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Ein Koffer für die Streitschlichter

Von Neun Schüler der Weißfrauenschule wurden zu Streitschlichtern ausgebildet. Sie helfen Mitschülern dabei, Konflikte respektvoll und lösungsorientiert zu beenden. Mitglieder der Frankfurter Mediationszentrale überreichten ihnen jetzt einen Koffer, dessen Inhalt die Schüler bei den Aufgaben einsetzen können.
Die frischgebackenen Streitschlichter der Weißfrauenschule freuen sich über den neuen Koffer voller Arbeitsmaterialien. Und im Hintergrund strahlen die Ideengeber und „Ausbilder“ Emilia von Senger, Hans-Werner Nordhues, Julia Schweitzer und Andreas Burau (von links). Foto: Christian Christes Die frischgebackenen Streitschlichter der Weißfrauenschule freuen sich über den neuen Koffer voller Arbeitsmaterialien. Und im Hintergrund strahlen die Ideengeber und „Ausbilder“ Emilia von Senger, Hans-Werner Nordhues, Julia Schweitzer und Andreas Burau (von links).
Bahnhofsviertel. 

Einander zuhören, sich Zeit geben und nett zueinander sein – so lauten drei wichtige Regeln, nach denen Meriem (13), Amelie (11) und David (14) von der Weißfrauenschule Streit zwischen Mitschülern schlichten wollen. Die drei Schüler machen mit bei der Streitschlichter-Arbeitsgemeinschaft (AG), die Emilia von Senger initiierte und leitet. Insgesamt neun Mädchen und Jungen der Förderschule für Sprachheilförderung engagieren sich in der AG und wurden über sechs Monate auf ihre Aufgaben als Mediatoren vorbereitet.

Unterstützt wurden sie auch von Julia Schweitzer, Fachanwältin für Arbeitsrecht, und Bauingenieur Hans-Werner Nordhues von der Frankfurter Mediationszentrale, die es seit 2013 gibt. Beide sind ausgebildete Wirtschaftsmediatoren und wissen daher genau, wie ein Streitfall zu schlichten ist. „Ich habe sie angeschrieben und gefragt, ob sie den Schülern etwas über den Beruf des Mediators und dessen Aufgaben erzählen können“, schildert Emilia von Senger. Dass dies nämlich ein „echter“ Beruf ist, sei den Kindern nicht klar gewesen. Schweitzer und Nordhues kamen in die Schule und sprachen mit dem Nachwuchs über die Aufgaben und Funktion des Mediators (wir berichteten). Jetzt stand ein weiterer Besuch an. Zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Burau, der hauptberuflich im Marketing arbeitet und ebenfalls ausgebildeter Wirtschaftsmediator ist, haben die Profis ein großes Geschenk mitgebracht. Und das können die Mädchen und Jungen für ihre Aufgaben als Streitschlichter gut gebrauchen: Es ist ein Koffer voller nützlicher Dinge – etwa Karten, die zum Aufschreiben verwendet werden können, in unterschiedlichen Farben und Formaten. Außerdem Filzmarker, Klebeband, Scheren, Stecknadeln oder farbige Klebepunkte.

„Wir als Mediatoren verwenden auch solche Koffer“, erklärt Schweitzer. Sie greift einen schwarzen Filz-Marker und zeigt den Kindern, wie sie damit einen Konflikt verbildlichen können. Sie malt die verschiedenen Phasen – vom Streit bis zur gemeinsam gefundenen Lösung anhand von „Emoticons“ (Smileys) auf, über die die Stimmungs- und Gefühlszustände der Streitenden ausgedrückt werden. Mitgebracht hat sie auch eine Vorlage, auf der die streitenden Parteien unter anderen mit den farbigen Klebepunkten ihre Einschätzung abgeben können, wie wahrscheinlich es ist, dass die Beteiligten sich wieder vertragen und nicht mehr streiten. Neugierig schauen die Schüler sich die Dinge im Koffer an. Erste Erfahrungen als Streitschlichter haben sie bereits gemacht.

„Sie sind seit gut fünfeinhalb Wochen im Einsatz“, erzählt Emilia von Senger. „Elf Streitfälle gab es seit dieser Zeit.“ Den Streitschlichtern steht ein Raum zur Verfügung, der direkt an den Pausenhof grenzt. Immer in Zweier-Teams sitzen sie in den großen Pausen dort und sind Ansprechpartner bei Konflikten zwischen Schülern, sorgen dafür, dass sich die Streitenden respektvoll zuhören. „Wenn es Streit gibt, dann kommen die Schüler meist ganz von alleine zu uns“, erzählt Meriem. Auslöser für Streit sei beispielsweise, „wenn jemand unfair spielt“ oder Worte, die falsch verstanden werden. „Nach ein bis zwei Wochen gibt es ein Nachgespräch mit allen Beteiligten.“ Meriem macht die Tätigkeit viel Spaß. „Ich wollte lernen, wie man einen Streit löst und anderen Kindern helfen kann“, sagt sie.

„Die Schüler nehmen das Angebot an“, sagt von Senger. Sie ist Politikwissenschaftlerin. Für zwei Jahre ist sie an der Weißfrauenschule im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder tätig, entwickelt Konzepte. Möglich macht dies die gemeinnützige Bildungsinitiative „Teach First“, über die Hochschulabsolventen aller Studienrichtungen Gelegenheit haben, sich an einer Schule zu engagieren.

„Das Streitschlichter-Projekt ist langfristig angelegt. Im kommenden Schulhalbjahr werde ich die nächste Gruppe ausbilden“, zwei Schüler werden mich unterstützen“, sagt von Senger. „Für Schüler ist es toll, wenn sie von Gleichaltrigen lernen.“ Schulleiterin Jutta Pillong fügt hinzu: „Dass die Schüler die Aufgabe übernehmen, finde ich großartig. Wir haben uns ein solches Projekt lange gewünscht.“

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