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Mahnmale des Ersten Weltkriegs: Ehre für 14 000 gefallene Frankfurter

Von In den Straßen gibt es noch Spuren des Ersten Weltkriegs, allerdings nur wenige. Mehr als 20 Denkmale im öffentlichen Raum erinnern an die Nazi-Barbarei, nur sieben an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Erinnerung an das große Drama zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ist in den vergangenen Jahrzehnten verblasst.
Die Plastik „Krieg“ von 1928 steht im Brüningpark in Höchst. Bilder > Die Plastik „Krieg“ von 1928 steht im Brüningpark in Höchst.
Frankfurt. 

Auch wenn sein Ausbruch 100 Jahre her ist und die Zeit Wunden heilt: Der Erste Weltkrieg hat tief in die Familien eingegriffen. Schätzungsweise 14 000 Frankfurter sind in den Schützengräben geblieben oder wurden vermisst. Ihre Witwen und Kinder erlebten oft Jahre bitterer Armut im besiegten Deutschland.

In den 1920er Jahren wurden in vielen Städten und Gemeinden Denkmale errichtet, die an die Gefallenen erinnern sollten. Oft waren es die ehemaligen Kameraden der Gefallenen, die, nach Hause zurückgekehrt, Kriegervereine bildeten und das Geld für die Denkmale sammelten. Dort waren wenigstens die Namen der Gefallenen eingemeißelt.

 

Friedhöfe und Kirchen

 

In Kirchen und auf Friedhöfen gibt es noch viele Denkmäler und Gedenktafeln, die an den Ersten Weltkrieg erinnern, meist später erweitert um eine Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Auch im öffentlichen Raum ist der Erste Weltkrieg mit Denkmalen präsent – auch wenn man lernen muss, sie zu erkennen.

„Der Krieg“ ist eine expressionistische Bronzeskulptur des Höchster Künstlers Richard Biringer (1877–1947) aus dem Jahr 1928. Sie wurde 1982 neu gegossen und steht im Brüningpark in Höchst.

Das Husaren-Denkmal von 1925 ist den Gefallenen des königlich preußischen Husaren-Regiment 13 gewidmet, das von 1875 bis 1902 in Frankfurt stationiert war. Das Denkmal steht in der Senckenberganlage.

Das Ehrenmal der 63er in der Taunusanlage erinnert an die gefallenen Frankfurter aus dem zweiten Nassauischen Feldartillerie-Regiment 63. Es entstand 1938 nach einem Entwurf des Künstlers Harold Winter.

Ein zwölf Meter langes, liegendes Mal aus Basalt erinnert auf dem Friedhof Griesheim an die Gefallenen. Das Denkmal wurde 1929 errichtet.

Die Figur auf dem Kriegerdenkmal in Schwanheim (Martin-Henrich-Anlage) wurde in den 60er Jahren von Georg Krämer neu geschaffen, nachdem das Original im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden war. Die Anlage wurde nach dem Erschaffer des Ehrenmals (1926) benannt, dem Griesheimer Bildhauer Martin Henrich.

Das Ehrenmal für die gefallenen Seckbacher des Ersten Weltkriegs wurde 1930 auf dem gerade geschaffenen Lohrpark errichtet. Auf 15 Metalltafeln stehen die Namen der 125 Gefallenen, eine 16. Tafel erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.

In der Gallus-Anlage steht das älteste Frankfurter Denkmal, das an den Ersten Weltkrieg erinnert. Das „Opfer-Mahnmal“ wurde bereits 1920 errichtet. Die Figur der trauernden Mutter hat der Bildhauer Benno Elkan schon vor dem Krieg erschaffen. Da Elkan Jude war, sollte das Monument in der NS-Zeit zerstört werden. Es erhielt sich jedoch in einem städtischen Bauhof und wurde 1946 wieder aufgestellt.

Ein Sonderfall bei Frankfurts Kriegerdenkmälern ist das Denkmal in der Georg-Esser-Anlage in Eckenheim. Bis vor kurzem noch sollte es abgerissen werden, inzwischen glaubt man seitens der Stadt, das Monument vergleichsweise günstig erhalten zu können. Die 10 000 Euro, die das Kulturdezernat für einen Abriss zur Verfügung gestellt hätte, können auch für notwendige Erhaltungsarbeiten eingesetzt werden.

Das stelenförmige Denkmal steht in der Mitte des alten Eckenheimer Friedhofs, inzwischen städtisches Gelände. Auf der oberen Mitte des Denkmals ist ein steinernes Ehren-Kreuz in Würfelform angebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Ehrenmal durch einen Schriftzug auch den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet.

Kurt Schomburg, SPD-Ortsbeirat aus Eckenheim, ist seit Jahren für die Erhaltung des Denkmals. Oskar Pfreundschuh, der ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins Eckenheim, fordert, die Stadt solle sich stärker engagieren.

 

Denkmal wird erhalten

 

Für Kurt Porth (78) wäre der Abriss eine Schande. „Darauf waren früher die Namen mindestens 149 Gefallenen angebracht“, hat der seit Jahren in dieser Sache engagierte Eckenheimer herausgefunden. Er weiß es aus alten Standesamtsakten. „Die wurden mir freundlich zur Verfügung gestellt“, sagt Porth. In den Akten sind alle Eckenheimer vermerkt, die als verstorben eingetragen wurden, zusammen mit einem „S“, wenn es sich um Soldaten handelt. Porth glaubt jedoch, dass einige Namen in den Standesamtsbüchern fehlen: Schwiegersöhne, die andernorts geboren wurden, könnten in Eckenheims Amt unbekannt geblieben sein.

Auf dem Denkmal fehlen hingegen Vermisste. Dabei gab es mindestens so viele Vermisste wie Gefallene, und die wenigsten von ihnen kehrten lebendig zurück. Überschlägig gerechnet also 300 Männer von 18 bis 47 Jahren verloren ihr Leben in diesem Ersten Weltkrieg, alleine aus dem kleinen Eckenheim, das damals etwa 4000 Einwohner gehabt hatte.

„Das Denkmal wurde bezahlt von angesehenen Eckenheimer Familien.“ Seine Familie, Porth, der in Eckenheim eine Straße gewidmet ist, gehörte auch dazu. „Trotzdem habe ich kein persönliches Interesse am Denkmal“, berichtet der Rentner. „Mein Großvater war im Krieg, aber er galt als vermisst. Deswegen hat sein Name nicht darauf gestanden.“

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