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Ein Sprungbrett für Frauen

Von Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen oder einen Weg zurück in den Arbeitsmarkt suchen, finden seit 30 Jahren ein Sprungbrett: Der Verein „Jumpp-Frauenbetriebe“ berät und fördert sie dabei.
„Jumpp“-Geschäftsführerin Christiane Stapp-Osterod im Gespräch mit der hessischen Europaministerin Lucia Puttrich.	Foto: Menzel „Jumpp“-Geschäftsführerin Christiane Stapp-Osterod im Gespräch mit der hessischen Europaministerin Lucia Puttrich. Foto: Menzel
Bockenheim. 

Lucia Puttrich (CDU), hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, war von ihrem Besuch in der Hamburger Allee ziemlich begeistert: „Es werden in Hessen europäische Lebensläufe zum Anfassen geschrieben. Davon profitiert die ganze Gesellschaft“, sagte sie, nachdem sie sich über den Verein „Jumpp-Frauenbetriebe“ kundig gemacht hatte.

Dieser fördert und berät seit 30 Jahren vor allem Frauen, die sich selbstständig machen wollen, ein Unternehmen zu führen haben oder die nach Arbeitslosigkeit einen Weg zurück in den Beruf suchen – alleine 12 000 Existenzgründungen begleitete „Jumpp“ in dieser Zeit. Das Projekt „Pia“ macht zudem „Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt“. Und in der „Hessenweiten Leitstelle zur Unternehmensnachfolge“ bringt man Betriebe, die einen neuen Inhaber suchen, mit Menschen zusammen, die ihn übernehmen könnten.

Eigenes Geld

Ein Grund, speziell Frauen zu fördern, sei damals die Technisierung gewesen, was viele Arbeitsplätze wegfallen ließ, erklärte „Jumpp“-Geschäftsführerin Christiane Stapp-Osterod. Dazu kam die Emanzipation: „Wir wollten Frauen helfen, ihr eigenes Geld zu verdienen und ihre Existenz zu sichern.“ Weil sich die Gesellschaft veränderte, Berufsbiografien öfter Brüche erhielten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtiger wurde, passte sich „Jumpp“ an die Umstände an. Daher bot man neben Gründungsberatung auch Hilfe beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt an – ab dem Jahr 2009 auch für Männer. Diese machen heute etwa 15 Prozent der „Jumpp“-Gründer aus.

Hätten Frauen früher eher noch Gründungsideen verfolgt, „die ihnen so in den Kopf kamen“, erklärte Stapp-Osterod, geschehe dies heute verstärkt mit Blick auf die eigenen Lebensumstände, Berufserfahrung und Qualifikation sowie auf Wirtschaftlichkeit und den Ehrgeiz, sich eine Perspektive zu schaffen. „Die Selbstständigkeit hat für Frauen auch höhere Attraktivität gewonnen, weil sie flexible Arbeitszeitmodelle ermöglicht“, sagte Stapp-Osterod.

Nur ein Drittel

Obwohl die Frauenwelt viel aufgeholt hat gegenüber den Männern, zeigt sich allerdings weiterhin ein gewisses Ungleichgewicht in der Wirtschaft: So bestehe das Führungspersonal deutscher Firmen nur zu 12 Prozent aus Frauen, weiß Stapp-Osterod. Und laut dem hessischen Wirtschaftsministerium erhielten Frauen bis 2011 auch nur 81 Prozent des Männerverdienstes. Von allen hessischen Selbstständigen war demnach ein knappes Drittel weiblich, was 112 000 Betrieben entsprach. Insgesamt seien Attraktivität, Prestige und Ansehen der Selbstständigkeit in Deutschland nicht sehr ausgeprägt, meinte die „Jumpp“-Geschäftsführerin. Allerdings sieht sie auch Anzeichen für eine sukzessive Verbesserung der Situation: Gerade der Anteil weiblicher Firmengründungen sei in den vergangenen Jahren überproportional gewachsen.

Einen Anteil daran haben die „Jumpp-Frauenbetriebe“. Und dies nicht zuletzt, weil man es dort versteht, die nötigen Fördergelder nicht nur zu akquirieren, sondern auch richtig einzusetzen. Puttrich fand es „spannend“ zu sehen, wie „Jumpp“ es schaffe, „nicht nur Mittel aus einem Topf zu bekommen, sondern sie auch so zu konzentrieren, dass sie optimal einsetzbar sind“. Von 2007 bis 2013 erhielt „Jumpp“ 2,6 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds, was 40 Prozent des Vereins-Gesamtvolumens entspricht. Zusätzlich gefördert wird „Jumpp“ von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen – zu Recht, wie Puttrich meinte: „Es ist gut, wenn Frauen zum rechten Zeitpunkt zusammen kommen und etwas Gutes miteinander erschaffen“.

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