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Elektronische Unterstützung: Eine App, die Blinde unabhängiger macht

In Zusammenarbeit mit dem App-Entwickler Erich Turner hat die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ihre Räume in der Adlerflychtstraße der heutigen Technologie angepasst. Die App soll das Leben der Menschen mit Handicap erleichtern.
Michael Kirchner benutzt die App „Mindtags“ als Navigationshilfe in dem Gebäude. Foto: Rainer Rüffer Michael Kirchner benutzt die App „Mindtags“ als Navigationshilfe in dem Gebäude.

Es ist ein enormer Fortschritt für die Sehbehinderten und Blinden: Eine Applikation auf dem Smartphone soll ihnen künftig bei der Orientierung helfen. Die App „Mindtags“ bietet Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen die Möglichkeit sich eigenständig zu orientieren und bewegen. Der Erfinder Erich Turner hat die App weiterentwickelt – sie funktioniert wie ein „Zuflüsterer“ und die Handhabung ist nicht schwer.

Martin Kirchner, der bei der Stiftung arbeitet und selbst blind ist, demonstriert die Bedienungsweise. Sobald sich Kirchner mit dem Smartphone in der Nähe der Stiftung befindet, kann er über die App erste Informationen abrufen.

Sender-Empfänger-Prinzip

Mithilfe von „Bluetooth-Beacons“, die auf einem Sender-Empfänger-Prinzip basieren, kann Kirchner so erste Informationen über die Stiftung abrufen. Wie beispielsweise die Öffnungszeiten oder wo sich die Anmeldung befindet.

„Wenn ich dann zur Anmeldung möchte, sage ich es der App und diese wiederum sagt mir, wie viele Schritte ich geradeaus laufen muss und dass ich zum Beispiel nach dem Fußmatte rechts abbiegen muss“, erklärt Kirchner. Die App wird per Spracheingabe gesteuert und die Ergebnisse erhalten die Benutzer über die Sprachausgabe der App. „Das besondere an dieser App ist die kleinteilige Beschreibung“, sagt Erich Turner, im „normalen Leben“ Jurist und Übersetzer. Die normalen Navigationshilfen für Smartphones sind für Sehende sehr hilfreich, da sie sich selbst in der Umgebung orientieren können. Doch blinde Menschen können das nicht, weshalb sie eine viel genauere Navigation benötigen.

Im Haus der Stiftung befinden sich nun an jeder Tür über den Türgriffen kleine blaue Schildchen. Darauf sind die Informationen für die App gespeichert. Die Informationen werden im Nahbereich durch NFC-Chips (Near Field Communication) und mittels QR-Codes (Quick Response) übertragen. Die NFC-Chips bieten einen neuen Funkstandard zur Datenübermittlung. Beide Geräte müssen dicht aneinander gehalten werden, damit die Daten übertragen werden können. Die Industrie setzt NFC-Chips mittlerweile auch beim Bezahlvorgang mit Smartphones ein.

Das Prinzip des QR-Codes ist ähnlich. Durch einen zweidimensionalen Code werden die Daten an den Empfänger übermittelt. „Die App kann somit auch die Positionierung des Benutzers erkennen und dadurch die richtigen Informationen vermitteln“, erklärt Turner.

Auch für den Nahverkehr

Noch ist die Frankfurter Stiftung Vorreiter auf diesem Gebiet. Doch die App ließe sich auch einfach für den Nahverkehr und andere Einrichtungen programmieren, so Turner. Durch ein benutzerfreundliches System zur Inhaltspflege, können die hinterlegten Informationen zur Übermittlung erweitert oder verändert werden, damit die Informationen für den sehbehinderten Nutzer immer aktuell sind.

„Wir haben Erich Turner bei der Entwicklung in den letzten Jahren begleitet und sind über das Ergebnis begeistert“, sagt Andreas Enzmann, Vorstand der Stiftung.

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