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Ein sensibles Thema

Immer wieder führen Straßennamen zu Diskussionen oder gar heftigem Protest. Dabei muss es nicht unbedingt um Hochpolitisches gehen: So beschwerten sich einst 16 Bürger, nicht weit entfernt von der Adolfstraße, über den Namen „Blechackerstraße“. Mit Erfolg: Sie wurde 1936 umbenannt, weil die Bezeichnung „hässlich sei und auf einen Schuttablageplatz hindeute“. Den neuen Namen, Reichsforststraße, trägt sie bis heute.

Apropos Reich: Ein Kapitel für sich sind die Umbenennungen während der Zeit des Nationalsozialismus und die anschließende Entnazifizierung und Demilitarisierung. Molter berichtet in seinem Buch auch darüber, dass seinerzeit kein Widerwort geduldet wurde: 1934 ordnete der Frankfurter Oberbürgermeister an, dass Straßen, die nach Nichtariern benannt wurden, nicht mehr in das Adressbuch der Stadt aufgenommen werden sollten. Bei der Heymanstraße sah das Bauamt Klärungsbedarf und erhielt zur Antwort, es sei nicht seine Aufgabe „in schüchterner Weise zu versuchen, Verantwortung abzuschieben“.

Ziviler Ungehorsam führte dazu, dass eine andere Umbenennung wieder rückgängig gemacht wurde: Zwischen 1947 und 1955 hieß die Kaiserstraße Friedrich-Ebert-Straße. Zu stark waren die Proteste aus der Bevölkerung, an der sich auch die Straßenbahnschaffner beteiligten: Sie riefen beim Passieren die „Kaiser-, Friedrich-Ebert-Straße“ aus.

Manche Dispute lassen sich aber auch durch einen Blick in die Geschichtsbücher klären. Als der Theaterplatz 1993 in Willy-Brandt-Platz umbenannt wurde, wiesen einige pikiert darauf hin, dass damit ein historischer Straßenname gelöscht würde. Die Älteren wussten: Der Platz trug den Namen erst seit 1964. Die Adresse zuvor lautete: „Am Schauspielhaus“.

Einen aktuellen Fall gibt es in Nied. Der Vorsitzende des dortigen Vereinsrings, Hauke Hummel, hat im Ortsbeirat 6 angeregt, den Namen der Werner-Haustein-Straße aufheben zu lassen. Haustein, so hat Hummel recherchiert, war als Reichsbahner eng mit den Nazis verbandelt und bei der Bahn verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Rassegesetze. 1952 wurde er Leiter der Rechtsabteilung in der Hauptverwaltung der Bundesbahn in Frankfurt. Die Seitenstraße des Nieder Kirchwegs hat keine regulären Hausnummern und bindet lediglich Kleingärten an; der Ortsbeirat will die Anregung prüfen.

( dsc)
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