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Viertklässler lauschen Erinnerungen: Ehemalige ermutigen Schüler

Um den Viertklässlern der Textorschule Angst vor der beruflichen Zukunft zu nehmen, kamen am Freitag ehemalige Grundschüler vorbei und erzählten von ihren Laufbahnen. Neben einer Krankenschwester, einer Psychologin und einem Studenten konnten die Kinder auch den ehemaligen Baudezernenten Hanskarl Protzmann und die Schriftstellerin Susanne Fröhlich über deren Kindheit in Sachsenhausen befragen.
Viel Spaß hatten die Textorschüler – denn die bekannte Autorin Susanne Fröhlich machte ihrem Namen alle Ehre beim „Zukunftstag“. Diesen hatte der Polizist Tarik Chaikhoun organisiert, um Kinder zu motivieren, ihr Leben zu genießen und keine Angst vorm Großwerden zu haben. Foto: Michael Faust Viel Spaß hatten die Textorschüler – denn die bekannte Autorin Susanne Fröhlich machte ihrem Namen alle Ehre beim „Zukunftstag“. Diesen hatte der Polizist Tarik Chaikhoun organisiert, um Kinder zu motivieren, ihr Leben zu genießen und keine Angst vorm Großwerden zu haben.
Sachsenhausen. 

Derart voll war der Gruppenraum der Sachsenhäuser Textorschule seit geraumer Zeit nicht mehr gewesen: Etwa 120 Viertklässler hatten sich dort kürzlich morgens versammelt, um beim „Zukunftstag“ den Kindheitserinnerungen ehemaliger Textorschüler zu lauschen und gleichzeitig neue Berufe kennenzulernen.

Info: Idee von Tarik Chaikhoun darf kopiert werden

Der „Zukunftstag“ soll Kindern die Bedeutung von Bildung und Selbstbewusstsein verdeutlichen und gleichzeitig Angst vor der Zukunft nehmen.

clearing

Als der ehemalige Frankfurter Planungsdezernent Hanskarl Protzmann in den 1950er Jahren zur Grundschule ging, gab es noch keine weiblichen Lehrer. „Damals war die Textorschule noch stark vom Krieg beschädigt“, erinnert sich der 73-Jährige und reicht ein Foto von seinem ersten Schultag herum. „Da könnt ihr sehen, wie komisch wir damals aussahen“, sagt er und lacht.

„Die Textorschule war damals noch eine reine Jungenschule“, erklärt Protzmann. Nach dem Abitur sei er zwei Jahre zur Bundeswehr gegangen, bis er endlich wusste, was er beruflich tun wollte. „Geschichte studieren? Das konnte ich ohne gute Latein-Noten vergessen“, erinnert er sich. „Das große Latinum bekam ich nur, weil ich durch eine ,Ehrenrunde’ genug Jahre zusammen bekommen hatte“, gibt Protzmann zu und bringt die Kinder damit zum Lachen. Also studierte er Geografie, Geologie und Politikwissenschaften und kam dann zu einem Planungsbüro. „1989 wurde ich dann Baudezernent der Stadt Frankfurt und habe zum Beispiel organisiert, dass im Waldstadion Spiele für die Weltmeisterschaft stattfinden können“, erklärt er. „Wow“, rufen ein paar Jungen aus der zweiten Reihe. Jetzt sei er selbstständig und leite eine eigene Firma. Auch ohne Latein könne man es schließlich weit bringen, bilanziert Protzmann.

Was bedeutet Fleiß?

Auch die ehemalige hr-Moderatorin und Schriftstellerin Susanne Fröhlich hat viel zu erzählen. Ihre wichtigste Botschaft lautet: „Macht euch nicht so viel Stress.“ Mit Zuhören und guten Hausaufgaben könne man auch sehr weit kommen. Fröhlich ging Ende der 1960er Jahre in die Grundschule. „Ich war nur so ,mittel’ und wollte einfach nicht sitzen bleiben, sonst hätte ich ja noch länger bleiben müssen“, erklärt die 54-Jährige. Ihre lustige, offene Art kommt bei den Schülern gut an. „Ich habe euch mal mein Zeugnis mitgebracht, in Fleiß hatte ich oft nur eine Drei“, erzählt Fröhlich. „Was ist Fleiß?“, fragt ein Mädchen. „Früher standen im Zeugnis nicht Arbeits- und Sozialverhalten, sondern Fleiß, Aufmerksamkeit, Betragen und Ordnung. Fleiß bedeutet, viel zu arbeiten“, erklärt Fröhlich.

Ihr Abitur an der Schillerschule war „mittelmäßig“, gibt Fröhlich offen zu, „nicht so schlecht, dass sich meine Eltern schämen mussten, aber auch nicht so gut, dass sie damit angeben konnten. Dann habe ich zwei Jahre Jura studiert, bis das zu langweilig wurde und ich mich fragte, wo meine Stärken liegen“, erinnert sie sich. Ihr Vater habe gemeint, sie könne gut reden. „Also ging ich zur Zeitung und später zum Radiosender hr3 und blieb dort über 20 Jahre“, erzählt sie. Mittlerweile ist sie eine erfolgreiche Schriftstellerin und schrieb bereits 25 Bücher.

„Ich will auch Autorin werden“, sagt plötzlich ein Mädchen aus der ersten Reihe. „Dann kannst du das auch. Ihr könnt alles werden, was ihr wollt, wenn ihr euch anstrengt. Wir beide sehen uns dann bald auf der Buchmesse“, bestärkt sie Fröhlich.

„Gebt nicht sofort auf“

Die Krankenschwester Ute Dürsch (52) erzählt, dass sie Angst vor ihrem Mathelehrer hatte. „Ich fand es immer schlimm, an die Tafel gehen zu müssen.“ In der Oberstufe an der Schillerschule habe ihr dagegen das Fach Physik gefallen, was sie zuvor gehasst hatte. Sie rät: „Probiert alles aus und gebt nicht sofort auf.“

Angst vor der Schule hatte auch die Psychotherapeutin Emily Frankenberg: „Also dachte ich mir, ich werde Expertin für Angst“, erzählt die 33-Jährige. „Ich bin Halb-Amerikanerin, deshalb zogen wir nach der zweiten Klasse nach Boston. Da hatte ich Furcht vor der neuen Klasse, wurde aber nett empfangen“, erinnert sie sich. Jetzt helfe sie anderen, Ängste zu überwinden.

Der letzte Gast ist der 27-Jährige Max Sedlack, der im Jahr 1997 eingeschult worden war. „Ich war nicht der beste Schüler und hatte sogar eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Aber jetzt werde ich Banker“, erklärt der Student der Betriebswirtschaftslehre. Er sagt: „Das Wichtigste ist, Spaß zu haben, denn die Note der 4. Klasse bestimmt nicht euer gesamtes Leben.“

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