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Kriminalbeamter aus Sachsenhausen: Ein extremes Abenteuer

Extremsportler Jörn Theissig (45) und sein Weggefährte Wolfgang Kulow (67) überquerten innerhalb von drei Wochen den Baikalsee. Über 600 Kilometer legen die beiden dabei zurück, trotzen Schneestürmen und Packeis. Theissigs Faszination gilt dabei nicht nur der Natur, sondern auch der russischen Gastfreundschaft.
Eine eiskalte Angelegenheit: Jörn Theissig (rechts) und Wolfgang Kulow auf dem Marsch. In 19 Tagen legten sie die Strecke auf dem zugefrorenen Baikalsee zurück. Bilder > Eine eiskalte Angelegenheit: Jörn Theissig (rechts) und Wolfgang Kulow auf dem Marsch. In 19 Tagen legten sie die Strecke auf dem zugefrorenen Baikalsee zurück.
Sachsenhausen.  Es gab einen kurzen Moment, da musste Jörn Theissig seinen 67-jährigen Mitstreiter Wolfgang Kulow motivieren: Ein Schneesturm machte den Marsch der beiden über den russischen Baikalsee zur Tortur. Kulow fühlte sich an eine frühere Tour über den größten See der Welt erinnert, als er aufgrund von zu viel Schneefall aufgeben musste. Doch Theissigs Worte machten dem erfahrenen Extremsportler wieder Mut.

640 Kilometer legten die beiden letztlich über den zugefrorenen See in Sibirien zurück. 19 Tage brauchten der Sachsenhäuser Theissig und Kulow für ihr Unterfangen, bei dem sie täglich durchschnittlich 40 Kilometer mit 50 Kilogramm schweren Schlitten auf Schlittschuh-Kufen oder zu Fuß über das Eis wanderten.

Leichte Erfrierungen

Doch Motivation alleine reichte nicht aus, um das Abenteuer zu meistern. „Wir zollen der Natur größten Respekt“, sagt Theissig, Beamter des Bundeskriminalamtes. Er und Kulow mussten sich durch Packeis kämpfen und Schneestürmen trotzen. Kulow zog sich leichte Erfrierungen an seinen Fingern zu.

Ein stetes, unheimliches Knacken der 80 bis 110 Zentimeter dicken Eisdecke begleitete die beiden fast den ganzen Weg über den Baikalsee. Wie Theissig erklärt, zwangen die Herausforderungen der Natur ihn und Kulow ständig zum Leben im Hier und Jetzt.

Ein Abrutschen in Eisspalten hätte im schlimmsten Fall zu Knochenbrüchen führen können. Ein Unfall hätte nicht nur das Ende der Tour bedeutet, sondern die Eiswanderer auch vor ernste Probleme gestellt. Beide bewegten sich zwar stets nahe dem Seeufer. Doch dieses ist dünn besiedelt. Es hätte Tage dauern können, bis ein Arzt Theissig und Kulow erreicht, auch wenn beide sich mit einem Satellitentelefon für Notfälle ausgestattet hatten

Bilderstrecke Sachsenhäuser Extremsportler: In drei Wochen über den gefrorenen Baikalsee
Die Extremsportler Jörg Theissig (li) und Wolfgang Kalow sind in 19 Tagen über den Baikalsee gelaufen.Mehr als 600 Kilometer legten die beiden Männer zurück.Dabei erlebten sie niicht nur viele Abenteuer, sondern auch die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft.

In der menschenfeindlichen Umgebung machten die beiden dennoch zahlreiche freundliche Begegnungen: Eisfischer überließen Theissig und Kulow ihre Hütten, wenn die Wanderer sich aufwärmen und ihre klamme Ausrüstung trocknen mussten. Am Ziel ihrer Reise warteten Einheimische in Nationaltracht. „Zuvor hatte ich keine Berührungspunkte mit Russland. Nun bleibt mir ein kaltes Land mit einem warmen Herz in Erinnerung“, zeigt sich Theissig begeistert.

Kraft für den Alltag

Der Bundeskriminalbeamte, der auch im Berufsalltag mit vielen Extremen zu tun hat, schöpft aus seinen regelmäßigen Abenteuern im Eis Kraft für seine Arbeit. Theissig hat im Jahr zuvor einen Ultra-Marathon im Yukon gemeistert. Zuvor, wie auch vor der Tour über den Baikalsee, hat er vor seinen Kollegen einen „Erholungsurlaub“ angekündigt und wurde dafür belächelt. „Aber das ist mir egal. Solche Reisen sind für mich seelische Tankstellen“, macht er klar.

Theissig und Kulow nutzten den 640-Kilometer-Marsch über das größte Trinkwasserreservoir der Welt auch dafür, um auf die Trinkwasserknappheit in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Die beiden machten öffentlich aufmerksam auf ihr Abenteuer, um Spenden für ein Hilfsprojekt in Nepal zu generieren. 4200 Euro haben beide bereits gesammelt. Damit lassen sich dauerhaft über 200 Kinder mit sauberem Trinkwasser und hygienischen Einrichtungen versorgen.

Weitere Anekdoten des Baikalseelaufs finden sich auf der Facebook-Seite von Jörn Theissig und Wolfgang Kulow unter m.facebook.com/baikalseelauf2017.

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