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Schwarzmarkt mit Konzertkarten blüht: "Ein wachsendes Geschwür"

"Life is Life" titelte die Band "Opus" in den 80er Jahren. Doch manche sehen bei Musikevents schwarz - denn so manches Ticket wird von Schwarzmarkthändlern zu horrenden Summen verkauft. Das ärgert die Fans, Künstler und Veranstalter.
Für Krawall und Remmidemmi sorgte die Band „Deichkind“ in der Frankfurter Festhalle. Oft liegt über solchen Musikevents aber ein Schatten, denn so manches Ticket wird von Schwarzmarkthändlern zu horrenden Summen verkauft. Foto: Sven-Sebastian Sajak Für Krawall und Remmidemmi sorgte die Band „Deichkind“ in der Frankfurter Festhalle. Oft liegt über solchen Musikevents aber ein Schatten, denn so manches Ticket wird von Schwarzmarkthändlern zu horrenden Summen verkauft.
Frankfurt. 

Bewegliche Bühnen, opulente Shows: Längst sind große Musik-Events wahre Spektakel. „Veranstalter betreiben heute einen gigantischen Aufwand, um ein Konzerterlebnis zu produzieren, das bei den Besuchern in Erinnerung bleibt“, sagt der Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft (BDV), Jens Michow. Besonders gelungene Veranstaltungen und deren Macher werden am 4. April in Frankfurt mit dem „Live Entertainment Award“ ausgezeichnet. Doch es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein in der Branche. Ein internationaler Ticket-Schwarzmarkt treibt Preise in die Höhe und verärgert sowohl Fans als auch Veranstalter und Künstler.

Nicht selten seien Konzerttickets kurz nach dem Start des Vorverkaufs schon vergriffen, moniert der BDV. Dies liege nicht immer nur an der großen Nachfrage der Fans. Professionelle Weiterverkäufer erstünden große Kontingente und veräußerten sie dann mit hohen Aufschlägen. Der BDV spricht von einem „wachsenden Geschwür der Zweitmarkthändler“.

Ein Riesenmarkt

Diese Händler haben es auf einen Riesenmarkt abgesehen. Nach einer Studie im Auftrag der Musikwirtschaft gaben deutsche Konsumenten im Jahr 2014 satte 2,8 Milliarden Euro für Rock-, Pop- oder Klassikkonzerte sowie Opern oder Musicals aus. Rund 1300 deutsche Konzertveranstalter machten demnach in 2014 Gesamtumsätze von 1,56 Milliarden Euro. Bei einer Umfrage unter einigen kam heraus, dass Erlöse aus dem Ticketverkauf mit 73 Prozent die wichtigste Umsatzquelle waren. Michow sagt zum Schwarzmarkt: „Es ist ein internationales Geschäft, das in den vergangenen zwei Jahren erheblich zugenommen hat.“ Veranstalter hätten ein großes Interesse daran, es einzudämmen. „Wenn irgendjemand am Geschäft mitverdient, ohne selbst was dafür zu tun, geht das irgendwann jedem auf den Senkel.“

Ossy Hoppe, Frankfurter Konzertveranstalter und Chef von Wizard-Promotion, sieht das anders. „Dieses Phänomen ist nichts Neues. Natürlich finde ich es nicht gut, aber auch die Preispolitik mancher Veranstalter finde ich nicht gut“, sagt Hoppe. „200 Euro und mehr für ein Ticket zu verlangen, das nenne ich modernen Straßenraub.“ Er selbst habe das teuerste Ticket bei Wizard-eigenen Veranstaltungen für „weit unter der 200-Euro-Marke“ verkauft. Er hofft noch immer, „dass die Fans mal sagen, dass jetzt Schluss ist und überteuerte Konzerte boykottieren“. Denn die absurd hohen Preise öffneten den Schwarzmarkthändlern Tür und Tor, „weil sie mit der Sehnsucht der Menschen nach Musik spielen“. Natürlich sei er gegen den Schwarzmarkthandel, „aber der ist nicht kontrollierbar“, sagt Hoppe, der schon seit Jahrzehnten in diesem Geschäft tätig ist.

Dirk Eisermann von Shooter-Promotion aus Frankfurt sieht es ähnlich. Auch er findet, dass die Fans mal „Nein“ sagen sollten. „Das Thema ist für uns nicht ganz so relevant, weil wir eher ein kleiner Veranstalter sind“, sagt Eisermann. Eines weiß er aber auch: „Je gieriger die Leute nach den Tickets sind, desto prägnanter ist das Thema.“ Schlecht sei es für Veranstalter zunächst nicht, dass Karten verkauft würden – „aber dann findet man sie im Internet auf Versteigerungsplattformen“.

Für Konzerte, die in der „Batschkapp“ über die Bühne gehen, sei der Schwarzmarktverkauf „meist kein Thema“, sagt der Chef Ralf Scheffler. Natürlich kennt er die Problematik, da die „Batschkapp“ oft auch Konzerte in größeren Hallen veranstaltet. Er spricht sich für eine Personalisierung der Tickets aus. Dies würde den „Zweitverwertern“ die Arbeit erschweren. Denn das Geschäft mit den Schwarzmarkt-Karten lasse sich zwar eindämmen, aber nicht völlig aus der Welt schaffen. Der Veranstalter habe seine Karten verkauft, aber „wir ärgern uns, weil dem Markt Geld entzogen wird. Das ist aber eine indirekte Auswirkung, die sich nicht quantifizieren lässt“. Auch Scheffler sieht die Kunden in der Pflicht. Diese sollten sich weigern, die überteuerten Preise zu bezahlen.

Handhabe schwierig

Man könne wenig gegen Schwarzmarktverkäufer tun, sagt Michow, der ebenfalls die Möglichkeit personalisierter Karten ins Gespräch bringt. Vorverkaufsstellen könnten angewiesen werden, an jeden Käufer nur eine begrenzte Zahl von Tickets abzugeben. „Das ist aber nicht so angenehm. Wir wissen, dass Konzertkarten oft von Freunden gekauft werden, dass Menschen in Gruppen zu Konzerten gehen.“

Der Frankfurter Konzertveranstalter Marek Lieberberg und sein Sohn Andre sagen: „Dubiose Ticketanbieter und fragwürdige Ticketplattformen sind natürlich der gesamten Branche ein Dorn im Auge.“ Diese agierten vor dem Hintergrund, dass das Volumen des „Live-Touring“ in den vergangenen 15 Jahren extrem angestiegen sei; auch weil immer mehr Künstler über digitale Kanäle schneller eine Fan-Basis aufbauen könnten. „Es hat sich jedoch gezeigt, dass es nahezu aussichtslos ist, gegen diese Auswüchse mit juristischen Mitteln vorzugehen.“ Um den Weiterverkauf komplett zu unterbinden, müsste das Ticketing komplett personalisiert werden, sagen die Lieberbergs. „Dies wäre mit hohen Zusatzkosten und einer erheblichen Reglementierung des Zugangs bei Konzerten verbunden.“

Den Fans müssten legale Optionen für den Weiterverkauf oder Kauf angeboten werden. Um zwielichtigen Händlern das Handwerk zu legen, sollten Künstler und Partner darüber nachdenken, ob Preise für Karten nicht besser kalkuliert werden müssten.

Knifflig ist die strafrechtliche Verfolgung windiger Weiterverkäufer, so Michow. Selbst wenn in Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Verbot des gewerblichen Weiterverkaufs von Karten stehe, müsse Tätern stets nachgewiesen werden, dass sie das tatsächlich getan haben. „Wenn sie das mal geschafft haben, haben sie einen Schuldner, der in Holland saß, jetzt aber schon nach Belgien weitergezogen ist.“

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