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Eine Chance für die Zukunft

Von Kindern aus benachteiligten Familien die Möglichkeit bieten, gute Noten und ihre Träume zu erreichen: Das ist das Ziel der Chancenstiftung. Ihr Konzept: Solvente Paten ermöglichen Schülern Nachhilfestunden. Allerdings wird die Warteliste immer länger.
„Die ärmsten Schüler fallen durchs Netz!“ Cornelia Wolff von der Chancenstiftung. Foto: Leonhard Hamerski „Die ärmsten Schüler fallen durchs Netz!“ Cornelia Wolff von der Chancenstiftung.
Frankfurt. 

Eigentlich ist Cornelia Wolff ein optimistischer Mensch. Spricht die Leiterin der Chancenstiftung über Chancen und Potenziale der Kinder, glänzen ihre Augen, und eine fröhliche Stimmung verbreitet sich um sie herum. Kommt das Gespräch jedoch zur Frage, ob unser Bildungssystem unfair sei, verfinstert sich ihre Miene: „Natürlich“, schießt es entschlossen und von Wut erfüllt aus ihr heraus: „Die Leute, die Geld haben, kaufen sich eine Nanny, und die ärmeren fallen durchs Netz“, beklagt sie dramatisch gestikulierend.

Es berühre sie, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen die selben Chancen haben. Mit ihrer Arbeit in der Chancenstiftung möchte sie dem entgegenwirken. Für einen Beitrag von 110 Euro im Monat können Hilfsbereite eine Patenschaft übernehmen. Zwei Drittel der Spender sind derzeit Unternehmen. Durch dieses Geld finanziert die Stiftung ihren Schülern ein Jahr lang wöchentlich zwei 90-minütige Nachhilfestunden an einem renommierten Nachhilfeinstitut.

Dabei gehe es nicht bloß darum, am Schulstoff zu feilen, wie Wolff erklärt, viel wichtiger sei, dass die Kinder jemanden an ihrer Seite wissen, der sie betreut: „Das sind Kinder, die häufig zum ersten Mal gefördert werden“, berichtet Wolff. Sie weiß genau, wie ein Kind in der Schule verloren geht, wenn die Eltern ihrer eigentlichen Aufgabe nicht nachkommen: Es kommt zu spät zur Schule, ist völlig übermüdet und hungrig, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, die falschen Bücher dabei und vergessen, sich zu notieren, wann die Klausuren anstehen. „Auch aus den Kindern, die wir gerade betreuen, werden irgendwann Eltern“, mahnt Wolff.

Kinder müssen wollen

Stiftungsvorstand Christoph Börsch habe noch einen anderen Zugang zur Problematik, erzählt Wolff. Er verweise auf die enormen Folgekosten, die die Gesellschaft mit jedem durch das Bildungsraster gefallenen Kind trage. „Das können wir uns nicht leisten“, sei sein Fazit.

Dabei richtet sich das Hilfsangebot nicht bloß an Kinder, die um ihre Versetzung bangen: „Wenn jemand Medizin studieren will, dann soll das nicht am Einkommen der Eltern scheitern“, betont die Stiftungsleiterin. Andererseits erzeugt die Stiftung keinen Karrieredruck: „Nicht jeder ist ein Einser-Kandidat, viele sind mit einem Realschulabschluss schon wunderbar versorgt“, erklärt Wolff. Die einzigen Kriterien, um eine Förderung erhalten zu können, seien das Einkommen der Eltern und die Motivation der Kinder.

In einem selbstgeschriebenen Brief müssen die Jungen und Mädchen erklären, was sie in Zukunft erreichen wollen. Die Stiftung achte dabei bewusst darauf, dass nicht etwa die Eltern durch die Zeilen sprechen, sondern es erkennbar der Wille des Kindes ist, diese Förderung zu erhalten. Dadurch erhalte die Stiftung schon einen ersten Eindruck, ob die Förderung gut angelegt ist: „Die Kinder, die so einen Brief schreiben, die haben ja das Potenzial“, erklärt Wolff.

Damit die Familien das Stipendium ernst nehmen, müssen die Eltern einen Eigenanteil von 20 Euro im Monat beisteuern. Zwischen 80 und 100 Kinder erhalten aktuell den Zuschuss der Stiftung. Dass derzeit 60 Kinder auf der Warteliste stehen, sei ein neuer Rekord. „Das lässt sich nicht nur mit Flüchtlingen erklären“, blickt Wolff erneut auf das Bildungssystem.

Noten stark verbessert

Die Qualität der Nachhilfeinstitute, mit denen die Stiftung zusammenarbeitet, bemisst sie an den eigenen Erfahrungswerten: „Wenn die Noten nicht besser werden, dann würden wir nicht mehr mit dem Institut zusammenarbeiten.“ Sollte ein Stipendiat dreimal unentschuldigt nicht zur Nachhilfe erscheinen, wird ihm die Förderung gestrichen.

Cornelia Wolff blickt zufrieden auf die Bilanz der Stiftung: „Zwei Drittel haben ihre Note verbessert“, erzählt sie stolz. Aus der Förderung ergäbe sich noch mehr als bloß bessere Noten: „Das Selbstbewusstsein der Kinder entwickelt sich,“ beschreibt sie, „dadurch verbessert sich auch die mündliche Leistung und die Kinder haben nicht mehr das Gefühl, jeden Tag für Stunden an einem Ort zu sein, an dem sie immer die Verlierer sind.“

Jetzt selber Pate werden

Weitere Informationen über das Stiftungsangebot und wie Sie selbst helfen können finden Sie auf www.chancenstiftung.de

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