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Evangelische Familienbildung: Ein Engel für helfende Hände

Um Familien nach der Geburt zu entlasten, wurde 2002 in Hamburg das ehrenamtliche Projekt „Wellcome-Engel“ der evangelischen Familienbildung gegründet. Auch in Frankfurt werden „Engel“ losgeschickt, doch die Warteliste ist lang.
Iris Meyer, Ursula Neff-Rüffer und Linde Rehberger-Brehm (von links) blättern die Anfragen durch. Die Wartelisten sind lang beim „Wellcome-Engel“-Projekt. Foto: Maik Reuß Iris Meyer, Ursula Neff-Rüffer und Linde Rehberger-Brehm (von links) blättern die Anfragen durch. Die Wartelisten sind lang beim „Wellcome-Engel“-Projekt.
Frankfurt. 

Das Neugeborene muss gestillt werden, während der Bruder schreit und das Essen auf der Herdplatte allmählich verbrennt. So oder ähnlich sieht der Alltag für alleinerziehende Mütter und junge Familien ohne Unterstützung aus. Eltern bräuchten manchmal eben mehr als zwei Arme. Benötigen Mütter mal eine Verschnaufpause, kommen die „Wellcome-Engel“ zum Einsatz und begleiten sie zum Arzt oder gehen mit den Kindern auf den Spielplatz. Ursula Neff-Rüffer (68) und Linde Rehberger-Brehm (68) sind seit 2014 als Ehrenamtliche bei dem Projekt der evangelischen Familienbildung Frankfurt dabei. „Wir sind dafür da, damit die Mütter mal ein Bad nehmen oder in Ruhe einkaufen können“, erklärt Neff-Rüffer.

Zwei Ansprechpartner gibt es

Es sind die ersten Monate mit Baby, die das durchorganisierte, das eingespielte Familienleben auf den Kopf stellen. Mit helfenden Händen stehen die „Wellcome-Engel“ Mutter und Vater zur Seite.

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Vertrauen muss da sein

Denn heutzutage sei es nicht mehr selbstverständlich, dass Eltern oder Großeltern um die Ecke leben. „Wir können zwar nur eine kleine Entlastung anbieten, aber für die Familien ist das sehr wertvoll“, betont Rehberger-Brehm. Auch wenn beide Frauen selbst keine Kinder haben, fehle es ihnen nicht an Erfahrung. „Ich habe angeheiratete Enkelkinder“, erzählt Rehberger-Brehm. „Aber das Vertrauen muss trotzdem da sein“, ergänzt Neff-Rüffer. Und das sei bei ihren Familien der Fall. „Eine Mutter bekam innerhalb von drei Jahren schon das dritte Kind. Da war ich oft im Krankenhaus dabei“, erzählt Neff-Rüffer. Dafür habe die Familie sogar sie mal im Krankenhaus besucht.

„Zu uns kommen vor allem alleinerziehende Mütter oder Mehrlingsfamilien“, erzählt Iris Meyer, „Wellcome“-Koordinatorin für Frankfurt-West. Nach der ersten Kontaktaufnahme sucht sie einen geeigneten „Engel“ für die Familie, der sich bis zu drei Mal die Woche für ein paar Stunden um das Kind kümmern kann. „Es muss aber gegenseitig passen. Die Ehrenamtlichen sollen sich ja auch wohl fühlen und Spaß haben“, betont die Koordinatorin. Falls es zwischen Familien und „Wellcome-Engel“ nicht passt, sei Meyer jederzeit ansprechbar. Auch wenn es um eine Pause wegen Krankheit oder Urlaub gehe. „Voraussichtlich bleiben die Ehrenamtlichen etwa drei Monate in der Familie, bei Bedarf auch etwas länger“, erklärt Meyer. Ein ganzes Jahr stehe allerdings nicht zur Frage, da sonst andere Familien zu kurz kämen.

Lange Warteliste

Denn die Warteliste für Familien ist lang, weshalb die evangelische Einrichtung nach Dringlichkeit vermittelt. „In Höchst sind derzeit vier Familien auf der Warteliste, in Sachsenhausen sogar noch mehr“, betont Meyer. Insgesamt helfen in Sachsenhausen derzeit zehn „Engel“, in Höchst sogar nur sechs. „Eigentlich bräuchten wir mindestens vier weitere in Höchst, da es immer mehr Familien als Ehrenamtliche gibt“, erklärt Meyer. Pädagogische Voraussetzungen bräuchten die Helfer allerdings nicht. „Solange sie volljährig und offen sind freuen wir uns über jeden, der junge Familien unterstützen will“, betont die Koordinatorin. Der Rest ergebe sich von selbst. Und die „Engel“ kommen gut bei den Kindern an. „Das älteste Kind ist sofort eifersüchtig, wenn ich mich nur um die Kleinste kümmere“, erzählt Neff-Rüffer lächelnd. Die Freude der Eltern und der Kinder motiviere sie, weiter zu machen. „Genau wie das Vertrauen, für das man dankbar sein kann“, ergänzt Rehberger-Brehm. Für sie bedeute es bereits viel, wenn die Mutter ihr das Kind in den Arm gibt. „Diese Aufgabe tut uns und den Familien gut und darum geht es“, betont sie. Die Idee der „Wellcome-Engel“ entstand im Jahr 2002 als Projekt der evangelischen Familienbildung in Hamburg. Initiatorin Rose Volz-Schmidt erinnerte sich an ihre eigene Situation, auch sie hatte es als junge Mutter damals nicht einfach. Mit der Zeit baute sie ein bundesweites Netzwerk mit über 3000 Ehrenamtlichen auf – Frankfurt gehört als Standort Nord und Süd seit 2010 und als Standort West seit 2014 dazu. Die Familien bezahlen zehn Euro Vermittlungsgebühr und jeweils fünf Euro die Stunde – die „Engel“ helfen ehrenamtlich, können sich dafür kostenlos fortbilden und bekommen die Fahrtkosten erstattet.

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