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Für die Kinderkrebshilfe: Ein Oldtimer, der Leben rettet

Von Ein Jahr lang haben die Mitglieder des NSU RO 80-Clubs einen Oldtimer, einen 1974 gebauten RO 80, auseinandergebaut und komplett restauriert. Doch nicht einfach so: Anfang des kommenden Jahres wird das Auto zugunsten der Stiftung Kinderkrebshilfe Mainz verlost.
Christian Rink (links) und Ronald Werner zeigen den ungewöhnlichen Motor des RO 80, den NSU einst mit dem Spruch „Vorsprung durch Technik“ bewarb. Bilder > Foto: Michael Faust Christian Rink (links) und Ronald Werner zeigen den ungewöhnlichen Motor des RO 80, den NSU einst mit dem Spruch „Vorsprung durch Technik“ bewarb.
Fechenheim. 

Angenehm, leise, komfortabel. In drei Worten fasst Christian Birk zusammen, was für ihn die Faszination ausmacht, einen NSU RO 80 zu fahren. „Neben dem Wankel-Motor und anderen Merkmalen natürlich“, ergänzt Ronald Werner, Vorsitzender des NSU RO 80-Clubs, dem auch Birk angehört. Erstmals vom Band lief das Auto mit dem damals neuen Wankel-Motor im Jahr 1967, also vor 50 Jahren. Eines dieser Fahrzeuge hat der kleine RO 80-Club aufgearbeitet und für einen guten Zweck gestiftet: Für eine Verlosung zugunsten der Kinderkrebshilfe Gießen-Mainz.

Die Idee entstand bei einem der Clubabende im Mai 2014, erzählt Roland Werner. „Christian Birk schlug vor, einen alten RO 80 zu kaufen und zugunsten der Kinderkrebshilfe zu spenden. Wir waren von der Idee sofort begeistert.“ Eine Spendenbox wurde aufgestellt, die sich schnell füllte. Bald war auch ein passendes Gefährt gefunden, das Clubmitglied Christian Kegel als Spende beisteuerte. „Ein Scheunenfund, der 30 Jahre in der Lüneburger Heide eingemottet gewesen war“, sagt Werner.

Motor und Getriebe kaputt

Ein Jahr lang arbeiteten die Vereinsmitglieder das Fahrzeug gemeinsam auf, das heute einen geschätzten Wert von 14 500 Euro hat. „Motor und Getriebe waren kaputt, ebenso die Inneneinrichtung. Der Unterboden war durchgerostet“, sagt Werner. Von den 65 Vereinsmitgliedern beteiligten sich 14 an der Restaurierung des im September 1973 gebauten Autos, steckten 740 Arbeitsstunden in das Projekt. „Wir können alle etwas anderes, das hat sich gut ergänzt“, sagt Clubmitglied Thomas Müller.

Andere Clubmitglieder halfen mit Teilen aus, die sie auf Lager hatten. „Hätten wir alle Teile, die wir brauchten, erst suchen müssen, wären wir heute noch nicht fertig“, sagt Werner. Auch verschiedene Firmen halfen, die Kosten im Rahmen zu halten, indem sie kostenlos Teile wie das Getriebe überarbeiteten. Anfang 2018 verlost die Zeitschrift Oldtimer-Markt den wieder im ursprünglichen Marathon-Metallic-Lack erstrahlenden RO 80. Teilnehmen kann, wer fünf Euro an die Stiftung Kinderkrebsforschung Mainz überweist.

Den schon vorher guten Zusammenhalt im Verein habe die gemeinsame Restaurierung für den guten Zweck noch einmal gestärkt, sagt Christian Birk. „Es hat Spaß gemacht, eine Qual war es nie.“ Das die Gemeinschaft im Verein so gut sei, habe aber auch damit zu tun, dass sie die Leidenschaft für dieses ungewöhnliche Auto, den RO 80 teilen, ist Thomas Müller überzeugt. „Der RO 80 ist noch heute ein hochmodernes Auto, das sich angenehm fährt. 1967 war er seiner Zeit weit voraus“, schwärmt Thomas Müller.

Das Design lebt fort

Die heute übliche sportlich wirkende Keilform habe der RO 80 als erstes Serienauto gehabt, weiß Müller. „Der Designer Claus Luthe hat das Fahrzeug um den ungewöhnlichen Motor herum entworfen. Diese tief geneigte Motorhaube wäre mit einem klassischen Kolbenmotor so nicht möglich gewesen, er wäre viel zu groß“, sagt er. Luthe habe bei der kleinen Firma NSU viele Freiheiten gehabt. „Und das Design lebt bis heute fort, war Claus Luthe doch später Chefdesigner von BMW“, erklärt Birk.

Als der RO 80 1967 auf den Markt kam, war aber vor allem der Motor eine Sensation. Den nach ihm benannten Motor hatte Felix Wankel 1954 entwickelt, ab 1957 arbeitete er gemeinsam mit NSU daran. Nicht wenige glaubten, das Aggregat werde bald den klassischen Kolbenmotor komplett verdrängen.

Dass weder NSU noch der Wankelmotor eine große Zukunft hatten, lag zum einen am Kraftstoffverbrauch, der höher sei als beim noch heute üblichen Kolbenmotor, sagt Ronald Werner. Zum anderen fusionierte NSU 1969 mit der VW-Tochter Audi – und als VW in den 1970er-Jahren finanzielle Probleme hatte, stand auch NSU auf dem Prüfstand, so Werner. Bis 1979 wurde der RO 80 noch gebaut, der ab 1969 gebaute K 70 lief bereits als VW K 70 vom Band. 1985 wurde aus der Audi NSU Auto Union AG die Audi AG – und der Name NSU verschwand aus der Öffentlichkeit.

Details zur Verlosung

Infos gibt es im Internet unter www.oldtimer-markt.de, der RO-80-Club findet sich dort unter www.nsu-ro80-club.de

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