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Kinderkirchentag der evangelischen Gemeinden: Ein Blick in Martin Luthers Zeit

Von Beim evangelischen Kinderkirchentag im Frankfurter Norden erfuhren über hundert Kinder eine Menge über die Zeit Martin Luthers. Sie lernten, wie man im 16. Jahrhundert Spielzeug, Salben und Kerzen machte, backten Brötchen nach jahrhundertealtem Rezept und erfuhren auch noch allerhand spannende Fakten über den Vater der Reformation.
Gemeindepädagogin Gaby Deibert-Dam erklärt den Kindern, was es in der Schreibwerkstatt zu tun gibt. Bilder > Foto: L.Hamerski Gemeindepädagogin Gaby Deibert-Dam erklärt den Kindern, was es in der Schreibwerkstatt zu tun gibt.
Preungesheim. 

Das hätte sich Martin Luther sicherlich nicht so vorgestellt: Fast 500 Jahre nach Veröffentlichung seiner 95 Thesen, die zur Kirchenreformation führten, ist sein Name in aller Munde, ganze Veranstaltungen stehen unter dem Motto seiner Zeit und seines Schaffens. So auch der Kinderkirchentag, der am Samstag über 100 Kinder aus dem Norden Frankfurts in die Kreuzgemeinde lockte. Auf dem Programm standen neben mittelalterlichem Markttreiben mit Spielestationen auch allerlei handwerkliche Workshops, die die Fünf- bis 13-Jährigen 500 Jahre zurück versetzten.

„Der Kinderkirchentag richtet sich hauptsächlich an die Kinder, die auch regelmäßig die Kindergottesdienste der evangelischen Gemeinden hier im Norden der Stadt besuchen“, erklärt Gemeindepädagogin Gaby Deibert-Dam. „Das bedeutet aber nicht, dass er nicht auch für ihre Freunde und Nachbarskinder anderer Religionen offen steht“, sagt sie und freut sich über ein gutes Dutzend Teilnehmer mehr, als angemeldet waren. Das sorgte zwar anfangs für etwas Stress bei den rund 40 Helfern, zeigte aber gleichzeitig, wie gut sich die Veranstaltung in ihrem dritten Jahr bereits etabliert hat.

Zeitreise

Für den Vormittag hatte die Gemeindepädagogin mit ihren Mitorganisatoren und Helfern rund zehn Workshop-Stationen unter Pavillons aufgebaut, wo die Kinder und Jugendlichen einen handwerklichen Blick in die Zeit Luthers werfen konnten: „Für viele Kinder ist gerade das immer wieder eine spannende Erfahrung“, sagt Deibert-Dam, die weiß, dass vielen ihrer Schützlinge gar nicht klar ist, dass man nicht alles im Supermarkt kaufen konnte. „Ob Kerzen, Lebensmittel, Salben oder Spielsachen, all das musste man zu Luthers Zeiten eben selbst herstellen.“

Die Vorstellung wie das ausgesehen haben mag, bekommen Julia (8) und Nicole (13) etwa an der Filzstation, wo aus Tennisbällen, Schafswolle und Seifenwasser bunte Spielbälle entstehen. „Wir haben die Bälle erst aufgeschnitten und mit Steinchen gefüllt, damit sie auch schön rasseln“, erklärt Nicole die ersten Schritte der kleinen Spielzeugmanufaktur: „Danach werden die Bälle mit Schafswolle umwickelt und im Seifenwasser fest gedrückt.“ In verschiedenen Schichten und Farben sind schon die ersten Kunstwerke entstanden, die nun auf der Heizung zum Trocknen liegen. „Ähnlich muss das auch früher gegangen sein, eben nur schwieriger, weil dort keine Tennisbälle als Basis genutzt wurden“, sagt Enke Gollub, die als Ehrenamtliche die Kinder beim Basteln an der Filzstation unterstützt.

Workshops

Einige Meter weiter unter dem Pavillon vor der Bühne sitzen der elfjährige Marcus und der drei Jahre jüngere Jan, die gerade dabei sind, vorsichtig vorgezeichnete Wappenschilder aus dünnen Holzbrettern auszusägen. „Die bedrucken wir, wenn sie fertig sind mit dem Zeichen von Martin Luther“, erklärt Marcus, als er beginnt, die Zacken an der Oberseite seines Wappens fein auszuschmirgeln. Unterstützt wird er dabei von einigen Ehrenamtlichen vom Evangelischen Jugendwerk (EJW), etwa der 15-jährigen Conny, die aufpasst, dass sich keiner verletzt und bei lahm gewordenen Armen auch gerne einmal die Arbeit mit der Laubsäge übernimmt: „Bislang gab es keine Verletzten“, erzählt sie schmunzelnd: „Wenn man von den Laubsägen absieht zumindest.“

Das EJW ist in diesem Jahr zum ersten Mal als Partner des Kinderkirchentags mit im Boot. Jugendreferent Hans-Conrad Blendermann ist vom Resultat jedoch schon nach wenigen Stunden vollends begeistert: „Wir haben bei der gemeinsamen Planung einfach all unsere Stärken zusammengeworfen“, erzählt er und freut sich, dass dabei so ein vielseitiges Programm herausgekommen ist: „In der Kita-Küche wird gerade Brot nach altem Rezept gebacken, dass es zum Mittagessen gibt“, verrät Blendermann und wirft sich eine Mönchskutte über: Mit einem Ein-Mann-Theaterstück als Martin Luther leistet er nämlich auch einen persönlichen Beitrag zur Vielfältigkeit des Tages.

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