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Vielfalt und Inklusion in Heddenheim: Ein Treffpunkt für alle Kulturen

Von Ein neuer interkultureller Treff in Heddernheim will alle Bewohner im Stadtteil an einen Tisch holen. Eine besondere Zielgruppe des Frankfurter Verbands sind dabei Menschen mit Demenzerkrankung und ihre Angehörigen.
Sybille Vogl (l.) und Margot Unbescheid im Gespräch mit Humidul Khan, der das Angebot nutzte. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Sybille Vogl (l.) und Margot Unbescheid im Gespräch mit Humidul Khan, der das Angebot nutzte.
Heddernheim. 

„Ein Demenzfall in der Familie kann das ganze Leben auf den Kopf stellen.“ Margot Unbescheid, eine der Teilnehmerinnen des ersten Treffens des neuen interkulturellen Treffs im Begegnungszentrum in der Aßlarer Straße, weiß wovon sie spricht. Seit 17 Jahren unterstützt die 61-Jährige ihre Mutter bei der Betreuung des an Alzheimer erkrankten Vaters, kennt die typischen Probleme, die dabei auftreten so gut, dass sie darüber sogar ein Buch geschrieben hat. „Das Problem bei vielen Betroffenen ist, dass sich etliche Familien damit ins stille Kämmerlein zurückziehen und Schwierigkeiten haben, mit der Krankheit offen umzugehen.“

Das soll der neue Interkulturelle Treff, der nun jeden zweiten Dienstag im Monat ab 10.30 Uhr hier stattfinden soll, ändern. „Wir wollen mit der offenen Gruppe eine Plattform der Vielfalt bieten“, sagt Sybille Vogl vom Frankfurter Verband, der die Veranstaltung ins Leben gerufen hat: „Hier sollen alle die Gelegenheit haben, sich auszutauschen: Menschen mit und ohne Demenzerkrankung im Umfeld, Menschen, die auch selbst von der Krankheit betroffen sind und gerade deshalb gerne unter Leute wollen und Menschen aus den verschiedensten Kulturen“, erklärt Vogl das Konzept. „Die Veranstaltung soll für alle da sein und eine Grundlage schaffen für ein menschenfreundliches Quartier, in dem jeder seinen Platz findet.“ Zusätzlich sollen auch kurze Vorträge zu den Schwerpunktthemen angeboten werden und Hilfsinstitutionen die Möglichkeit bekommen, sich vorzustellen.

500 Allianzen bundesweit

Inspiriert wurde die Vermischung der beiden Schwerpunkte Demenz und Interkulturalität von dem Bundesprogramm „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“. Die rief im vergangenen Jahr zum wiederholten Mal dazu auf, lokale Netzwerke zu bilden und diese mit entsprechenden Programmen deutschlandweit zusammenzubringen. 500 Allianzen bundesweit wünschte sich das Programm. Der Start der Frankfurter Veranstaltung ist eine davon.

Die Frühstücksrunde, die sich gestern dazu zum ersten Mal versammelt hat, ist genau das, was sich Vogl, Unbescheid und ihre Mitstreiterinnen aus etlichen ehrenamtlichen Bereichen vorgestellt haben. Es sind Menschen aus verschiedenen Nationen gekommen, solche, die aus eigener Familienerfahrung über Demenz berichten können und solche, die interessiert dabei zuhören. Immer wieder wird Kaffee nachgegossen, beim Brunch-Buffet Nachschub verteilt. Es wird auch viel gelacht unter dem guten Dutzend Besucher.

Etwa bei den vier Damen am vorderen Kopfende: Drei davon sind Spanierinnen, die seit Jahrzehnten in Frankfurt leben, eine – Lili Creß-Keck – stammt aus Usbekistan und ist seit knapp über einem Jahrzehnt hier in Frankfurt. Die 59-Jährige betreut seit fünf Jahren ihren an Demenz erkrankten Bruder und weiß einiges über die Krankheit zu berichten: „Heute wollte ich mir den Treff erstmal allein anschauen, aber beim nächsten Mal bringe ich ihn wohl auch mit. Ich denke, es tut meinem Bruder gut, in so eine Gruppe zu kommen.“

Die nötige Praxis zum Umgang mit Menschen wie ihm ist bei Vogl und ihren Mitstreitern vorhanden. „Wir haben in den vergangenen Jahren vermehrt Veranstaltungen mit Demenzpatienten gemacht, wie den regelmäßigen Tanztreff für Menschen mit und ohne Demenz, der an jedem letzten Donnerstag im Monat hier stattfindet.“ Sie ist optimistisch, dass die Inklusion von Demenzkranken in diesem Rahmen gut funktioniert, zumal sie ganz bewusst auf die Wünsche und Anregungen der Teilnehmer eingehen will: „Bei den nächsten Treffen werden sich sicherlich noch einige Ideen finden, wie wir unseren Internationalen Treff gestalten.“

Gruppe bietet Halt

Nun ist es ihr wichtig, dass auch vermehrt Menschen wie Creß-Keck, die aus anderen Kulturen stammen, auf das Format aufmerksam werden. „Denn genau diese Menschen zu erreichen, ist bei einer Demenzerkrankung in der Familie besonders schwierig“, weiß auch Unbescheid, die bundesweit mit ihrem Buch über Alzheimer auf Lesereise ist: „Viele sind nach Deutschland gekommen, um hier ein besseres Leben zu führen. Gerade wer so eine bewusste Entscheidung getroffen hat, fühlt sich durch die Krankheit umso gestrafter.“ Genau diese Menschen ins Boot und damit aus ihrer Isolation herauszuholen und in einer festen Gruppe Halt zu geben – das ist das Ziel, das alle gemeinsam ansteuern.

 

Das nächste interkulturelle Frühstück beim Frankfurter Verband ist am 12. April ab 10.30 Uhr im Begegnungszentrum in der Aßlarer Straße 3.

 

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