Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 24°C
27 Kommentare

Gedenktafel auf dem Hülya-Platz: Ein Mahnmal gegen blinden Hass

Neben dem antirassistischen Hammering Man-Denkmal auf dem Bockenheimer Hülya-Platz wird eine Gedenktafel eingeweiht. Sie erinnert an die neunjährige Hülya Genc, die im Jahr 1993 bei einem Brandanschlag auf ein Solinger Asylbewerberheim ums Leben kam.
Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber, Bockenheimer Stadtteilpolitiker und Mitglieder des Türkischen Volkshauses in Bockenheim weihen am Hülya-Platz eine Gedenktafel ein, die an die 9-jährige Hülya erinnert, die 1993 bei einem Brandanschlag in Solingen ums Leben kam. Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber, Bockenheimer Stadtteilpolitiker und Mitglieder des Türkischen Volkshauses in Bockenheim weihen am Hülya-Platz eine Gedenktafel ein, die an die 9-jährige Hülya erinnert, die 1993 bei einem Brandanschlag in Solingen ums Leben kam.
Bockenheim. 

Mehr als 900 Angriffe auf Flüchtlings- und Asylbewerberheime wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gezählt. Nur aufgrund von Glück kamen dabei keine Menschen ums Leben. Das war im Jahr 1993 in Solingen anders: Am 29. Mai starben fünf Menschen bei einem Brandanschlag auf ein dortiges Asylbewerberheim. Auch die erst neunjährige Hülya Genc zählt zu den Opfern.

Warnung vor Fremdenhass

Fast 24 Jahre danach bleibt die Tat von Solingen in Deutschland ein Sinnbild für und eine Warnung vor Fremdenhass. Damit dies so bleibt, trafen sich am Samstagmittag rund 70 Menschen auf dem nach der kleinen Hülya benannten Platz an der Leipziger Straße in Bockenheim, um eine Gedenktafel einzuweihen, die an das ermordete Mädchen und die vier anderen Opfer des Solinger Brandanschlags erinnert.

Mitglieder des in der nicht weit entfernten Werrastraße gelegenen Türkischen Volkshauses hatten im letzten Jahr eine Initiative für die Gedenktafel gestartet. Mit Unterstützung von Mitgliedern des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) sowie von Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber konnte die Gedenktafel auf dem Hülya-Platz installiert werden.

Selbstverständlich sei die Errichtung der Gedenktafel nicht, erklärte Mustafa Korkmaz vom türkischen Volkshaus und erinnerte an das Hin und Her um den sogenannten Hammering Man. Dieser steht nur eine Armlänge von der Gedenktafel entfernt auf dem Hülya-Platz und schlägt auf ein zertrümmertes Hakenkreuz ein.

Eine Vorgänger-Figur des Hammering Man wurde bereits im Jahr 1995 von linken Aktivisten auf dem Platz aufgestellt. Die Stadt ließ ihn zwar zwölf Jahre stehen, entfernte den ersten antifaschistischen Hammering Man dann jedoch, weil seine scharfen und verrosteten Kanten laut Aussage der Behörden eine Verletzungsgefahr darstellten.

Im Jahr 2013 stiftete eine Anwohnerin den noch heute stehenden Hammering Man. Das rief das städtische Kulturamt auf den Plan, das den Hammering Man als ein Plagiat des neben dem Messeturm stehenden Kunstwerks von Jonathan Borofsky betrachtete.

Weil das Amt mit einer Klage von Borofsky rechnete und die Darstellung des Hakenkreuzes der Stadt Bauchschmerzen bereitete, drohte erneut die Demontage des Hammering Man. Doch Künstler Borofsky verzichtete auf rechtliche Schritte.

Nun also ist das aus Hammering Man, Gedenktafel und Straßenschild bestehende Ensemble gegen Fremdenhass auf dem Hülya-Platz komplett. „Im Angesicht von galoppierendem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist es wichtig, Menschen daran zu erinnern, nicht zu schweigen und sich gegen Fremdenhass einzusetzen“, betonte Korkmaz.

Weltoffener Charakter

Aus Sicht von Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) macht der Hammering Man auch den weltoffenen Charakter von Bockenheim aus: „Die Stadt kann sagen ’,das räumen wir weg’, kurz darauf steht das Mahnmal wieder da.“ Da dies auch den Zuspruch der Anwohner und Bürger für den Hammering Man ausgedrückt habe, so Kaufmann, habe sich auch der von ihm vertretene Ortsbeirat 2 für den Verbleib des Mahnmals und auch für die Errichtung der Gedenktafel eingesetzt.

Das Podest mit der kleinen blauen Tafel soll aber auch dazu dienen, Ortsfremde auf die Bedeutung des Hammering Man und des Hülya-Platzes aufmerksam zu machen. Vor allem Hans-Jürgen Hammelmann von der Linken im Ortsbeirat 2 hatte sich wie kaum ein anderen Mitglied des Stadtteilparlaments für den Hammering Man und die Gedenktafel eingesetzt – auch wenn es aus seiner Sicht aufgrund von hundertfachen Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime keine Worte brauche. „Jenen Zeichen der Zeit ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen“, sagte Hammelmann.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse