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Das Nebbiensche Gartenhaus ist stets gut gepflegt: Eine Idylle für alle bewahren

Wohl jeder Frankfurter hat so seine Lieblingsorte, wo er Ruhe findet oder Freunde trifft. In einer Großstadt muss man sich solche Orte stets mit anderen teilen. Wie gut, dass manche sie dennoch pflegen und hegen. So wie der Frankfurter Künstlerclub das Nebbienschen Gartenhaus.
Uwe sammelt rund um das Haus den Dreck der anderen ein. Foto: Rainer Rüffer Uwe sammelt rund um das Haus den Dreck der anderen ein.
Innenstadt. 

Am Nebbienschen Gartenhaus kommt man nicht vorbei, ohne sich zu wundern. So ruhig rauscht hier in der Bockenheimer Anlage, mitten in der Stadt also, der Verkehrslärm in scheinbar weiter Ferne. So Stadt-untypisch sauber sind die Blumenbeete und der aufwendig verzierte Springbrunnen. Das liegt auch an Uwe, der zu bescheiden ist, seinen Nachnamen zu nennen. Ruhig im Schatten zweier großer Bäume beseitigt er die Spuren der vergangenen Nacht. Manchmal dauert das zwei Stunden. Pizzakartons, Glasscherben, Zigarettenstummel. Oft auch Fäkalien, da es in der Bockenheimer Anlage keine Toiletten gibt, die die nächtlichen Besucher nutzen könnten.

Der Frankfurter Künstlerclub stellt in dem klassizistischen Gartenhaus weitestgehend unbekannte junge Künstler aus oder organisiert Konzerte, die, wie etwa moderne Kammermusik, nur ein kleines Publikum finden. Täglich öffnet das Gartenhaus und wird von einem der rund 15 Ehrenamtlichen betreut.

Die halten dann auch die Idylle sauber. „Kackhaufen weg zu machen, ist nicht so schön“, sagt Uwe. Schärfere Worte hört man aber von dem ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht. Er mag nichts schlechtes über die Jugendlichen sagen, die nach Schulschluss kommen, nach Einbruch der Dunkelheit lauter werden. Auch nicht über „die Leute im Anzug“, die hier hinter dem Hilton-Hotel ihre Mittagspause verbringen und Müll zurücklassen. Ebenso wenig über die Obdachlosen, die im Sommer den Garten als Schlafplatz nutzen. Die Idylle zieht viele Menschen an, die leider oft Dreck und Unrat hinterlassen. Uwe macht es weg. Und er lobt dabei das Grünflächenamt, dessen Mitarbeiter die Blumenbeete so schön bepflanzt haben, oder schwärmt von den Bäume neben dem Gartenhaus, die ihn die Jahreszeiten so intensiv wahrnehmen lassen. „220 Jahre sollen die alt sein. Was die mit gemacht haben.“

In der Nacht wird es laut

Es ist aber nicht nur der Dreck, der zu Unmut führt. Deutlicher als Uwe äußern sich Anwohner. Sie sagen, dass sie an den Wochenenden manchmal kaum schlafen könnten, weil die Ghettoblaster und das Geschrei so laut seien. Auch sei manchem nicht mehr geheuer, im Dunkeln durch die Anlage zu laufen. Guenther Uttecht, Vorsitzender des Künstlerclubs, hat damit ebenfalls so seine Sorgen. Wenn sich Jugendliche vor dem Gartenhaus prügelten, schrecke das Besucher ab, in den Ausstellungsraum zu kommen. Er erzählt auch, wie sich die Mitglieder des Clubs während eines Zeichenkurses einmal selbst eingeschlossen hatten. Ein paar Jugendliche hätten sich an der Tür und den Fenstern gedrängt, um einen Blick auf das Aktmodell erhaschen zu können. Alle Fensterläden hätte man daher verriegelt, woraufhin ein paar Jungs an der Tür nach oben klettern, um durch das darüber liegende Fenster zu schauen. Dabei sei auch die Tür beschädigt worden. Ein anderes mal hätte jemand einen Scheinwerfer aus der Erde gerissen und in die Aushangtafel des Vereins geworfen. In der Dachrinne habe man zudem Handtaschen gefunden, die vermutlich gestohlen wurden.

Es seien eben Jugendliche, sagt Uwe. „Wir haben doch früher alle Blödsinn gemacht und den Starken markiert.“

Verein sucht das Gespräch

Wenn am Nachmittag die ersten Schüler am Gartenhaus eintrudeln, bittet Uwe sie häufig hinein. „Wenn es gelingt, die Mädchen für die Kunst zu interessieren, kommen die Jungs auch mit“, sagt Uwe und kneift dabei die Augen zusammen. Der Rentner muss schmunzeln, weil es in seiner Jugendzeit genauso war. So kommt Uwe mit ihnen manchmal ins Gespräch: Darüber, wie die Bilder entstanden sind, wie lange es gedauert hat, sie zu malen, oder, ob der Künstler von seiner Arbeit leben kann? Uwe versteht das auch als eine Chance, den jungen Leuten die Kunst näher zu bringen. Gelegentlich versucht sich auch jemand an dem großen schwarzen Flügel, der im Gartenhaus steht. „Das klingt dann mal besser, mal schlechter, aber das ist ja egal.“

Wie Uwe versuchten die meisten Ehrenamtlichen mit den Jugendlichen in den Dialog zu treten, sagt Uttecht. Nur so könne man die Leute dafür sensibilisieren dieses kleine Paradies mit ihnen zusammen zu bewahren. Dabei machen sie kleine Erfolge. Uwe sagt, öfter höre er, wie sich die Jungen gegenseitig ermahnen den Ort mit Respekt zu behandeln.

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