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Boule-Verein: Ein gutes Händchen ist nötig

Von Mit Boule verbinden viele Deutsche das von den Franzosen auf öffentlichen Plätzen ausgetragene Freizeitspiel mit Kugeln. Unter anderem im Günthersburgpark wird es gespielt.
Ziel des Spiels ist es, seine Kugel möglichst nah an der roten Zielkugel zu platzieren. Oft bringt erst das Maßband Gewissheit. Bilder > Ziel des Spiels ist es, seine Kugel möglichst nah an der roten Zielkugel zu platzieren. Oft bringt erst das Maßband Gewissheit.
Nordend. 

In der rechten Hand hält Bernhard Ochs eine silberne Kugel. Während sein Blick auf das als „Schweinchen“ bezeichnete Ziel fixiert ist, schwingt er locker die Hand hin und her, lässt am höchsten Punkt die Kugel los und blickt ihr erwartungsvoll hinterher. Kurz später kracht sie zu Boden, springt noch mal kurz hoch, kullert anschließend weiter und bleibt schließlich liegen.

Ein Kopfnicken signalisiert, dass Ochs mit dem Wurf zufrieden ist. Er gönnt sich auch gleich eine kleine Belohnung: einen Schluck französischen Rotwein, schließlich wird dem Spiel nachgesagt, dass es ursprünglich aus Frankreich stammt. „Neben dem Spiel selbst sind Gespräche und natürlich der Genuss beim Boule wichtig“, sagt Ochs.

Regelmäßig ist der Stadtverordnete und Vorsitzende des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim beim lockeren Training im Gün-thersburgpark dabei. Meist parkt sein „Dreirad“ am Betriebshof des Grünflächenamtes zwischen den Kleingärten und der Erweiterungsfläche des Parks. Dort haben die 64 Mitglieder des Vereins Bornheim Boules seit kurzem einen zusätzlichen Trainingsplatz. Jeder, der Lust hat, kann dienstags und donnerstags ab 18 Uhr hier oder unter den Platanen vor der Orangerie im Gün-thersburgpark mitmachen. Sogar Kugeln kann man sich ausleihen.

 

Betriebshof wird geräumt

 

Allerdings stehen die Boulespieler vor einer ungewissen Zukunft, wie der Vereinsvorsitzende Helmut Unverzagt erklärt. Der Betriebshof des Grünflächenamtes wird aufgelöst, das Gelände soll bald dem Grüneburgpark zugeschlagen werden. „Wir würden wirklich gerne hier bleiben. Im Moment hängen wir aber etwas in der Luft. Unser Vertrag wird immer nur für ein Jahr abgeschlossen.“ Die Nutzungsgebühr sei zwar sehr günstig, verrät der Vereinsvorsitzende. Allerdings könne die Stadt im Fall der Fälle aber darauf drängen, dass der Verein das Grundstück innerhalb eines Tages räume.

Doch daran will Unverzagt erst gar nicht denken. Er hat eine ganz andere Vision und deutet dabei auf einen alten Schuppen. Dieser grenzt direkt an den Bouleplatz an. Die Sportler, so führt er aus, könnten nämlich ein Dach über dem Kopf brauchen. „Dann wären wir wetterunabhängig und könnten uns auch im Winter hier treffen“, schildert Unverzagt. Konkreter wird Vereinsmitglied Klaus Bittner: „Wenn das Gelände geräumt wird und die Gebäude weichen, sollte der Schuppen entkernt stehen bleiben.“

 

Halle ist zu groß

 

Doch aus diesem Plan wird wohl nichts. Zumindest deutet das Heike Appel, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamtes an. „Wir können nicht einfach eine Halle so in dem Park stehen lassen. Dazu ist sie viel zu groß.“ Doch das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, will Appel nicht alle Hoffnungen komplett begraben.

Info: Wo überall die Kugeln fliegen

Schätzungen zufolge nehmen etwa 1000 Frankfurter regelmäßig in ihrer Freizeit die Boule-Kugeln in die Hand. An die 300 sind in der Mainmetropole in Vereinen aktiv.

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Voraussichtlich sind die Boulespieler aber weiterhin auf trockene Witterung angewiesen. Die Aussichten für das „Nocturne“ am Samstag, 14. Juni, sind eher durchwachsen. Das erste von drei Nachtturnieren, das der Verein pro Jahr organisiert, beginnt um 19.30 Uhr. Jeder kann teilnehmen, vorausgesetzt, er hat sich bis spätestens 19 Uhr angemeldet. Gespielt wird bis tief in die Nacht, das Ende ist meist offen.

Das Spielgerät wiegt laut Unverzagt zwischen 650 und 800 Gramm und hat einen Durchmesser zwischen 71 und 80 Millimeter. In Südfrankreich würden die meisten und besten Boulekugeln gefertigt. Aus einer Stahllegierung werden jeweils zwei rund einen Zentimeter dicke Halbkugeln gepresst, die dann später zusammengefügt werden. Die Preise beginnen bei 80 Euro und enden erst bei 300 Euro. Damit die Kugeln zu unterscheiden sind, versieht jeder Spieler mit seiner unverwechselbaren persönlichen Kennung. Das können beispielsweise Initialen oder Strichcodes sein.

Ziel bei dem Spiel ist es, seine Kugel möglichst nahe am „Schweinchen“, einer Zielkugel, zu platzieren. Es gibt verschiedene Varianten: eins gegen eins und Teams mit unterschiedlich starker Besetzung. Eine Begegnung besteht aus mehreren Aufnahmen, wer zuerst 13 Punkte hat oder eben 13 Aufnahmen für sich entschieden hat, ist Sieger. Es gibt zwei unterschiedliche Spielertypen: Leger, die die Kugel möglichst nah am „Schweinchen“ zu platzieren versuchen; und Schießer, die die gegnerischen Kugeln wegschießen.

Der Bornheimer Verein, der 1991 gegründet wurde, nimmt mit zwei Mannschaften am Spielbetrieb teil, ein Team startet in der ersten Hessenliga, der höchsten Liga in Hessen, eines in der zweiten Hessenliga und ist dort Tabellenführer.

 

Ein Ausdauersport

 

Gute Boule-Sportler müssen laut Unverzagt über eine gute Hand-Augen-Koordination verfügen und sich konzentrieren können. „Boule ist aber auch eine Ausdauersportart. Wer fünf Spiele am Tag bestreitet und nach zehn Stunden auf dem Platz vielleicht die entscheidende Kugel wirft, braucht Kondition und Ausdauer“, sagt Klaus Bittner. Und da nicht jeder Platz gleich sei, sei es von Vorteil, wenn man die Geländebeschaffenheit lesen könne. „Wer weiß, wo er die Kugel aufsetzt und wie sie dann läuft, ist eindeutig im Vorteil.“

 

Weitere Infos zum Verein gibt es unter www.bornheimboules-ffm.de/wir.html im Internet.

 

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