E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Ein Turm für die Maininsel

Architekt Christoph Mäckler möchte auf die Maininsel an der Alten Brücke einen Brückenturm mit Museum, Restaurant und Eigentumswohnungen bauen lassen. Zusammen mit dem Portikus-Museum soll damit an die historische Bedeutung der Brücke erinnert werden. Eine Bürgerinitiative will den Bau jedoch verhindern.
Cornelia Spohn und ihre Bürgerinitiative wollen eine Bebauung des östlich der Alten Brücke gelegenen Teils der Maininsel verhindern. Bilder > Cornelia Spohn und ihre Bürgerinitiative wollen eine Bebauung des östlich der Alten Brücke gelegenen Teils der Maininsel verhindern.
Sachsenhausen. 

Christoph Mäckler will sein Werk vollenden. Vor sechs Jahren hat der Frankfurter Architekt auf der westlichen Seite der Maininsel bereits den Portikus, ein Museum für zeitgenössische Kunst, bauen lassen. Weil er damit jedoch nur eine Hälfte seiner Pläne verwirklicht hat, ist nun der Osten an der Reihe. Mäckler möchte dort einen rund 24 Meter hohen Brückenturm errichten - als Gegenstück zum Portikus. Ein Museum über die Historie der Brücke plant der Architekt darin, ein Restaurant sowie vier Eigentumswohnungen.

Das Gesamtensemble soll einmal an die historischen Bebauungen der Alten Brücke erinnern. Wie geschichtliche Darstellungen zeigen, war diese bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts bebaut. Die Alte Brücke war einer der wichtigsten Knotenpunkte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Kriege und Hochwasser veränderten Brücke und Maininsel bis heute.

Über Jahrhunderte bebaut

Doch bebaut war sie fast immer. Über Jahrhunderte wohnten dort die Müller, die in den Mühlen neben der Alten Brücke ihrem Handwerk nachgingen. An jenen Vorlagen orientierte sich auch Mäcklers Entwurf, mit dem er 2001 einen von der Stadt ausgeschriebenen Architekturwettbewerb zur Sanierung der Brücke gewann. „Erste Gedanken habe ich mir bereits Ende der 1980er Jahre gemacht“, erzählt der Architekt. Für Mäckler gilt die Alte Brücke als die Wiege Frankfurts. Die Kultur dieses Ortes müsse wiederbelebt werden, meint er.

Die Stadtverordneten hatten der Bebauung der Alten Brücke bereits vor zehn Jahren zugestimmt. Zwei Hürden stehen dem Projekt aber noch im Weg. Mäckler und der von ihm für die Bebauung gegründete Brückenbauverein überlegen noch, wie sie die Finanzierung des Brückenturms sicherstellen können. Dabei sollen die Einnahmen aus dem Verkauf der Wohnungen schlussendlich die Kosten für das Museum und das Restaurant decken. Spekuliert wurde bisher mit Gesamtkosten von rund vier Millionen Euro - Mäckler will sich aktuell aber nicht äußern. Zudem muss die weitere Existenz des Frankfurter Rudervereins von 1865 an der Alten Brücke gesichert sein. Mäckler hat daher das untere Geschoss des Brückenturms als Lager für den Ruderverein geplant und dafür 20 Forderungen der Ruderer abgearbeitet.

Nun jedoch hat es Mäckler auch mit Cornelia Spohn zu tun. Sie zieht es oft an den Müllermain, das Sachsenhäuser Mainufer an der Alten Brücke. Von dort blickt sie statt auf die Bankentürme in der Innenstadt auf haushohe Weiden, Schwäne, Gänse und Enten. Sie befürchtet, dass die Tage dieser Idylle wegen Mäcklers Bauprojekt gezählt sein könnten. Ihre Bürgerinitiative hat bisher rund 2000 Unterschriften gegen den Brückenturm gesammelt. Spohn sagt, dass Mäckler damit einst einen Ort für die Allgemeinheit schaffen wollte. „Das Museum sollte größer ausfallen, eine Aussichtsplattform jedermann offen stehen“, sagt Spohn. Für sie fügt sich die geplante Bebauung außerdem nicht ins historische Bild: „Auf der Insel wurde gearbeitet und nur nebenbei gewohnt.“

Projekt bedroht die Natur

Mittlerweile aber habe Mäckler seine ursprünglichen Pläne verworfen. Aus der Aussichtsplattform sei eine Privatterrasse geworden, das Museum sei geschrumpft, „aus einem gemeinnützig geplanten Gebäude ist ein privater Investoren-Traum geworden“, kritisiert Spohn. Am meisten regt sie auf, dass der Brückenturm die Natur auf der östlichen Maininsel bedrohe. Zugvögel machten Rast auf der Insel, Gänse und Enten nutzten sie als Brutplatz.

Wulfila Walter, Referent von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne), widerspricht: Der östliche Teil der Insel sei durch die Nutzung des Altarms für Tiere nicht mehr attraktiv. Die Untere Naturschutzbehörde sehe ihn außerdem als „nicht besonders schützenswerten Bereich“ an, den Westen hingegen schon. Spohn fragt sich aber, warum die Stadt ihre Verpflichtung aus dem Jahr 1977, die Maininsel, auch wenn sie offiziell keines ist, wie ein Naturschutzgebiet zu behandeln, längst über Bord geworfen habe.

Mäckler hält die Argumente der BI für „Unsinn“. An seinen ursprünglichen Plänen für den Brückenturm habe sich nichts geändert. Weder sei das Museum geschrumpft, noch sei aus der Aussichtsplattform eine Privatterrasse geworden. „Und mit den Wohnungen möchte sich keiner bereichern. Sie sollen lediglich das Restaurant und das Museum finanzieren. Stets waren vier geplant, und nicht zwei, wie die BI behauptet.“ Auch sei ihm nach wie vor daran gelegen, die Natur auf der Insel zu bewahren: „Die Baufläche diente bislang den Ruderern. Es müssen zwar rund zehn Bäume gefällt werden, doch dafür sind Ersatzpflanzungen geplant.“

Mäckler versichert zudem, dass die Maininsel an sich auch künftig gesperrt bleibe. Von der BI veröffentlichte Grafiken vom Brückenturm sorgten darüber hinaus für den Eindruck, er überrage den Portikus um etwa zehn Meter. „Es sind jedoch nur etwa 2,50 Meter“, betont er.

(Benni Kilb)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen