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Winfried Dieser: "Politik spielt mit dem Feuer": Ein Ostermarschierer erklärt, warum die Friedensbewegung wichtig ist

Von Winfried Dieser (62) arbeitet als Pastoralreferent in der Krankenhausseelsorge der Uniklinik Frankfurt. Er wird am Ostermarsch teilnehmen. FNP-Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihm über die Friedensbewegung, Rüstungsexporte und das kirchliche Alltagsgeschäfte gesprochen.
"Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit ist. Das hat mich empört. Seitdem gehe ich wieder zum Ostermarsch mit meiner Frau.“ Winfried Dieser über seine Beweggründe, für den Frieden zu demonstrieren“. Foto: Michael Faust "Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit ist. Das hat mich empört. Seitdem gehe ich wieder zum Ostermarsch mit meiner Frau.“ Winfried Dieser über seine Beweggründe, für den Frieden zu demonstrieren“.

Haben Sie eine bewegte Geschichte als Demonstrant?

WINFRIED DIESER: Ich bin schon in früheren Jahren immer wieder auf Ostermärschen gewesen. Aber auch bei Demonstrationen gegen die Startbahn West oder den großen Friedensdemos in Bonn gegen den Nachrüstungsbeschluss der damaligen Bundesregierung.

Wie kamen Sie zum Ostermarsch?

DIESER: Letztlich über die Friedensbewegung der 70er Jahre und meinen Zivildienst. Außerdem bin ich Mitglied bei Pax Christi, der christlichen Friedensbewegung.

Gibt es einen aktuellen Anlass?

DIESER: Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur weltweit ist. Das hat mich empört. Das kann man doch nicht tatenlos hinnehmen. Seitdem gehe ich wieder zum Ostermarsch mit meiner Frau.

Ostermarsch in Frankfurt Info: Sternmarsch zum Römerberg

Auch an diesem Ostermontag veranstalten die Friedensinitiativen wieder einen Ostermarsch in Frankfurt.

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Außerdem gibt es seit 2011 die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“, ein breites Bündnis kirchlicher, entwicklungs- und friedenspolitischer Gruppen und Organisationen. Es geht darum, für Frieden und gegen Krieg und Rüstungsexporte aufzustehen. Dazu gehören die Ostermärsche.

Aber es ist der kleinste Teil...

DIESER: Keineswegs, die Ostermärsche sind die bekanntesten Aktionen der Friedensbewegung. Außerdem gibt es viele lokale Aktionen vor Rüstungsbetrieben wie Krauss-Maffei, Rheinmetall und Heckler & Koch im Schwarzwald. Durch Kleinwaffen, wie sie dort produziert werden, kommen weltweit die meisten Menschen zu Tode. Auch zur Hauptversammlung der Deutschen Bank an der Frankfurter Messe gab es mehrere Aktionen verschiedener Friedens- und Umweltorganisationen.

Sind Rüstungsexporte der Hauptgrund ihres Engagements?

DIESER: Nun, Frieden ist für mich als Kirchenmensch ein grundlegendes Thema wie auch Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Da könnte und müsste die Kirche noch mehr tun – und fände in der Gesellschaft entsprechende Resonanz. Von Rom kommen ja sehr klare Signale des Papstes. Im kirchlichen Alltagsgeschäft gibt es noch etliches umzusetzen, etwa ob Rücklagen in Rüstungs- oder Kohleindustrie investiert sind. Da ließen sich deutliche Zeichen setzen, wenn die Gelder öffentlichkeitswirksam abgezogen würden.

Brauchen wir Soldaten?

DIESER: Es ist ein Skandal, dass die Bundeswehr Minderjährige anwirbt, die dann bei Auslandseinsätzen ran müssen. Vielfach wird gefordert, Deutschland müsse international mehr Verantwortung übernehmen. Was aber geschah in Afghanistan – ist es dort jetzt besser als vor dem Einsatz von Bundeswehr und anderer Streitkräfte? Was haben diese Militäreinsätze gebracht?

Es gibt aber auch Gegenbeispiele. In Somalia hatten die Amerikaner 1993 den bis dahin verlustreichsten Kampfeinsatz des US-Militärs seit dem Vietnamkrieg verzeichnet und engagierten sich deswegen nicht in Ruanda. Sie haben wie die ganze Welt einem der grässlichsten Völkermorde des 20. Jahrhunderts zugesehen, den sie vielleicht mit Militär hätten verhindern können...

DIESER: Es ist nicht einfach... Aber zurzeit finde ich, wird zu schnell militärisches Einschreiten gefordert. Wir sollen zukünftig zwei Prozent des Bruttosozialprodukts für die Bundeswehr.ausgeben.

Haben sie denn das Gefühl, dass die Ostermärsche etwas bringen?

DIESER: Ich habe den Eindruck, dass in den letzten Jahren angesichts der zunehmenden Konflikte in der Welt die Ostermärsche einen Akzent gegen die herrschende Politik setzen und damit der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung öffentlich Gehör verschaffen. Unter Kanzler Schröder wurde die Mehrheitsmeinung noch umgesetzt: Keine deutsche Beteiligung am Irakkrieg.

Wegen der derzeitigen Regierungspolitik, die wieder eher mit dem Feuer spielt, hoffe ich auf eine stärkere Beteiligung am Ostermarsch. Schon vor Jahren hat ein Kollege in der Osterpredigt die Frage gestellt: Wenn wir mit der Auferstehung an Ostern das Leben feiern, müssten wir Christen da nicht stärker auf den Ostermärschen vertreten sein?

Ihre Frau und Kinder sind auch dabei?

DIESER: Meine Frau meistens, die Söhne eher weniger.

Was sagen die denn zu ihren Eltern?

DIESER: Es ist gut, dass ihr das macht. Wir müssten eigentlich auch dabei sein. Rüstungsexporte müssen gestoppt werden. Deutsche Waffen kommen in aktuellen Kriegen und Konflikten zum Einsatz und sind so mitverantwortlich für viele Tote in der Welt.

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