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Protest gegen Schändung am Ort der zerstörten Synagoge: Ein Zeichen gegen Rassismus

Von Knapp sechs Monate nachdem die Gedenkstätte für die Opfer des Naziterrors am Ort der zerstörten Synagoge im Brentanopark Rödelheim durch antisemitische Parolen geschändet wurde, zeigen Rödelheimer Flagge. Sie wenden sich gemeinsam gegen Rechtsextremismus und Hass.
Helga Dieter (Mitte) hat die Aktion „Gemeinsam gegen Nazis“ initiiert. Diese wird von 650 Rödelheimern mitgetragen. Sechs Monate soll das Plakat hier hängen. Foto: Holger Menzel Helga Dieter (Mitte) hat die Aktion „Gemeinsam gegen Nazis“ initiiert. Diese wird von 650 Rödelheimern mitgetragen. Sechs Monate soll das Plakat hier hängen.
Rödelheim. 

Sie setzen sich für ein respektvolles, gleichberechtigtes und wertschätzendes Zusammenleben aller Menschen im Stadtteil ein. Und sie setzen gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus – 650 Rödelheimer, Vereine, Institutionen und Initiativen. Mit ihrer Unterschrift gehen sie gemeinsam gegen Nazis vor und machen dies öffentlich, zeigen ihren Einsatz mit ihren Namen auf einem großformatigen Plakat.

Seit gestern hängt dieses in einer Vitrine einer Bushaltestelle am Baruch-Baschwitz-Platz, sichtbar für jedermann. In den kommenden sechs Monaten soll es dort verbleiben und daran erinnern, dass Rassismus, Antisemitismus und Hass keinen Platz im Stadtteil haben. Es ist eine Aktion für Vielfalt und Toleranz. Initiatorin ist Helga Dieter, Vorsitzende des Vereins „Courage gegen Rassismus“. Gemeinsam mit anderen Bündnissen realisierte sie in den vergangenen Jahren auch die Anbringung der Schilder „Rödelheim – Stadtteil gegen Rassismus“.

Täter weiter unbekannt

Was war passiert? Nur wenige Tage vor der Gedenkstunde an die Opfer der Pogrome wurde Anfang November vergangenen Jahres die Gedenkstätte für die Opfer des Naziterrors am Ort der zerstörten Synagoge im Brentanopark durch antisemitische Parolen geschändet (wir berichteten). „Juden sind Verbrecher“ sprühten Unbekannte mit weißer Farbe und einer Schablone auf das Mahnmal aus Sandstein. Nur ein Jahr, nachdem die Gedenkstätte im Brentanopark neu gestaltet worden war. „Das war kein dummer Jungenstreich und forderte eine energische Antwort“, sagt Arnim Kroneisen, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim. „Mit dem Aufruf ’Gemeinsam gegen Nazis’ möchten wir deutlich machen, dass hier eine Grenze überschritten wurde und wir entschieden und öffentlich dagegen vorgehen“, betont Dieter.

Die antisemitischen Parolen an der Gedenkstätte sind zwar sofort beseitigt worden, doch bis heute konnten die Verursacher dieser Schändung nicht ausfindig gemacht werden, das Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung wurde eingestellt.

„Ich habe für Nazis kein Verständnis“, betont Kroneisen. „Ich bin generell gegen jede Gewalt an Menschen.“ Die Überschrift „Gemeinsam gegen Nazis“ sei für ihn jedoch zu eng gefasst. „Rödelheim gemeinsam gegen Menschenverachtung, Diffamierungen, Ausgrenzung und Hass“ lautet sein alternativer Vorschlag. Kroneisen hofft, dass die Aktion die Menschen zum Nachdenken anregt. „Ganz“, wie er sagt, „im Sinne des Grundgesetzes ’Die Würde des Menschen ist unantastbar’.“

Opfern Rückhalt geben

Meron Mendel, Leiter der Gedenkstätte Anne Frank, die sich ebenfalls an der Aktion beteiligt, unterstreicht, wie wichtig dieses Engagement ist und lobt die Leidenschaft, mit der Rödelheim ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzt hat. „Sie nehmen es nicht einfach nur zur Kenntnis, sondern machen etwas, setzen sich ein für Menschenrechte und für Vielfalt“, lobt er weiter. In Deutschland gebe es sehr viele antisemitische Straftaten, die nicht dokumentiert würden. „Die Dunkelziffer ist hoch“, betont Mendel. „Für die Opfer ist es wichtig, den Rückhalt in der Gesellschaft zu spüren und zu wissen, dass sie nicht alleine sind.“

Für die Aktion haben sich neben zahlreichen Bürgern viele Vereine, Initiativen und Institutionen engagiert, unter anderem die Evangelische Cyriakusgemeinde, die Friedensinitiative Rödelheim, die Initiative Stolperstein Rödelheim, der Sozialverband VdK Rödelheim, die Michael-Ende-Schule, der Rödelheimer Vereinsring, der Awo-Jugendladen, Willkommen in Rödelheim (WiR) oder der Verein Zusammen. Außerdem tragen die Fraktionen im Ortsbeirat 7 von SPD, FDP, Grünen und die Farbechten/Die Linke die Aktion mit.

„Wir vom Verein Zusammen waren geschockt über die Schändung. Auch wenn die Täter nicht bekannt sind, deuten die verwendeten Symbole darauf hin, aus welcher braunen Ecke sie kommen“, sagt Nasrin Düll. Die Schändung habe aber auch gezeigt, dass die Mehrheit der Rödelheimer schnell reagiert und entschlossen ihr Denkmal für die Opfer des Naziterrors verteidigt haben.

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