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Juden in Frankfurt: Ein Hoch auf Israel

Von Jährlich feiern Juden in Frankfurt den Staat Israel mit einem Fest und präsentieren sich dabei fröhlich in der Stadt. So auch gestern, als mehrere Hundert Gäste und Besucher koscheres Essen probieren und jüdische Tänze tanzen konnten. Die Stimmung der Juden in Frankfurt ist besser als vor einem Jahr, als der Gaza-Krieg bevorstand. Doch antisemitische Ressentiments können Juden noch jeden Tag spüren. Das Fest feierten sie jedoch unbeschwert gemeinsam mit den Frankfurtern auf der Hauptwache.
Es darf getanzt werden: Roman Kuperschmidt und Band spielten auf, seine Tanzgruppe animierte die Besucher zum Mitmachen. Bilder > Foto: Christian Christes (www.chrischristes.de) Es darf getanzt werden: Roman Kuperschmidt und Band spielten auf, seine Tanzgruppe animierte die Besucher zum Mitmachen.
Frankfurt. 

Für Sacha Stawski, den Vorsitzenden des Vereins „I Like Israel“ (ILI), ist klar: „Die Juden gehören zu Frankfurt.“ Doch ebenso klar sei: Israel ist bedroht. „Israel braucht Freunde. Deswegen ist das Jubiläum, dass vor genau 50 Jahren die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel aufgenommen worden ist, Schwerpunkt des diesjährigen Israel-Tages.“ Auf der Hauptwache feierten gestern Juden und Nichtjuden gemeinsam den Staat im Nahen Osten, der vor 67 Jahren gegründet wurde. Veranstalter waren die Vereine ILI und Akim Deutschland, der Hilfe für geistig behinderte Menschen in Israel leistet.

 

Musik und Stände

 

Anlass für die Zusammenkunft in der Innenstadt war der Israel-Tag, der in der Mainmetropole seit vielen Jahren gefeiert wird. Da ließen es sich auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), Kirchendezernent Uwe Becker (CDU), der Zauberkünstler Marvin Seib sowie die Schauspielerin Rebecca Siemoneit-nicht nehmen, an die Hauptwache zu kommen. Roman Kuperschmidt spielte mit seiner Band jüdische Weisen auf der kleinen Bühne, eine Tanzgruppe tanzte vor der Bühne, und immer wieder forderte Sacha Stawski die Besucher mit dem Mikrofon auf mitzutanzen. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran. Es war ein ausgelassenes kleines Fest, geschmückt mit Israel-Fahnen.

Israel Tag an der Hauptwache +++ Alex B. (26)
Denken Sie, dass Israel bedroht wird?

Stephan Fichtner (24) von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sieht Israel durchaus global bedroht.

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Mitveranstalter Imrich Donath, Vorsitzender von Akim Deutschland, fand die Aufmerksamkeit des Publikums, als er eine Talkrunde mit Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer und Matthias Thoma, Direktor des Eintracht-Museums, moderierte. Die Eintracht hat eine lange Reihe jüdischer Funktionäre sowie Spieler und galt früher als „jüdischer Verein“. Thoma hat diese jüdische Geschichte der Eintracht publiziert.

Viele jüdische Vereine und Organisationen präsentierten sich mit kleinen Ständen. So etwa die Kurdistan-Israel Friendship Association (Kifa). Deren Vorsitzender Kardox Can Kurdo sagte: „Kurden und Juden haben vieles gemeinsam.“ So seien auch die Juden lange ohne eigenen Staat gewesen. Beide Völker seien multikulturell, und Abraham stamme aus Kurdistan.

Auch das Kinder- und Jugendhaus Eckenheim, der Sportverein von Eintracht Frankfurt und die jüdische Lichtigfeld-Schule waren mit Ständen vertreten. Anzutreffen waren außerdem viele Hilfsorganisationen jüdischer Herkunft wie Keren Hayesod Deutschland, ein Verein, der seit 1920 Projekte im späteren Israel unterstützt.

Verschiedene Aussteller an den Ständen äußerten jedoch Befürchtungen, was die Sicherheit von Juden in Frankfurt angeht. Der Gaza-Krieg im vergangenen Jahr hat Wunden geschlagen, die noch immer schmerzen. „Damals hörte man Sätze wie ,Juden raus’. Das war ganz schlimm“, sagte Keren (59). „Es müsste viel besser kontrolliert werden, was mit den Steuergeldern geschieht, die aus Europa und den USA nach Palästina gehen.“ Simon Soesan, ein Delegierter der Vereinigten Israel-Aktion, kritisierte: „Ich sehe hier beim Israel-Tag keine Polizei. Ich fühle mich nicht sicher.“ Sebastian vom Stand der Pro-Zionistischen Linken glaubte: „Auch in Frankfurt fühlt man sich unwohl, wenn man als Jude erkannt wird.“ Viele seiner Bekannten trügen deswegen eine Mütze über der Kippa.

Für Oberbürgermeister Peter Feldmann ebenso wie für den Kirchendezernenten Uwe Becker ist die Solidarität mit Israel keine Frage, ebenso wenig die Präsenz des jüdischen Lebens in der Stadt. Becker sagte gestern am Rande der Veranstaltung: „Ich selbst habe vor drei Jahren vorgeschlagen, dass Frankfurt einen deutsch-israelischen Freundschaftstag ausruft.“ Vorgestern war der Tag zum dritten Mal begangen worden. „In Frankfurt gibt es eine großartige jüdische Tradition und Geschichte. Heute müssen wir uns noch immer der Geschichte der Nationalsozialisten bewusst sein.“ Zudem sei Israel der einzige Staat im Nahen Osten, der nach einer westlichen Werteordnung funktioniere: „Es ist die einzige Demokratie.“

 

Fest verankert

 

Um so wichtiger ist es für Imrich Donath, Mitveranstalter des Israel-Tages, Flagge zu zeigen: „Wir gehören zu Frankfurt und wollen uns nicht verstecken, sondern in der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte er. Dies machen er und Stawski bereits seit dem Jahr 2000, als der erste Israel-Tag stattfand. Seitdem gibt es jährlich in vielen Städten Deutschlands eine öffentliche, fröhliche Feier zum Geburtstag des Staats der Juden, der am 14. Mai 1948 von David Ben Gurion proklamiert wurde. Die jüdische Gemeinde feiere die Staatsgründung Israels ebenfalls, allerdings nicht öffentlich. „Trotzdem haben wir viel Unterstützung aus der Gemeinde“, versicherte Donath. Unter anderem durch die Rabbiner: Julien C. Soussan sprach das Gebet, Andy Steimann entzündete Kerzen für Israel.

7161 Mitglieder zählt Frankfurts Jüdische Gemeinde gegenwärtig. Damit gehört sie zu den vier größten in Deutschland. Ein Gemeindezentrum mit Restaurant, zwei Kindergärten, eine Schule, ein Altenzentrum, zahlreiche Sozialdienste und Angebote für Senioren zählen zu ihren Angeboten. Kulturell ist die Jüdische Gemeinde fest in der Stadt Frankfurt verankert.

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