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Fastnachts-Kampagne: Ein richtig närrisches Museum

Von Die neue Fastnachts-Kampagne bietet ein besonderes Schmankerl: In „Klaa Paris“ gibt es seit kurzem ein Fastnachtsmuseum, das die Tradition der Vereine in Heddernheim bewahrt und darstellt.
Paulina Kreiter (12), Dietmar Pontow (Vorsitzdender Zuggemeinschaft Klaa-Paris) und Emily Nass (13) bei der Eröffnung des Fastnachts-Museum in Klaa Paris, in Alt-Heddernheim. Foto: Holger Menzel Paulina Kreiter (12), Dietmar Pontow (Vorsitzdender Zuggemeinschaft Klaa-Paris) und Emily Nass (13) bei der Eröffnung des Fastnachts-Museum in Klaa Paris, in Alt-Heddernheim.

Dietmar Pontow wirkt glücklich, als er durch den Flur des Heddernheimer Schlosses hinaus auf den Hof läuft. Dort sind Tische aufgestellt, Gläser mit Sekt stehen bereit. Es gibt etwas zu feiern, das für ihn eine Herzensangelegenheit ist. In zwei Räumen im Erdgeschoss des 1740 erbauten Gebäudes richteten Pontow und seine Mitstreiter ein kleines Fastnachtsmuseum ein, das die Geschichte der Vereine im Stadtteil zeigt und die Fastnachts-Tradition Heddernheims nachzeichnet. Und die reicht wahrlich weit zurück – nachweislich bis in das Jahr 1839. Pontow hat hierüber sogar ein Buch geschrieben.

Seit 1986 ist Pontow Vorsitzender der Zuggemeinschaft „Klaa Paris“, die den jährlichen Fastnachtsumzug in Heddernheim organisiert. Er war zudem langjähriger Vorsitzender und Präsident der „Heddemer Käwwern“, dem ältesten Karnevalverein Frankfurts. Das Fastnachts-Urgestein ist außerdem Ehrenvorsitzender des Vereins. Dass sein langgehegter Wunsch wahr geworden ist, geht auf eine Kooperation mit dem Bürgerverein Heddernheim zurück. Dieser betreibt im Erdgeschoss des Schlosses ein Heimatmuseum und stellt für das Fastnachtsmuseum die beiden Räume zur Verfügung. Mehrere Monate haben die Vorbereitungen für die Eröffnung des Fastnachtsmuseums gedauert.

Bunt trieben es die Heddernheimer zur Fastnacht schon 1897. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Bunt trieben es die Heddernheimer zur Fastnacht schon 1897.

Heddernheim ist in der „närrischen fünften Jahreszeit“ als „Klaa Paris“ bekannt. Den große Umzug am Fastnachts-Dienstag durch die Straßen des alten Ortskerns schauen sich jährlich Zehntausende Besucher an. Ein Zusammenschnitt alter Aufnahmen, die als Film im neuen Fastnachtsmuseum zu sehen sind, zeigt die Begeisterung von Karnevalisten wie Besuchern.

Humorvoll und kritisch stellen die Heddernheimer Narren mit Motivwagen auch das politische Geschehen in den Mittelpunkt. Dass es Zeiten gab, in denen die kritische Sicht auf die Politik zensiert wurde und für die Protagonisten gefährlich war, erlebten Mitglieder der „Heddemer Käwwern“ im Jahr 1936. Auf dem Titel einer vom Verein herausgegebenen Zeitung ist Adolf Hitler als Narr abgebildet. Die Vorlage hierfür ist ein Linolschnitt, der in einer Vitrine im Fastnachtsmuseum ausgestellt ist. Die Ausgabe der Zeitung wurde von den Nazis beschlagnahmt, die Verantwortlichen vorübergehend inhaftiert und der Umzug verboten.

Theater gespielt

Im Archiv der „Heddemer Käwwern“, die am 5. Oktober 1881 gegründet wurden, lagern sehr viele alte Dokumente und Unterlagen zur Geschichte der Fastnacht und des Vereins. Bevor es den Verein gab, waren für die Fastnacht im Stadtteil die Gesellschaften „Brennessel“ und „Äppelweingeschwader“ verantwortlich. Sie organisierten regelmäßig selbstgeschriebene Theaterstücke – eine Tradition, die bis heute von den Käwwern gepflegt wird. Auf Plakaten wurde und wird natürlich Werbung für die Stücke gemacht. Das älteste Plakat, das im Museum zu sehen ist, stammt von 1872 – einige Unterlagen zu den Stücken sind aber noch viel älter.

Die Geschichte des Vereins und der Zuggemeinschaft „Klaa Paris“ wird im ersten Raum des Fastnachtsmuseums gemeinschaftlich dargestellt – hauptsächlich mit alten Dokumenten, Plakaten, Orden und Fotografien. Auch zwei alte Vereinsfahnen aus der Zeit der Jahrhundertwende sind zu sehen. Die Geschichte von „Fidele Nassauer“, „KTC Rot-Weiss 1977“ sowie die „Kolpingsfamilie Heddernheim“ wird im Nachbarraum präsentiert. Nichts erfahren Besucher vom „1. Frankfurter Gardecorps“, das ebenfalls zu den Heddernheimer Fastnachtsvereinen gehört. Laut Pontow stehe noch nicht fest, ob der Verein mitmache.

Im Krieg zerstört

Jörg Haft, Vorsitzender des Karneval-Clubs „Fidele Nassauer“ räumt noch letzte Orden seines im Jahr 1931 gegründeten Vereins in die Vitrinen. Leider verfügten sie nicht über Dokumente aus der Zeit von vor 1945. „Vieles davon“, mutmaßt er, „ist wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.“ Die Geschichte ihres Vereinshauses im Wenzelweg 21 lässt sich gut dokumentieren – mit alten Fotografien und Schriftstücken – und wird in Vitrinen gezeigt.

Die „Fidelen Nassauer“ habe in der Familie Haft eine lange Tradition. „Mein Opa Georg Haft war Mitbegründer und mein Vater hat das Blau-gelbe Gardecorps gegründet“, erzählt Jörg Haft weiter. Das Vereinshaus sei Ende der 1940er Jahre in mühevoller Eigenarbeit errichtet worden. „Auf einem alten Dokument sind allein 14 258 Arbeitsstunden nur für 1949 vermerkt“, sagt Haft, der Idee zum Fastnachtsmuseum toll findet.

Ein Heim für die Vereine

Doch dort ist nicht alles Gold, was glänzt. Viele Teile des Schlosses müssten eigentlich saniert werden. „Der Keller ist feucht“, beschreibt Jürgen Kilian, Vorsitzender des Bürgervereins. Das Gebäude, in dem es auch drei Wohnungen gibt, steht unter Denkmalschutz. Pontow und Kilian wünschen sich aber, dass es den Heddernheimer Vereinen ganz zur Verfügung stehen soll.

Fastnachtsmuseum

Geöffnet hat die Einrichtung im Heddernheimer Schloss, Alt-Heddernheim 30, jeden zweiten und vierten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, Spenden sind erwünscht.

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