Glaube wichtig ist, legt sie auch beim Training mit ihren E-Mädchen das Kopftuch nicht ab.
Frankfurter Berg. 

Noch immer kribbele es ihr in den Fingern, selbst zum Ball zu greifen, wenn sie irgendwo Mädchen oder Jungen Handball spielen sieht, sagt Bassent Nada (39). Acht Jahre lang spielte sie in der ägyptischen Nationalmannschaft, wurde 1998 zur besten Torhüterin Afrikas gewählt und trat mehrfach bei afrikanischen Kontinentalmeisterschaften an. Das ist lange her – und doch ist dieser Sport, wie sie sagt, noch immer „meine große Leidenschaft“. Jetzt trainiert sie die E-Jugend-Mädchen der TSG Frankfurter-Berg.

„Sie ist im Team sehr gut angekommen und erfreut sich unter den Mädels großer Beliebtheit“, sagt Andrea Unkelbach von der Handball-Abteilung der Turn- und Sportgemeinschaft. Schon in Ägypten hatte sie nach ihrer aktiven Zeit 15 Jahre lang als Trainerin gearbeitet, „vor allem mit den ganz Kleinen“, erzählt Nada. „Es ist toll, zu sehen, wie sie sich entwickeln. Am Anfang können sie kaum den Ball richtig halten. Und nach wenigen Jahren sind sie richtig gut.“

Goldene Zeiten

Die 1990er Jahre waren die beste zeit des ägyptischen Handballs, erzählt Nada. „Die Nationalmannschaft der Männer war unser ,goldenes Team‘.“ Zeitweise standen die Ägypter auf Platz vier der Weltrangliste. „Ich hatte großes Glück, denn das war meine Generation.“ Zuvor seien alle Jugendlichen nur verrückt nach Fußball gewesen, nun wollten viele Handball spielen, auch Mädchen.

Dabei hatte es Bassent Nada selbst als Achtjährige zunächst mit Basketball versucht, so wie ihr sechs Jahre älterer Bruder. „Ich wuchs in einer gut gebildeten Familie auf, es gibt viele Ingenieure und Ärzte unter uns.“ Eine Familie, die sich auch die sehr hohen Jahresbeiträge ägyptischer Sportvereine leisten konnte. „Nach drei Jahren löste sich meine Basketballmannschaft auf, wir waren zu wenige. Ich machte meine Mutter wahnsinnig, weil ich ständig zu Hause mit dem Ball spielte und Sachen kaputt machte.“ Ein Freund sah, wie geschickt sie mit dem Ball umging, und nahm sie mit zum Handballtraining. Dort fiel am ersten Tag die Torhüterin aus und Bassent Nada meldete sich freiwillig als Ersatz. „Seitdem spiele ich im Tor.“

Bereut habe sie diese Entscheidung nie, trotz der zahllosen blauen Flecken am ganzen Körper durch den harten, oft aus kurzer Distanz geworfenen Ball. „Während des Trainings habe ich das nie gemerkt. Erst wenn ich später zu Hause war.“

Zwischen Abi und Sport

Als das Abitur näherrückte, fand ihre Mutter, sie habe genug Sport getrieben und solle sich auf ihren Schulabschluss konzentrieren. „Aber ich wollte das nicht. Ich spielte seit zwei Jahren in der Nationalmannschaft, für uns stand die Afrika-Meisterschaft auf dem Plan. Ich versprach meiner Mutter, dass ich beides schaffe“, berichtet Nada. Ein Jahr lang pendelte sie zwischen ihrer Heimatstadt Alexandria und dem Training in Kairo: Drei Tage Schule, vier Tage Training. „Ich lernte überall, im Zug, im Bus, sogar während der Pausen beim Training.“ Sie schaffte das Abitur, studierte in Alexandria zunächst Chemie und dann an der Al-Azhar-Universität in Kairo, der berühmtesten muslimischen Hochschule, islamische Theologie.

Nach Deutschland zog Bassent Nada samt Familie 2016 wegen der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen und politischen Situation in Ägypten. Aus einer anderen Ehe hat ihr Ehemann zwei Kinder mit deutschem Pass, so dass er mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern im Zuge einer Familienzusammenführung nach Frankfurt zog. „Zurzeit bin ich dabei, mich hier einzuleben und Deutsch zu lernen“, sagt Nada. Ihren Führerschein habe sie gemacht, muss sie doch die Kinder „ständig in der Gegend herumfahren“. Außerdem gibt sie in einer Moschee Koran-Unterricht.

Noch trainiere sie nur die Jüngsten der TSG, weil ihr Deutsch noch nicht so gut sei, sagt Nada. „Aber das soll sich ändern.“ Der Verein, der zurzeit drei Mädchen- und eine Frauenmannschaft hat, wolle sein Handballangebot ausbauen, erklärt Ulkenbach. „Im Sportpark Preungesheim trainieren wir in einer tollen Halle.“ Über die Kooperation mit der Otto-Hahn-Schule (wir berichteten) kamen einige Mädchen zur TSG, nun startet eine Kooperation mit der Internationalen Schule am Frankfurter Berg. Noch recht neu ist „Handball für alle“, dienstags ab 19.30 Uhr im Sportpark Preungesheim. „Und wir bauen eine neue Mini-Mannschaft auf, in der schon Vierjährige spielerisch fangen und werfen lernen.“ In dem Alter könnten auch noch Mädchen und Jungen zusammen spielen.

Handball bei der TSG

Infos über die TSG Frankfurter Berg und ihre neue Trainerin gibt es unter tsg1957.de .

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