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Ein Weizenfeld ist seine Wohnung

Seltene Tiere müssen geschützt werden. So auch der Feldhamster, der sich auf den Feldern rund um Bergen wohlfühlt. Damit das auch so bleibt, gibt es ein spezielles Schutzprogramm für die Nager.
Zwischen dem Weizen ist der Feldhamster gut geschützt und sicher vor Feinden. Wird das Getreide geerntet, befindet sich der Nager in höchster Gefahr.	Fotos: Christes/Archiv Bilder > Zwischen dem Weizen ist der Feldhamster gut geschützt und sicher vor Feinden. Wird das Getreide geerntet, befindet sich der Nager in höchster Gefahr. Fotos: Christes/Archiv
Bergen-Enkheim. 

Manfred Sattler geht in die Hocke, stützt sich mit dem rechten Knie ab. Er schaut auf ein Loch auf dem Feldboden, nimmt einen weißen Zollstock aus der Tasche, klappt ihn auf, legt ihn zunächst über das Loch und lässt ihn dann darin verschwinden. „4,5 Zentimeter breit und 40 Zentimeter geht es abwärts. Ich bin mir sicher. Hier wohnt ein Feldhamster“, sagt Sattler und zeigt auf die Erde um das Loch. Dort sind die noch jungen Weizenpflanzen kreisrund abgefressen. „Ein Fraßkreis. Typisch für den Feldhamster“, weiß Sattler. Ungefähr 60 Baue gebe es rund um Bergen. Allerdings sei nicht jeder Bau bewohnt.

Kleine Populationen

Mit dem Frühling erwachen auch die Feldhamster aus ihrem Ende August beginnenden Winterschlaf. Spätestens jetzt dreht Sattler regelmäßig seine Runden auf den Feldern in Bergen. Er setzt sich für den Erhalt des vom Aussterben bedrohten Nagers ein, engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamster. „Im Gegensatz zu den 1970er Jahren, wo der Feldhamster noch als Plage galt, sind die Populationen heute sehr klein“, sagt der Hamsterexperte. Damals wurden die Tiere mit Gifttabletten bekämpft, für jeden gefangenen Hamster gab es eine Prämie. Mäntel aus Hamsterfell galten damals als schick. Rund 100 der Tiere, die so groß werden wie ein Meerschweinchen, wurden pro Exemplar verarbeitet. Alles Gründe, warum der Feldhamster auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere in Deutschland steht.

Fördermittel vom Land

Löß- und Lehmböden, auf denen Getreide angepflanzt wird, sind der optimale Lebensraum für den Feldhamster. Die findet er auch auf den Feldern von Ralf Buchenhorst. Zwei Möglichkeiten hat er, um dem Nager einen optimalen Lebensraum zu bieten. „Entweder lasse ich einen drei Meter breiten Streifen stehen oder eine Mutterzelle, die einen Hektar groß ist“, sagt der Bauer, der durch die Teilnahme am Schutzprogramm Fördergelder vom Land Hessen erhält.

„Wird das gesamte Getreide geerntet, hat der Hamster so gut wie keine Überlebenschance“, sagt Sattler. Auf freiem Feld sei er seinen Jägern schutzlos ausgeliefert. Für Greifvögel und Füchse wird er so zur leichten Beute. Auch wenn er den Sommer ohne Schutz irgendwie überleben würde, spätestens im Winter würde der Feldhamster in seinem Bau verhungern. „Zwei Kilo Getreide braucht er, um zu überwintern“, weiß Sattler.

Umso wichtiger sei es, die Landwirte über den Feldhamsterschutz aufzuklären. „Die Programme sind keine Fünf-Jahres-Förderungsmonster. Man kann Jahr für Jahr neu überlegen einzusteigen“, macht Sattler den Bauern Mut zum Mitmachen.

Für die Zukunft hat er einen Plan. „Felder, die dem Hamster als Dauerfläche dienen und nicht geerntet werden. Aber das ist wirklich Zukunftsmusik.

(Judith Dietermann)
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