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Satiriker Urban Priol im Interview: Ein Randbayer, der Ebbelwei liebt

Ebbelwei und Handkäs’, das sind urhessische Kulturgüter. Selbst hinter der Landesgrenze in Unterfranken werden sie geschätzt, wie der in Aschaffenburg geborene Satiriker Urban Priol im Interview mit Isabell Scheuplein (dpa) sagt. Er sieht sich als „Randbayer“ und genießt die Nähe zum Nachbar-Bundesland in vollen Zügen. Sprachlich sieht er sich allerdings klar im Vorteil.
„Wir näseln im Gegensatz zu den Hessen nicht permanent und können das ,r’ rollen.“ Der Kabarettist Urban Priol kennt die Unterschiede. Foto: Michael Reichel (dpa-Zentralbild) „Wir näseln im Gegensatz zu den Hessen nicht permanent und können das ,r’ rollen.“ Der Kabarettist Urban Priol kennt die Unterschiede.

Wie schlimm ist es für einen Aschaffenburger, wenn er gefragt wird, ob er Hesse ist?

URBAN PRIOL: Ach, man gewöhnt sich daran, das ist gar nicht schlimm. Wir haben ja ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Mir ist das gerade auf Tournee schon sehr oft passiert, dass ich das gefragt werde. Und die Leute sind dann natürlich völlig überrascht wenn ich sage, ich bin ein waschechter Bayer – und vor allem, wenn ich das auf Hessisch sage, ohne das „r“ am Wortende.

Wie weit wohnen Sie denn von der Landesgrenze entfernt?

PRIOL: Von Aschaffenburg nimmt man die B 8, dann kommt Kleinostheim, dann kommt Kahl und kurz dahinter ist dann schon Hessen. Das sind wohl um die 20 Kilometer; genau habe ich es nicht nachgemessen, da müsste man noch mal das Internet befragen.

Wenn das so knapp an der Grenze ist, dann sind Sie doch eigentlich Hesse, oder?

PRIOL: Das ist eine interessante Frage, damit haben sich auch schon Sprachwissenschaftler beschäftigt und haben unseren Dialekt erforscht. Dabei sind sie darauf gestoßen, dass der mit dem direkt angrenzenden Hessisch gar nicht so viel zu tun hat, wir näseln im Gegensatz zu den Hessen nicht permanent und können das „r“ rollen. Die meisten Überschneidungen haben wir mit dem Mainzer Dialekt, weil wir in finsteren Zeiten mal ein gemeinsames Bistum waren, sagen die Wissenschaftler. Ich habe mir gedacht, mein Gott, mit was sich Menschen so alles beschäftigen...

Sie wohnen also nur ein paar Kilometer entfernt von einem so wunderschönen Bundesland wie Hessen. Gibt es da nicht doch eine innere Sehnsucht, dazu zu gehören?

PRIOL: Ähm, es wäre schön, wenn wir einen guten S-Bahn-Anschluss hätten in Bayern, damit wir schneller rüberkämen. Aber der Ebbelwei schmeckt ja überall gleich. Ich fühle mich am Rande Bayerns wie ein Kosmopolit zwischen verschiedenen Bundesländern, wir haben es auch nicht weit nach Baden-Württemberg. Da ist mir Hessen allerdings schon näher. Und so als Randbayer muss ich sagen, fühle ich mich sehr gut aufgehoben, wir werden von den Bayern ja eigentlich gar nicht mehr richtig ernst genommen. Wir können also so ein bisschen wie das kleine gallische Dorf unser Unwesen treiben. Wobei ich nicht sage, dass die Hessen das feindliche römische Lager sind.

Bei Ihnen gibt’s auch Ebbelwei?

PRIOL: Ja, natürlich, der Ebbelwei ist auch bei uns Nationalgetränk.

Und den trinken Sie tatsächlich lieber als fränkischen Weißwein von der Mainschleife?

PRIOL: Mit dem fränkischen Wein stehe ich leicht auf Kriegsfuß. Da habe ich schon schlechte Erfahrung gemacht, zu viel Schwefel. Nein, also unser bayerisch-hessisches Grenzland könnte man auch als den Bembel-Belt bezeichnen, analog zum Bible-Belt in den USA, in dem dort die Evangelikalen leben.

Könnte man Sie denn am Ende auch eher mit Handkäs’ locken als mit einer Bratwurst?

PRIOL: Definitiv mit dem Handkäs’. Kulinarisch haben wir, glaube ich, sehr viel gemeinsam. Und ich freue mich auch immer, wenn wir Markt haben am Samstag und viele, viele Hessen herüber kommen zu uns.

Da trauen sich welche über die Grenze?

PRIOL: Selbstverständlich trauen die sich. Umgedreht fallen wir ja bei Euch ein, wenn wir Feiertag haben und Ihr nicht.

Aschaffenburger Wirtschaftsvertreter drohen immer mal wieder in Richtung München: Wenn es nicht mehr Geld gibt, dann orientieren wir uns dauerhaft nach Hessen. Ist das ernst gemeint?

PRIOL: Die Wirtschaft sieht sich, glaube ich, ohnehin als Teil des Rhein-Main-Gebiets. Ansonsten sind die fest im schwarzen Herzen der CSU verankert. Da würde niemals einer auf die Idee kommen, dem bayerischen Stamm die Zugehörigkeit aufzukündigen. Und da wird die bayerische Landesregierung schon genügend Geschenke machen, wie sie es ja gerne tut, mit großer Nachsicht bei Steuerprüfungen. Obwohl Hessen da ja auch Paradies gewesen ist unter Roland Koch mit den Steuerfahndern, die die Banken ausheben wollten und nicht durften. Wir haben in Aschaffenburg übrigens einen Aussichtsturm, der heißt „Teufelskanzel“, und da sieht man bei schönem Wetter die Frankfurter Bankentürme. Da lache ich jedes Mal, wenn ich dort oben bin.

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