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Sanierung der Städtischen Bühnen: Ehemaliger Baudezernent: 150 statt 800 Millionen Euro ausreichend

Von Mehr als 800 Millionen Euro soll die Sanierung der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz laut einer Machbarkeitsstudie kosten. Der frühere Frankfurter Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf hält diese Summe für völlig überzogen. Seiner Ansicht nach lässt sich das Gebäude für deutlich weniger Geld im laufenden Betrieb instand setzen.
Der Raum unter der Opernbühne ist völlig zugestellt. Unter anderem deshalb haben die Bühnen mehr Platzbedarf angemeldet. Der Raum unter der Opernbühne ist völlig zugestellt. Unter anderem deshalb haben die Bühnen mehr Platzbedarf angemeldet.
Frankfurt. 

Mit komplizierten Bauprojekten kennt sich Hans-Erhard Haverkampf aus. Der ehemalige Sozialdemokrat war unter anderem für den Bau des Bundeskanzleramts und des Holocaust-Denkmals in Berlin verantwortlich. Auch die Städtischen Bühnen in Frankfurt sind ihm vertraut. In seine Amtszeit als Frankfurter Baudezernent (1977 – 1989) fiel unter anderem der Wiederaufbau der Oper nach dem schweren Brand. Jetzt hat sich der 77 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler, der seit einigen Jahren wieder in Frankfurt lebt, in die Debatte um die Sanierung der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz eingeschaltet. Aus „Engagement für Frankfurt“, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, habe er sich intensiv mit der von der Stadt in Auftrag gegeben Machbarkeitsstudie befasst und eine 33 Seiten starke Stellungnahme verfasst, die er Magistratsmitgliedern zukommen ließ.

Hans-Erhard Haverkampf (77) gehörte von 1975 bis 1989 dem Magistrat an, zunächst als Planungsdezernent, ab 1977 war er Baudezernent. Bild-Zoom Foto: Martin Weis
Hans-Erhard Haverkampf (77) gehörte von 1975 bis 1989 dem Magistrat an, zunächst als Planungsdezernent, ab 1977 war er Baudezernent.

Seine Quintessenz: Die in der 6,2 Millionen Euro teuren Studie genannten Sanierungskosten von fast 900 Millionen Euro hält er für völlig überzogen. Das Gutachten enthalte eine kaum versteckte Präferenz für die nur wenig teurere Neubauvariante. Seiner Einschätzung nach ist das Gebäude keineswegs so marode, dass es nicht für einen deutlich geringeren Betrag saniert werden könnte – und zwar während des laufenden Betriebs. Er schätzt den Aufwand auf maximal 150 Millionen Euro. Addiert man – wie in der Machbarkeitsstudie – zu dieser Summe 30 Prozent Risikozuschlag und rund 20 Prozent Baukostensteigerung, kommt man auf 234 Millionen Euro und damit auf weniger als ein Drittel des veranschlagten Betrags.

Möglich ist das nach Ansicht von Haverkampf deshalb, weil sich in der gesamten Studie kein Hinweis finde, dass die Statik des Gebäudes nicht mehr tragfähig ist. Ost- und Westflügel müssten keineswegs abgerissen werden, wie es die Gutachter empfehlen. Der frühere Baudezernent warnt sogar davor, weil dadurch die darunter verlaufende U-Bahn gefährdet werden könnte. Wenig Verständnis hat Haverkampf für die geplante Ausweitung der Nutzfläche um 8600 Quadratmeter. Das bedeute die Aufstockung des Gebäudes um ungefähr ein Geschoss. „Früher haben wir im Magistrat ein Raumprogramm beschlossen und danach wurde geplant.“ Jetzt aber seien die Anforderungen nur zwischen dem Hochbauamt und den Bühnen ausgehandelt worden. Statt einer Aufstockung hält es Haverkampf für sinnvoller, Büros in umliegende Gebäude zu verlagern. Geeignet wäre zum Beispiel das derzeit von der Nassauischen Heimstätte genutzte Haus neben dem Jüdischen Museum. Die externen Probebühnen müssten zudem nicht in die Bühnenanlage verlagert werden.

Gegen ein Hochhaus

Das von den Gutachtern vorgeschlagene 96 Meter hohe Hochhaus an der Südwestecke der Bühnen ist laut Haverkampf „nicht genehmigungsfähig“. Er schlägt als Alternative vor, die Gebäudetechnik in der Theater-Tiefgarage unter der Wallanlage unterzubringen. Dafür würde allerdings rund ein Drittel der Stellplätze entfallen, was Haverkampf aber für verkraftbar hält.

Bilderstrecke Theater, Alte Oper, Opernbrand: Historische Bilder Frankfurter Bühnen
Seit einem Jahr wird in Frankfurt über die <a href="http://www.fnp.de/2639731">Zukunft der maroden Städtischen Bühnenanlage</a> diskutiert. Die renommierten Bühnen bedürfen dringend einer Sanierung, soviel scheint klar. Auch von einem Neubau war die Rede - ein Kahlschlag im Zeichen der Kultur? 

<br><br>Wir nehmen das zum Anlass für eine Zeitreise und zeigen historische Aufnahmen von Frankfurts Schauspielhaus vor seiner Zerstörung, Fotos von der Alten Oper nach dem Krieg sowie Bilder vom Opernbrand von 1987.In all seiner Pracht: Diese Aufnahme aus dem Jahr 1929 zeigt das Frankfurter Schauspielhaus mit seiner Jugendstilfassade von 1902, davor das Bismarckdenkmal.1782 eröffnete das erste Schauspielhaus Frankfurts. Das "Comoedienhaus" stand seinerzeit am heutigen Rathenauplatz.

Als erster Schritt ist seiner Ansicht nach die Reparatur des undichten Dachs nötig, damit die Gebäudesubstanz nicht geschädigt wird. Dann müsse eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Hochbauamts und der Bühnen sowie externen Baufachleuten gebildet werden, um den weiteren Ablauf der Sanierung zu koordinieren.

„Nicht auf letztem Stand“

Ob der Magistrat Haverkampfs Anregungen folgt, ist offen. Derzeit laufen noch Gespräche über das weitere Vorgehen. „Wir brauchen Leute mit seiner Erfahrung“, lobt Baudezernent Jan Schneider (CDU) das Engagement seines Vorgängers. „Er macht etwas, das wir uns auch vorgenommen haben und äußert Ideen, über die man sich Gedanken machen kann.“ Allerdings sei er nicht bei allen Themen auf dem letzten Informationsstand, einige seiner Anregungen seien sicher nicht so einfach umzusetzen.

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Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, sie freue sich über jeden konstruktiven Vorschlag. Die Stellungnahme Haverkampfs wollte sie aber nicht bewerten. Es liege ihr fern, an der grundsätzlichen Seriosität der Machbarkeitsstudie zu zweifeln.

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